22.04.11 WEINE 4 Einem Freund senden

Go East: Villány - groß und Größe

Villany. Viel Acker, viel Wein... (Foto: Sideways)Villany. Viel Acker, viel Wein... (Foto: Sideways)

Groß? Was ist groß im Qualitätsweinbau? Eine Produktion von über 600.000 Flaschen jährlich ist nicht nur in Ungarn eine Ansage. Und für das kleine Weinland in jedem Fall das obere Ende der Fahnenstange. "Groß" soll hier aber gleichzeitig für herausragende Qualität stehen. Für wahrhaft große Weine also. Und es mag verwundern: vom selben Produzenten gibt es Weine ab 5 Euro. Aufwärts, bis hin zu satten 70 Euro. Wir sind immer noch in Ungarn und reden nicht von Aszús aus der prominenten Region Tokaj. Zumindest der Preis suggeriert also: man hat es hier mit etwas besserem zu tun. Hier, beim Weingut Bock in Villany.

Der "Magnifico" 2006, eben jener 70 Euro-Pfünder, erweist sich dann aber als im Grunde rezeptpflichtig: tiefdunkel im Glas, mit überreifer, folglich säurearmer und zu Tode geteerter schwarzer, medizinischer Frucht und einem Tanninbombardement, das einem alles zusammenzieht. Sechzehnkommafünf Prozent Alkohol. Reinsortig Merlot. Die preislich nahe liegenden Cuvées Libra und Capella folgen - verkürzt gesagt - dieser Richtung. Unerträglich. Untrinkbar. Kriegserklärung für den Gaumen, nur auf ärztliche Anweisung einzunehmen. Wem gefällt das? Wer bezahlt das? Was soll das?

Organisches Wachstum: vom Vorreiter zum Großbetrieb

Hier ist von einem Bock die Rede. Keinem, der geschossen wurde. Sondern von József Bock - einem, nein, "dem" bekanntesten Rotweinerzeuger Ungarns. Auch wer in Ungarn nichts bis wenig mit Wein am Hut hat, kennt seinen Namen. Er war einer der ersten, die nach der Wende in Villány die Zeichen der Zeit erkannten. Und der in ebenso konstantem wie rasantem Tempo eine inzwischen beachtliche Familiendynastie aufbaute. Während viele andere noch Jahre brauchten, um zu realisieren, dass ein "weiter so!" in den alten Strukturen nicht mehr angesagt war, nutzte Bock die Gunst der Stunde und investierte. Das macht er heute noch, ein nimmermüder Hansdampf.

Und so wandelt man mit ihm durch ein Kellersystem, in dem sich aberhunderte von Barriquefässern stapeln. Eine Welt für sich, mitten im beschaulichen Ort Villány, die man von außen nicht ansatzweise vermuten würde.

Respekt verdient er dafür, keine Frage. Bock hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass Villány - und damit Ungarn - über die Landesgrenzen hinweg überhaupt wahrgenommen wurde. Dort, wo es - selten genug - ungarische Weine gibt, ist Bock nicht weit. Und auch heute noch entsteht kein Artikel über Villány, ohne dass Bock, oder die andere lokale Größe, Attila Gere, besucht werden. Ein Muss? Nein, nicht mehr. Allenfalls zum Benchmarking.

Mehr ist mehr ist falsch

Das Hauptproblem ist: Bock scheint über die Jahre dem Ansatz "mehr ist mehr" gefolgt zu sein. Das Ergebnis: am unteren Ende findet man nichtssagende Weine, am oberen Ende untrinkbare. Unten scheint alles in die Flasche zu kommen, was nicht rechtzeitig von den Staren vernascht wurde. Oben vertritt er einen Stil, der eher an äußerst schwergängige Weine aus Übersee, als an das gemäßigte Kontinentaleuropa erinnert. Lokalkolorit? Fehlanzeige.

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Kommentare 4

Kommentare

mendez

Hauptsache Banause Scotch

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Gast

Guten Tag,
den Artikel möchte ich nicht kommentieren, aber darauf hinweisen, dass das Bild nicht in Villany, sondern in Villanykövesd aufgenommen sein muss.
Viel Spaß noch beim Probieren der ungarischen Weine.

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