Hier ist alles richtig. Das Etikett, der Weinmacher, der Wein. Ridge zählt für den Captain zu den besten kalifornischen Weingütern, zu jenen, die wenig auf die Wertung von Parker geben, zu jenen, die auch ein Auge in die Welt werfen und nachsehen, was dort gekeltert wird. Ridge ist für den amerikanischen Wein, was Suhrkamp für das deutsche Buch ist. Eine Darstellung des Intellektuellen.
Ähnlich in der Erscheinungsform: sowohl Ridge als auch Suhrkamp setzen auf eine exzellente Typo, auf Schrift statt Bild, auf keine dummen Illustrationen und Grafiken. Das Label von Ridge ist nüchtern und sachlich. Und vermittelt dennoch, dass es sich hier um einen großen Wein handelt, Wein von Önologen, die darüber nachdenken, warum sie Önologe sind.
Und manchmal kommen die Mannen um Weinmacher Paul Draper nur drauf, dass sie guten Wein machen möchten. Längst vergangen die Tage, als sie der Welt - vor allem den Franzosen - beweisen mussten, dass sie besseren Wein als die Europäer keltern können. Ridge ist tief mit der Geschichte vom Aufstieg des kalifornischen Weins verbunden. Und natürlich läuft jede Avantgarde irgendwann mit der Masse, wird von ihr eingeholt, überholt und abgehängt - abgelehnt.
Im Kopf cuvéetiert
Drapers Leute jedoch kelterten immer schon einen etwas anderen Wein, gänzlich ohne Einfluss, gänzlich im Kopf cuvéetiert, frei für jedes Experiment. Und frei, jedes Jahr etwas Neues zu probieren, die Cuvées nach Bedarf zu verändern, nicht sklavisch an Regeln und Rezepte gebunden zu sein.
Ridge hat viele seltene Sorten im Ertrag, Petit Syrah zu Beispiel. Oder Carignane. Die Cuvée aber, von der heute die Rede sein soll, ist ein klassischer Verschnitt, wie man sie im Bordelais mischt. Am rechten Ufer. Also Cabernet-Sauvignon mit Merlot und etwas Petit Verdot. Der Wein heißt "Santa Cruz Mountains Estate". Es ist die "kleine" Spitzencuvée von Ridge.
Die große heißt "Monte Bello" und kostet so viel Kohle, dass man für eine Kiste aus einem guten Jahr einen halben Monatslohn hinlegt. Und immer noch günstig wegkommt. Der Santa Cruz wandelt auf Monte Bellos Spuren, ohne ihn je einholen zu können. Und das ist in sonnigen und guten Jahren auch gut so, denn da bleibt der Monte Bello lange ein harter und verschlossener Muskelprotz, dem man zehn Jahre geben muss, damit er seine Eleganz unter Beweis stellen kann.
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His masters Fass. Paul Draper (Foto: Bob Wood) 


