Wenn der Captain hier schreibt, dass Ornellaia vorbei ist, dass seine Tage des Luxus und der Moden gezählt sind, so ist das nicht abwertend zu verstehen. Ganz im Gegenteil. Und er vertraut seinen Matrosen, dass sie richtig lesen. Und nichts zwischen den Zeilen.
Gestern hatte der Captain ein Frühstück mit Ornellaia. Herr Frescobaldi war da, der Initiator und Besitzer. Und dann der Kellermeister. Und andere Honoratioren. Es ging um eine Versteigerung zugunsten der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Und nur ältliche hanseatische Journalisten interessierte das Ergebnis dieser PR-Tour. Den Captain interessierte es nicht.
Dabei hat Rebecca Horn wirkliche Kunst um die Flasche gewickelt. Das alles ist so sehr von Geschmack und "Bella Figura" geprägt, dass der Empfang wie ein Wellnessurlaub wirkte. Alleine die ganzen schön angezogenen Italiener - Eine Freude. Und doch war der Event ein Beweis, dass Ornellaia vorbei ist. Aus der Zeit gefallen.
Und das ist perfekt, das Beste, das diesem Weingut passieren kann. Keine Notwendigkeit mehr, dick aufzutragen. So gesehen ist es auch erstaunlich, dass Ornellaia gerade jetzt einen Kunst-trifft-Wein-Event einrichtet (seit 2006). Das hätte das Weingut nicht mehr tun müssen. Es ist eine Fleißaufgabe. Auch das spricht für die Leute, die das machen.
Ein Wein aus der Zeit, ein Gebiet, in dem alles geht
Der Captain ging zu diesem Event, um Ornellaia zu kosten. Der ist seit jeher sein Lieblingswein in der Region, immer eine Spur besser, als der rustikale Sassicaia. Und eine Spur rustikaler, als der mitunter phänomenale Solaia. Den Masseto braucht der Captain nicht. Ein reines Modeprodukt.
Ornellaia fasst seit Jahren schon alles Italienische zusammen. Gegründet wurde das Weingut Anfang der 1980er Jahre von Antinori und Mondavi, die Amerikaner griffen sich 1999 die Mehrheit und gingen eine Partnerschaft mit Frescobaldi ein, der die siechenden Amerikaner 2005 wieder rauskaufte. Der Blend ist nach Vorbild der Region Bordeaux (Bordelais), also Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Mit Petit Verdot wurde experimentiert.
Diese Bordeaux-Nähe ist wichtig zu erwähnen, denn immer noch glauben viele Deutsche und Österreicher, dass es sich bei Bolgheri um ausgemacht toskanischen Wein handelt. Toskanischer Wein war aber niemals das, was Antinori, Frescobaldi und die anderen in Bolgheri machen wollten. Kein Gebiet Italiens ist verlogener als Bolgheri. Und keines besser.
Spielwiese
Bolgheri wurde gegründet, weil die reichen toskanischen Winzer eine eigene Spielwiese haben wollten. Und einen Wein für die aufstrebende Borghesia, einen Wein für die Schickeria in Portofino und Porto Cervo. Mailand war im Visier. Und Verona. Padua. Und Rom. Später kam Amerika hinzu, Amerika wurde das Aufmarschgebiet der Supertuscans. Antinori, Frescobaldi und Co. wurden die Gegenspieler von Mouton, Petrus und den anderen überheblichen Franzosen. Das vor allem, indem sie diese maßlos kopierten.
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Immer noch und weiterhin der größte aller Toskaner... 





Lieber Captain!
Ornellaia wurde von Lodovico Antinori gegründet! Jahre später hat er dann die Partnerschaft mit Mondavi gemacht, an die er letztdendlich verkauft hat und denen hat dann Frescobalid die Anteile abgekauft.
Lodovico Antinori war übrigens nicht sehr glücklich darüber... Jetzt hat er wieder ein Weingut welches er mt seinm Bruder Piero Antinori managt (Tenuta di Biserno).
mfg