Der überraschendste Moment an diesem Abend war jener, als sich der Captain als James Bond zu erkennen gab. Angelus-Mitbesitzer Jean-Bernard Grenié war von Mehrheitseigentümer Hubert de Boüard nicht vom Besuch des Doppelagenten Bond-Captain infomiert worden. Und er wusste auch nicht, dass der Angelus demnächst schon das offizielle Weingut von James Bond sein wird. In den nächsten drei Filmen.
Captain-Bond (der ja ein Commander ist) erfuhr von Grenié, wie viel das Chateau Angelus Barbara Broccoli für das Product-Placement in Casino-Royale bezahlt hat. Hälfte Cash, Hälte Wein (an dem die Broccolis wohl heute noch süffeln). Zum unentdeckten und nutzlosen Wissen gehört es auch, dass die Broccolis tatsächlich vom Entdecker des Reizgemüses Broccoli abstammen, der am Hofe Caterina de Medicis tätig war. Mit Gemüse kann man leider nicht viel Moos machen. So wurden die Nachfahren Filmproduzenten. Und um den Abschweifungen genüge zu tun, gedenkt der Captain jetzt und hier dem gerade verstorbenen Filmproduzenten Dino de Laurentis, ein Italo-Amerikaner, der ein bekennender Bordeaux-Trinker war. So schließt sich der Kreis.
Zurück zu Angelus, zurück zu Luxus und Moden. Der Captain hatte das Vergnügen, einen Tag nach dem teuersten Champagner der Welt einen der teuersten Rotweine verkosten zu dürfen, eben jenen Chateau Angelus aus St. Emilion. Und zwar relevante Jahrgänge, die sich auch noch im Handel befinden. Er weiß freilich, dass seine Matrosen nur in geringer Zahl über das notwendige Ersparte verfügen. Er weiß aber auch, dass die Fahrtests des neuen Bentley zu dem meist gelesenen Geschichten im Netz gehören. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Geniales Marketing, genialer Wein
Vor einigen Jahren war Angelus noch nicht so teuer. Doch dann legte der Starönologe Michel Rolland einige Zeit Hand an Angelus, Robert Parker folgte mit hervorragenden Bewertungen: Fertig war das neue Spitzenweingut. Und dann kam Bond. Das erhöhte die Preise um ein weiteres Drittel.
Das ist geniales Marketing: Denn der Angelus ist ja "nur" ein Grand-Cru der B-Klassifikation. Und zählt heute zu den teuersten Weinen des St. Emilion, wo man seit Jahrhunderten dem Merlot den Vorzug gibt. Der Angelus wird aus Merlot, Cabernet Franc und ein ganz klein wenig Cabernet Sauvignon cuvéetiert. Was aber macht den Angelus so anders?
Angelus war einer der ersten Weine, der die "zweite Revolution" des Bordeaux (die erste Revolution war die Klassifizierung von 1855) transportierte. Die zweite Revolution, das war die Umsetzung der önologischen Erkenntnisse des Qualitätsfanatikers Émile Peynaud Mitte der Siebziger Jahre. Peynaud proklamierte, was für Spitzenwinzer heute üblich ist: Ertragsbeschränkung, Lese von Hand, Handselektion, temeraturkontrollierte Gärung, malolaktische Gärung etc.
Angelus profitiert bis heute von diesem Vorsprung. Und bis heute bezieht man sich auf dem Weingut eher auf die Weine dieser Epoche, also von 1976 bis jetzt. Und da durfte der Captain gestern einiges kosten.
Es ist angerichtet Mr. Bond
Zum Beispiel den völlig unerschätzten Jahrgang 2001. In der Nase Heidelbeere, Babypuder, Kalk, grüne Kräuter, Thyman, Kümmel. Dann ein wenig Stallgeruch, der aber elegant erscheint. Am Gaumen Rucola, im Abgang etwas Kräuterbitter. Vor allem, wenn man den Wein in der Kehle stoppt und das Schlucken verzögert. Ordentliche Tannine für ein langes Leben. Noch mal reingerochen. Und klar: Der Wein riecht wie ein Bettzeug nach dem Bumsen.
Danach der 1995er, ein am Anfang überschätzter Jahrgang, der aber bei Angelus grandiose Weine in die Flasche brachte. In der Nase viel Tinte, fangfrischer Oktopus, etwas Popcorn und der Geruch eines heißen Eisenbahntrafos von Märklin (blau, Baujahr 1975). Am Gaumen etwas metallisch, aber sehr rund, sehr elegant, sehr dunkel, Bratensaft, sanfter Druck. Nachgerochen etwas animalischer als zuvor. Grandios.
Ganz anders der 1998er. In der Nase hohe Säure, etwas alkoholisch, Kirsche, frisch gewaschenes Leinen, Erbsen, nasser Stein, Marzipan, Pistazie, Praline, etwas Bratensaft. Im Mund mitunter verhalten, mit gutem, aber nicht nennenswerten Druck. Ausgewogenen Tannine, jetzt schon sehr gut zu trinken.
Eine Jahrhundertwein dann der 1989er, in der Nase irre jung, eine Herbstwiese, dunkle Kirsche, Moos, etwas Stall, Stein, nasse, dunkle Erde, ein elegantes, parfümiertes Tuch. Im Mund unglaublich viel Druck, Kraft und Eleganz. Ein nahezu dramatischer Spannungsbogen und sicher unter den besten hundert Weinen, die der Captain je getrunken hat. Hat genug Substanz für viele weitere Jahre. Und beweist einmal mehr, dass 1989 der viel bessere Jahrgang war, als der ok-gute, aber zu hoch gejubelte 1990er, den man jetzt langsam austrinken sollte.
Danach steckte der Captain seine Nase noch in einen viel zu früh geöffneten 2005er, der noch lange nicht angerührt werden darf. Und eine ähnliche Größe zeigt, wie der 89er. Ein sicherer Tipp.
Kommen wir zum schmerzhaften Teil:
- Angelus 2001 für 125,00 Euro bei Kölner-Weinkeller
- Angelus 1998 für 149,00 Euro bei NtfbW
- Angelus 1989 für 268,00 Euro bei ElShagi
- Angelus 2005 für 269,00 Euro bei Pinard de Picard (alle Deutschland)
- Den wirklich ausgezeichneten Nebenwein La Fleur de Boüard gibt es für 29,99 Euro bei Wein&Co (auch nach Deutschland)
Der Captain empfiehlt den Matrosen außerdem noch mehr ausgezeichnete Weine aus Frankreich.







Roll over Holzfass... 





auch schon bei casino royale im zug