Der Exotismus in der Weinproduktion hat längst in Deutschland Einzug gehalten. Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Shiraz, Tempranillo oder Touriga nacional aus deutschen Landen. Kein Problem. Man kann trefflich darüber streiten, ob das Sinn macht. Ein Ausdruck von Vielfalt ist es jedenfalls nur bedingt, denn wenn irgendwann alles überall angebaut wird, verschwinden allmählich die regionalen Besonderheiten des Weinbaus.
Und jetzt steht also ein „André" aus dem Jahrgang 2008 auf dem Kombüsentisch. Auch nicht gerade ein deutscher Klassiker, sondern ein Exot aus realsozialistischen Zeiten. Doch dazu später.
Der granatrote, auf 16 bis 18 Grad temperierte Tropfen küsst die Nase mit Kräutern, Sauerkirsche und leicht erdigen Noten. Am Gaumen bleibt zunächst die Kirsche, zu der sich dann noch reife Pflaume und äußert milde Tannine gesellen. Ganz verhalten melden sich dunkle Beeren, die wohl noch ein wenig Zeit brauchen, um im André-Aromenorchester angemessen wahrgenommen zu werden. Der Säure merkt man an, dass sie nur bei vollreifem Lesegut im Zaum zu halten ist, was bei diesem Wein aber der Fall ist. Die dezenten 12 Prozent Alkohol stehen ihm gut, der schmale Grat zwischen dünn und leicht fuselig wurde souverän begangen. Das Vergnügen endet mit einem mittellangen, weichen und warmen Abgang.
Angebaut wird diese Rarität bei Bad Kösen im Saale-Unstrut-Gebiet vom Landesweingut Kloster Pforta auf der im Alleinbesitz des Gutes befindlichen terrassierten Südlage Gosecker Dechantenberg. Auf wasserdurchlässigem Buntsandsteinboden findet er optimale Bedingungen. Derzeit wird allerdings noch der Großlagenname Großjenaer Blütengrund verwendet, ab dem Jahrgang 2011 soll sich das ändern. Ausgebaut wird dieser Wein traditionell nach Maischevergärung im großen Holzfass.
Übrigens: Kloster Pforta war hier am Schiff schon mal ein Thema.
Natürlich zählt auch die Rebsorte André nicht gerade zu den deutschen Klassikern. Die in Mähren (Tschechien) 1960 gezüchtete Kreuzung aus Blaufränkisch und Saint-Laurent hat bis heute eine gewisse Bedeutung in Tschechien und der Slowakei und ist ganz vereinzelt auch in Österreich zu finden. Dass sie in Deutschland nur im Saale-Unstrut-Gebiet und in Sachsen für den Qualitätsweinanbau zugelassen ist, hat in erster Linie politisch-historische Gründe.
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Hübsch. Und viel älter als die DDR je wurde: Kloster Pforta. (Foto: Weingut Kloster Pforta) 





die rotweine von pforta sind absoluter schrott. die gedeihen so weit oben im norden, dass man da nur mit entsprechender kellertechnik was zustande bringt.
genauso steht es um den blauen zweigelt und den andré - beides absolut unnötig und dünn.
ich bleib bei den weinen von anständigen weinregionen.
aber klar - so ein osi weingut kann man in eine schöne geschichte stecken und viel drüber erzählen.