Die deutsche Öffentlichkeit hat, ähnlich wie die österreichische, keine großen Ohren, was die Leistung ihrer Landsleute im Ausland betrifft. So ist es den Deutschen kaum aufgefallen, dass die Gourmet-Bibel Guide-Michelin seit geraumer Zeit schon von der Deutschen Juliane Caspar geleitet wird. Und dass der deutsche Bordeaux-Winzer Stephan Graf von Neipperg seit einigen Monaten schon dem Winzerverband der Bordeaux vorsteht. Das heißt, dass zwei Deutsche zwei wichtigen kulinarischen Institutionen Frankreichs vorstehen. Wer hätte das noch vor ein paar Jahren für möglich gehalten?
Stephan Graf von Neipperg ist unser Winzer des Monats Juli. Doch dazu morgen mehr. Vor seinem Portrait stellt er aber seinen bulgarischen Wein Enira als Wein der Woche vor. Der Enira ist ein fantastischer, elaborierter Rotwein. Ein Wein mit Charakter zu einem idealen Preis-Leistungs-Verhältnis. Und anders als Niepperg im Film ist der Captain der Meinung, dass der Enira 2007 ein Potential von mehr als 15 Jahre hat.
Hier am Schiff, an diesem grauen Berliner Morgen, steht der Enira (75 % Merlot, 10 % Syrah und 15 % Cabernet Sauvignon, 14,5 % Alkohol) schon seit Tagen offen am Kombüsentisch herum und jeder anwesende Matrose konnte sich von der beständigen Stabilität überzeugen, die der Wein auch noch nach Tagen vorweist. Das alles spricht für höhere Weihen.
Im Glas viel Beeren, Cassis, Himbeere, etwas Zwetschke. Aber auch viel Boden, starke dunkle Terroir-Noten, wie man sie aus der Toskana kennt. Der Alkohol ist fantastisch eingebunden. Ein stabile Säure und eine hohe Eleganz runden das Bild ab. Dann im Mund Kraft und Volumen, eine hohe Trinkfreudigkeit und ein langer Nachhall. Der Enira ist ein starker Konkurrent für so genannte "kleine Bordeaux", ein Alltagswein der Sonderklasse. Den Rest soll Graf Neipperg selber erzählen, er ist ein guter Unterhalter.
- Enira 2007 für 9,95 Euro bei Gourmondo
- Enira Easy 2008 (der leichtere, aber ebenso anspruchsvolle Bruder des Enira) für 9,99Euro bei Weinco
Der Captain empfiehlt auch diese günstigen Weine und legt den Matrosen außerdem weitere Weine aus Osteuropa nahe.











Man merkt am Bildaufbau, hier dreht ein Fotograf die Filme. Sehr reduziert, Applaus von meiner Seite.