27.08.11 WEINE 15 Einem Freund senden

Rübergemacht*: André aus der DDR

Hübsch. Und viel älter als die DDR je wurde: Kloster Pforta. (Foto: Weingut Kloster Pforta)Hübsch. Und viel älter als die DDR je wurde: Kloster Pforta. (Foto: Weingut Kloster Pforta)

Der Exotismus in der Weinproduktion hat längst in Deutschland Einzug gehalten. Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Shiraz, Tempranillo oder Touriga nacional aus deutschen Landen. Kein Problem. Man kann trefflich darüber streiten, ob das Sinn macht. Ein Ausdruck von Vielfalt ist es jedenfalls nur bedingt, denn wenn irgendwann alles überall angebaut wird, verschwinden allmählich die regionalen Besonderheiten des Weinbaus.

Und jetzt steht also ein „André" aus dem Jahrgang 2008 auf dem Kombüsentisch. Auch nicht gerade ein deutscher Klassiker, sondern ein Exot aus realsozialistischen Zeiten. Doch dazu später.

Der granatrote, auf 16 bis 18 Grad temperierte Tropfen küsst die Nase mit Kräutern, Sauerkirsche und leicht erdigen Noten. Am Gaumen bleibt zunächst die Kirsche, zu der sich dann noch reife Pflaume und äußert milde Tannine gesellen. Ganz verhalten melden sich dunkle Beeren, die wohl noch ein wenig Zeit brauchen, um im André-Aromenorchester angemessen wahrgenommen zu werden. Der Säure merkt man an, dass sie nur bei vollreifem Lesegut im Zaum zu halten ist, was bei diesem Wein aber der Fall ist. Die dezenten 12 Prozent Alkohol stehen ihm gut, der schmale Grat zwischen dünn und leicht fuselig wurde souverän begangen. Das Vergnügen endet mit einem mittellangen, weichen und warmen Abgang.

Angebaut wird diese Rarität bei Bad Kösen im Saale-Unstrut-Gebiet vom Landesweingut Kloster Pforta auf der im Alleinbesitz des Gutes befindlichen terrassierten Südlage Gosecker Dechantenberg. Auf wasserdurchlässigem Buntsandsteinboden findet er optimale Bedingungen. Derzeit wird allerdings noch der Großlagenname Großjenaer Blütengrund verwendet, ab dem Jahrgang 2011 soll sich das ändern. Ausgebaut wird dieser Wein traditionell nach Maischevergärung im großen Holzfass.

Übrigens: Kloster Pforta war hier am Schiff schon mal ein Thema.

Natürlich zählt auch die Rebsorte André nicht gerade zu den deutschen Klassikern. Die in Mähren (Tschechien) 1960 gezüchtete Kreuzung aus Blaufränkisch und Saint-Laurent hat bis heute eine gewisse Bedeutung in Tschechien und der Slowakei und ist ganz vereinzelt auch in Österreich zu finden. Dass sie in Deutschland nur im Saale-Unstrut-Gebiet und in Sachsen für den Qualitätsweinanbau zugelassen ist, hat in erster Linie politisch-historische Gründe.

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Kommentare 15

Kommentare

Don

die rotweine von pforta sind absoluter schrott. die gedeihen so weit oben im norden, dass man da nur mit entsprechender kellertechnik was zustande bringt.

genauso steht es um den blauen zweigelt und den andré - beides absolut unnötig und dünn.

ich bleib bei den weinen von anständigen weinregionen.

aber klar - so ein osi weingut kann man in eine schöne geschichte stecken und viel drüber erzählen.

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freundlicher Kommentator

@Don, na dass ist doch mal ein fundierter Kommentar. Kompliment dafür. Ossi - sieht auch besser mit zwei von dem schönen Buchstaben -s- aus.
Ich empfehle ein gelegentliches überprüfen der eigenen Weinkenntnisse, da läßt sich sicher auch mal eine positivere Erfahrung machen. Empfehlungen gern auf Nachfrage oder nach eigener Recherche - ein Computer scheint ja vorhanden zu sein.

Herzliche Grüße in den tiefen Westen der Republik.

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Sturmlotse Balcerowiak ...verwundert

@Don. Ich freue mich immer, wenn sich ausgewiesene Kenner bestimmter Regionen, Rebsorten oder Weinen mit fundierten Kommentaren zu Wort melden. Saale-Unstrut-Rotweine mal eben pauschal als "Schrott" zu dissen, zeugt allerdings von wenig Lust, sich tatsächlich mit Weinen auseianderzusetzen. Weine sind immer konkret: Haben sie den 2008er André von Kloster Pforta getrunken oder nicht? Wenn ja, wäre ich gespannt auf die Expertise. Wenn nicht, wäre es angemessener gewesen, das Wasser zu halten

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Don

Ja, genauso wie den Zweigelt und ich finde das Zeug wirklich dünn und fad.

Ich saß damals sogar mit dem Önologen zusammen und weiß wie der wein entstanden ist.

So hoch im Norden entsteht Wein eben eher im Keller als im Weingarten.

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freundlicher Kommentator

wie hieß gleich nochmal der Önologe?

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Sturmlotse Balcerowiak

@don. Soso, der 2008er André schmeckt also "dünn und fade". Geht`s ein bisschen genauer? Was hat der Önologe denn so über die Kellerzauberei erzählt?

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sogardenn

auf was für abstruse Themen Herr Balcerowiak kommt..., das ist keine Nische, sondern ein als Exot der Mangelwirtschaft geschaffenes Kunstprodukt, das in unserer freien Weinlandschaft wahrlich keiner mehr braucht. Wozu also diese Ostalgie- Reminiszenzen?

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sturmlotse balcerowiak ...belustigt

Hilfe, jetzt werden schon Rebsorten in nachträgliche Haftung für das DDR-System genommen. Wieso istAndré ""ein als Exot der Mangelwirtschaft geschaffenes Kunstprodukt"?
Auch an Sie die Frage: Haben sie den besprochenen Wein getrunken? Oder wollen Sie bloß pöbeln?

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tellbertini

Ihr Tonfall, Balcerowiak, ist einfach indiskutabel - bitte künftig auf die stalinistische "Junge Welt" beschränken.

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Christian G.E. Schiller

I recently visited Kloster Pforta and 8 other winemakers in the Saale Unstrut region. Very pleasant and interesting emerging wine region. Here is my latest report on Weingut Gussek, where we tasted only red wines, though not Andre. http://schiller-wine.blogspot.com/2011/08/visiting-andre-gussek-and-his-...

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Söldner

Da hat im Frühjahr schon der Klimek drüber geschrieben. Balcerowiak fällt also auch nix Neues ein.

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Gast ...korrigiert den Ex-Captain

Ja, Klimek. Aber da hast Du nur ein paar dünne Zeilen über den André geschrieben: http://www.captaincork.com/Meinung/Kloster-Pforta-und-Saale-Unstrut-Die-...

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charlie

Dechantenberg http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=2313

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Gast sachlich

Mähren ist der östliche Landesteil Tschechiens, nicht der Slowakei. Das dortige Weinbaugebiet liegt im Süden Mährens, unmittelbar angrenzend an das österreichische Weinviertel.

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Schiffsjunge ...einsichtig

Recht hat der Gast. Ich hab's sofort geändert. Ohje, das bedeutet nächtelanges Kartenstudium bei Kerzenschein...

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