Pinot-Diskussion beim Captain. Auch über das Wochenende. Und auch an Bord. Was kann der deutsche Spätburgunder? Und ist er französischen Pinots überlegen? Der Captain behauptet ja, dass deutsche Spätburgunder im niedrigen und mittleren Preissegment den französischen Weinen gleicher Traube vorzuziehen sind. Da sind nicht alle Matrosen gleicher Meinung. Auch nicht der Erste Offizier. Also wird telefoniert.
Erster: Uns fällt auf, dass du dich immer wieder mit Thesendiskussionen in die Scheiße reitest.
Captain: So würde ich das nicht sehen. Meine Ansicht ist keine These und stößt zudem nicht gerade auf breite Ablehnung, wie du im Kommentar-Forum unter den Artikeln erkennen kannst.
Erster: Aber du hast wieder eine Gegnerschaft aufgebaut, die zunehmend glaubt, du bist alleine auf Polarisation aus. Obwohl ich ja glaube, du meinst das mit dem deutschen Spätburgunder völlig ernst.
Captain: Meine ich auch.
Erster: Und wie stehst du dann zu der Aussage, dass man Deutschland und Frankreich nicht vergleichen kann?
Captain: Das sagte ich ja schon einmal. Ich halte die Aussage "das kann man nicht verlgleichen" für ein Totschlagargument. Wahr ist, dass das Terroir und auch kleinklimatische Bedingungen unterschiedlich sind. Wahr ist aber auch, dass es sich um die gleiche Traube aus ähnlichen Regionen in Europa handelt. Und wahr ist auch, dass ein Konsument vor der Wahl steht, entweder dies oder jenes zu kaufen. Und da habe ich mich in der Preisklasse zwischen 8 und 20 Euro eindeutig für den deutschen Spätburgunder ausgesprochen. In der Preisklasse darüber bekomme ich auch aus Frankreich echt großes Theater. Bei mir liegt die Betonung auf dem "auch". Wiewohl ich wiederholt feststelle, dass es in dieser Preisklasse dann auch einzigartige und großartige Pinot-Noirs aus dem Burgund gibt, die in Deutschland ihresgleichen nicht finden. Noch nicht finden. Und eventuell nie finden werden.
Erster: Das klingt wie geschickt aus der Affäre geredet.
Captain: Das klingt nicht nur so. Das ist es auch.
Erster: Aber was ist das? Du hast gestern eine Cuvée getrunken, die dich ja extrem begeistern konnte. Was war das?
Captain: Das war die Cuvée " Gaudenz" vom VDP-Weingut Knipser aus der Pfalz. Ein Weingut, dass extrem hohe Wertungen hat und eine inzwischen lange Tradition im Anbau von Rotweinen vorweisen kann. Der Wein war extrem lecker.
Erster: Von solchen Weinen gibt es ja inzwischen einige in Deutschland, ich erinnere dich nur an den Hand-in-Hand von Klumpp und Mayer-Näkel.
Captain: Ja, klar...
Erster: Und jetzt ist das wieder so ein Wein. Mit einem extrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis nehme ich an?
Captain: Stimmt. Der Gaudenz kostet unter 10 Euro und ist in dieser Preisklasse das Beste, was ich seit langem getrunken habe. Wichtig aber: Es war eine Flasche aus dem Jahr 2007. Viele deutsche Rotweine aus 2008 haben mich bislang doch eher enttäuscht. Da gibt es bei den Weißweinen mehr Ausnahmen.
Erster: Und was ist so besonders am Gaudenz?
Captain: Das Wichtigste: In Österreich oder Frankreich wäre ein Wein mit diesem Trinkvergnügen und diesem Preis längst ausverkauft. In Deutschland ist er aber noch am Markt. Da muss man zuschlagen, was ich auch getan habe. Ein paar Flaschen sind auf dem Weg zum Schiff...
Erster: Sehr gut. Und weiter?
Captain: Ich habe ihn wie immer etwas kühler - bei ungefähr 18 Grad - getrunken. Der Gaudenz ist eine Cuvée aus Dornfelder - jener mehr als die Hälfte -, Cabernet-Sauvignon, St. Laurent, Lemberger und Merlot. Meiner Meinung nach stechen St. Laurent und Merlot stark heraus, der Cabernet und der Dornfelder sorgen für das stabile Fleisch des Weins, wobei der Dornfelder gemeinsam mit dem St. Laurent für den regionstypischen Charakter verantwortlich zeichnen. In der Nase also reife Kirsche, viel Pflaume, etwas Cassis, Minze, Rosmarin und etwas Räucherkammer vom gebrauchten Holz.
Erster: Wie lange war er da drin?
Captain: Laut Angabe von Knipser 12 Monate. Das Holz macht den Wein sehr gefällig und international, ohne ihn in die Banalität zu drängen. Ich weiß aber, dass es sicher wieder viele Matrosen geben wird, die genau diesen Wein in eine Banalitätsecke drängen wollen. Ich werde ihn aber sicher nicht mit einem Spätburgunder vergleichen, obwohl er meiner Meinung nach ein Zimmer in der gleichen Wohnung bewohnen sollte.
Erster: Im Mund?
Captain: Kühl, kräftig, elegant. Sanfte, aber merkbare Tannine. Hier dann auch mehr Cassis. Aber immer ein verhaltenes Terroir. Höchst vergnüglich. Und für das Geld ein Hammer. Empfehle ich auch meinen österreichischen Matrosen, weil diese Weine immer eine Überraschung darstellen und der deutsche Rotwein dort noch ein Nischendasein führt.
Erster: Dann zum Abschluss: Wie viel? Und wo?
Captain: Habe ich recherchiert:
- Cuvée Gaudenz von Knipser für 8,90 Euro bei Genuss7
Erster: Was machen wir mit dem Beitrag von Küppersbusch?
Captain: Den stellen wir am Nachmittag rein. Als zweiten Wein der Woche.
Hier gibt es weitere Weine unter 10 Euro, vom Captain empfohlen.







Bei Knipsers im Keller... 





Am WE Gaudenz 2005 getrunken. Der Wein behält die beschriebenen Attribute. Preis- wert, mir persönlich vielleicht etwas zu 'international'.