Versprochen: nächste Woche wird´s wieder bunter hier. Zwei Rettungslotsen und ein neuer Maat kommen an Bord. Vorerst bedient sich die Mannschaft ausschliesslich an den begehrten Mally-Manuskripten, die der fleissige Maat (wird demnächst zum Obermaat befördert) vorgefertigt hat. Gottseidank. Jetzt aber zum Wein. Maat Mally hat das Wort.
Wie es sich für Wirtsleute gehört, wird immer gut gebechert, wenn ich meine Familie im Burgenland besuche. So auch bei meinem letzten Besuch. Wie üblich tranken wir nur die wirklich guten Sachen der letzten fünf Jahre. Und zwar gut nach meinen Maßstäben. Die Einzigen, die ich gelten lasse, versteht sich.
So tranken wir also. In erster Linie Riesling aus Deutschland, wieder einmal den besten Gelben Muskateller der Welt, einen Burgunder von Lamarche aus seiner Monopollage Grande Rue und einen ganz besonderen Burgenländer, der in der ganzen Runde für Begeisterung sorgte.
Ein Philosoph mit eigenem Qualitätskosmos
Es war ein Wein von Christian Tschida aus Illmitz. Tschida ist einer dieser genialen Querdenker und Weinphilosophen, von denen es nur sehr wenige gibt. Sein Wein heißt „Kapitel 1" und ist die Einstiegsrakete in seinen ganz und gar eigenen Qualitätskosmos. Dieser Wein fängt dort an, wo andere aufhören.
In früheren Tagen nannte der Volksmund die Lage, aus der die Trauben für diesen köstlichen Rotwein stammen, "Kapitel". Sie befindet sich inmitten des berühmten Nationalparks Neusiedlersee. Hier weiden geschmacklich hervorragende Rinder, wilde Gänse und Störche leisten ihnen Gesellschaft. Die sind auch für die Düngung der vornehmlich mit Kies und Schotter durchzogenen Schwarz- und Braunerdeböden verantwortlich.
Die Basis: der gesunde Boden
Wein von Christian Tschida ist immer anders als der von allen anderen. Ausgangsbasis ist die Gesundheit seiner Böden. Seit Jahren sind alle Weingärten dauerbegrünt. Das strukturiert und stimuliert die Rebe auf natürliche Art und Weise - Bodenverdichtung soll um jeden Preis vermieden werden. Es wird ausschließlich unter dem Stock gemäht, von Hand versteht sich. Besonders stolz ist Tschida auf seine fast 40-jährigen Rebanlagen. Sie haben den größten Charakter, bringen aber auch den kleinsten Ertrag.
Dass man da von bäuerlichen Kollegen gelegentlich belächelt wird, ist nur zu verständlich. Christian Tschida kümmert das aber nicht. Er lächelt freundlich zurück. Und ganz ehrlich gesagt, kümmert es mich auch nicht. Am wenigsten dann, wenn ein Wein so schmeckt wie dieser.
Warum Begrünung?
Plakativ gesprochen: die Wurzeln der Gräser und Kräuter nehmen den Trauben Wasser und Nährstoffe weg, deswegen müssen die Rebwurzeln weiter nach unten, um die Versorgung zu sichern. Außerdem sorgt das Grünzeug dafür, dass die Bodentemperatur kühl bleibt. Und: begrünte Böden strahlen in der Nacht weniger Wärme ab als unbegrünte. Durch größere Temperaturunterschiede zwischen der Traube und dem Boden prägen sich sowohl Aroma als auch Säure stärker aus, was dem Wein mehr Frische bringt.
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It´s the Begrünung, Stupid! (Fotos: Weingut Christian Tschida) 





Es heißt hier im Burgenland: Mally kann auch anderes als nur Österreich. Wann erweitert der neue Obermaat (Glückwunsch!) sein Revier?