07.09.10 WEINE 1 Einem Freund senden

Toskana-Party: Wo ist denn die Magnum?

Viel Fass, viel Ehr. Wir kaufen es gerne. Um einen guten Preis...Viel Fass, viel Ehr. Wir kaufen es gerne. Um einen guten Preis...

Einst waren die Mazzei lediglich adelige Weinbauern in der Toskana, wertkonservativ, wenig experimentierfreudig und immer auf das Konsortium bauend, dem man vorstand. Die Chiantis reiften in großen Kastanienfässern vor sich hin, die Riservas sogar vier bis fünf Jahre. Das war die gute alte Zeit im Gallo-Nero-Gebiet, das nur den Chianti-Classico-Erzeugern gehört. Alles im Lot. Bis der Weinboom und die teuren Supertuscans kamen. Endlich wurde mal richtig Geld verdient.

Und auch die Mazzeis verdienten Geld. Mit ihrem Castello di Fonterutoli. Und irgendwer hat allen größeren und finanzkräftigen Winzern der Toskana eingeredet, sie sollen möglichst viel Land kaufen. Denn der Weinboom werde noch länger andauern. Und die Welt würde Millionen Flaschen brauchen.

Danach sah es zuletzt nicht mehr aus. Und so bleiben heute viele Weinmacher und Weinhändler auf ihren oft industriell hergestellten Weinen sitzen. Vor allem jene aus den neuen Anbaugebieten, vormals meist braches Land, das gekauft und teuer bepflanzt wurde. Und es ist eine Art Tragödie, dass manche dieser Weine gerade jetzt besser sind, als ihre noblen Brüder aus den traditionellen Regionen. Doch in der Krise kauft der Konsument gerne nur das Bekannte.

Viel Land, viel Fläche, viel Wein

Auch die Mazzeis haben viel Land und Anbaufläche. Einst kelterten sie knapp 100.000 Flaschen jährlich. Jetzt ist es das Siebenfache. Viele ihrer neuen Stöcke wachsen im Gebiet der südlichen Maremma. Dort, wo einst auch der Captain mit dem Weinbau beginnen wollte. Und einen Berg besaß. Um seinen kahlen Hügel herum haben jene von Frescobaldi und Mazzei ihre Anlagen hochgezogen. Der Captain hatte für diese Späße zu wenig Geld. Gott sei Dank.

Doch der Konsument darf sich freuen. Tausende junger Stöcke geben Beeren für feine, fruchtige und trinkfreudige Rotweine, die man einst nicht eingeplant hatte. Eine Armee von teuren Supertuscans sollte die Weinwelt erobern. In diesem Sinne wurde auch gut und teuer gepflanzt, nachhaltig, mit perfekten Klonen.

So entstand dieser Poggio alla Badiola, eine Cuveé aus 70 % Sangiovese und 30 % Merlot. Dem Captain scheint der Merlot etwas unterrepräsentiert, dem Wein tut das nicht schlecht. Fonterutoli kann und will nicht genau sagen, ob die Trauben nun aus der Maremma oder aus dem Chianti kommen. Drei Mails des Captain brachten unterschiedliche Antworten. Wird halt von allem was dabei sein.

Von allem was dabei

Der Poggio alla Badiola ist schon in der normalen Flasche ein günstiger Alltagswein. Im großen Gebinde allerdings wirkt der Wein fruchtiger und mächtiger zugleich. Vor allem in der ersten halben Stunde hat man oft das Gefühl, einen richtig ordentlichen Saft im Glas zu haben; einen Wein, dessen ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis wundern lässt.

2008 war eines der besseren Jahre in der Maremma. Deswegen riecht der Wein gleich saftig und fruchtig, nach Kirsche und Ribisel, nach Kräutern, Minze, etwas rohem Fleisch, auch nach Anis und Gewürznelke. Zudem kitzelt eine sehr gut eingebundene Säure, die viele Sangiovese auszeichnet. Der Merlot ist in der Nase nur mit weißem Pfeffer vertreten.

Weiters auch Hirschbirne. Und komischerweise Avocado. Die Avocado setzt sich auch im Mund fort, dazu eine enorm stabile Frucht. Wieder Kirsche und Weichsel. Wenig Terroir (obwohl vorhanden), dezentes und elegantes Holz (hier kennt man sich offenbar aus) und kaum Gerbsäure. Was auch signalisiert, dass dieser Wein nicht allzu lange haltbar sein wird. Fünf Jahre schafft er in der Magnum spielend. Obwohl man annehmen kann, dass er von jetzt bis 2013 das wenigste Kopfzerbrechen macht.

Der Poggio, ein Nebenprodukt

Fazit: Der Poggio alla Badiola ist ein Nebenprodukt der ersten Weinkrise von 2001 (die in der Toskana härter zu spüren war, als anderswo). Ursprünglich hätte wohl etwas Besseres aus ihm werden sollen. Uns soll die verkürzte Zeit im Holz (9 Monate) nicht stören. Denn mit diesem schlanken und fruchtigen Stil liegt der Poggio wieder im Trend. In der Magnum schmeckt er deutlich besser als im normalen Gebinde. Und in der Magnum ist er auch das ideale Mitbringsel für Gesellschaften und Partys. Der Captain darf die Matrosen daran erinnern, dass man diesen Rotwein eher kühl (17-19 Grad) trinken soll. Gerade Sangiovese hat eine oft agressiv anmutende Säure, die durch Temperaturreduktion gemäßigt werden kann.

  • Poggio alla Badiola 2008 in der Magnumflasche für geniale 17,50 Euro bei Superiore

Von Fonterutoli schmeckt dem Capain auch noch der Chianti Classico Riserva "Ser Lapo" (so hieß der Vater). Und die Cuveé "Siepi". Beide allerdings in einer anderen Preisklasse.

Der Captain kann seinen Matrosen außerdem auch noch weitere Weine aus Italien empfehlen.



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Kommentare 1

Kommentare

Gast am Mond

Das ist ein leistbarer Wein, bitte mehr davon.

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