Es war spät gestern. Und Gerhard Retter kam mit einer großen und mächtig Eindruck schindenden Flasche an den Tisch. Breitegrade, Längengrade, Koordinaten. Die einen in Hamburg. Die anderen in Württemberg. Ein Winzer und ein Investor. Und vor allem eine neue Rebsorte, eine Neuzüchtung namens "Regent". Die Sorte Regent gibt es nun seit gut 40 Jahren und sie darf erst seit 1995 im Weinbau verwendet werden. Sie ist sehr schädlingsresistent und wurde bislang in kleinen und mittleren Rotweincuvées eingesetzt. Regent gibt den Weinen eine schokoladige Frucht und vor allem eine dunkle, tiefgründige Farbe. Das ist, wofür man sie mag. Das ist, was sie kann. Doch die Sorte hat ihre Grenzen.
Über diese Grenzen wollte Andi Knauß gehen, ein überaus gutaussehender Winzer, der Mädchentyp der neuen deutschen Winzergang. Knauß wurde von dem jugendlichen Hamburger Investor Rainer Scholz für das Projekt "Parfum der Erde" verpflichtet, in dem dieser Regent veröffentlicht wird. Knauß hat die Vorteile der Sorte noch deutlicher herausgearbeitet und den Wein in sanft-elegantem Holz ausgebaut. Er hat sein Händchen bewiesen.
Gänzlich undeutsch
Und der Regent verblüfft. Er ist feinfruchtig, dunkel, warm und gänzlich undeutsch. Viel eher würde man den Wein in Norditalien oder Südfrankreich verorten. Das macht diesen Regent zum derzeit interessantesten Rotwein der nicht gerade auffälligen Region Württemberg. Ein Sonderfall. Und die Sorte zeigt auch bei Knauß, dass die ihre Grenzen kaschieren, aber nicht verleugnen kann. Bei Knauß muss sie das auch gar nicht. Trotz aller Tiefe und Hintergründigkeit kann man nicht von einem langlebigen Rotwein sprechen.
Der Regent "Parfum der Erde" ist ein gewichtiger Wein, den man sofort gut trinken kann. Ohne viel Kopfzerbrechen. Alles Weitere erklärt Gerhard Retter im Film. Und der Captain legt sich noch einmal schlafen.
- Regent 2008 Parfum der Erde. Vermuteter Preis: 25,00 Euro. Entweder bei Nancy Ward oder bei Daniel Hasert. Leider scheinen beide Händler das Internetz nicht sinnvoll nutzen zu wollen, denn weder schaffen sie es - neben einer ausführlichen Selbstdarstellung - ihre Weine einzeln anzugeben, noch Preise zu nennen. Das ist bedauerlich. Deswegen muss man für diesen Regent ein paar Schritte mehr tun. Es lohnt sich aber.
P.S.: Gerhard Retter veranstaltet am 6. Juli 2011 in der Fischerklause wieder sein Weinfest am See mit Wildschwein vom Grill und einer Reihe bedeutender Spitzenwinzer aus Deutschland und Österreich (Othegraven, Schiefer, Winning, Rings, Aumann, Weil, Pichler-Krutzler uvm.). Kostet 55,00 Euro pro Person und endet immer im glücklichen Delirium. Für etwa zehn Matrosen des Captain sind noch Restplätze frei. Bitte beim Reservieren den Captain als Referenz angeben, damit man nicht gleich abgewimmelt wird. Tel: 04154-792200. Die Chefin oder den Chef verlangen.














clip gefällt mir.
aber wenn irgendwo 2 koordinatenreihen stehen und neben der einen east und neben der anderen north, dann ist das exakt EIN ort. nämlich genau der, wo der eine auf den anderen trifft.