Schiava das heißt so viel wie „Sklave" und steht für die einst wichtigste Rebsorte Südtirols, den Vernatsch, ein eher heller und/oder fruchtigen Rotwein wie es ihn in allen Regionen der Welt gibt. In Deutschland etwa Dornfelder und Trollinger, in Österreich der blaue Portugieser.
Dass man aus Portugieser tollen Rotwein keltern kann, wissen wir seit Christian Fischers 100 Cases-Projekt. Und Vergleichbares ist auch mit dem Vernatsch möglich. Eine Sorte, die dem Portugieser ausgesprochen ähnlich ist. Alleine wegen des typischen Mandelaromas und der üppigen Fruchtaromatik.
Wichtigste Basis für einen Spitzenwein aus Vernatsch sind - wie sollte es anders sein - eine alte Rebanlage und ein experimentierfreudiger Winzer, der die Wurzeln der Sorte kennt und ihr zu neuem Auftrieb verhelfen will. So einer ist der Winzer Andi Sölva in Kaltern.
Vernatsch hat diesen Auftrieb dringend nötig, denn die Sorte leidet unter Schwund wie keine andere in Südtirol. Dutzende Hektare wurden ausgerissen, der Vernatsch durch andere Reben ersetzt, Reben internationaler Empfänglichkeit, etwa Merlot und Cabernet. Aber auch Gewürztraminer, die Aromasorte im Aufschwung. Mit Vernatsch war in den letzten Jahren nicht viel zu holen.
100 Jahre alte Reben
Sölvas Vernatsch „Sea" kommt aus der Lage „Pulvernoa" auf 350 Meter Seehöhe oberhalb des Kalterer Sees. In der Lage findet man tonhaltigen Kalkschutt, leichte Böden mit gutem Wasserspeicher. Die Rebanlagen sind bis zu 100 Jahre alt, die jüngsten Stöcke stehen seit 35 Jahren in der Erde. Der „Sea" ist ein Gemischter Satz aus Klein- Mittel- und etwas Grauvernatsch. Außerdem noch ein kleiner Anteil „Edelschwarzer", eine Rebsorte, die mit der Negraratraube (nein, nicht Negertraube) aus dem Veneto ident ist und die dem eher hellen Vernatsch die Farbe gibt, die er dringend benötigt, um als Rotwein überhaupt durchzugehen.
Wie keltert man einen Spitzenvernatsch? Wie macht man aus der schwachbrüstigen Sorte einen wirklich mächtigen Wein? Mit wenig Ertrag, so die Regel. Aber der Ertrag reguliert sich bei alten Reben ohnehin von selbst. Bei einem Teil der Rebstöcke - den besonders alten - drückt Sölva das Stielgerüst ab. Dadurch wird eine besondere Art der Reife eingeleitet und ein Prozess simuliert, der bei der Stielfäulnis (bei unreifen Trauben) eintritt. Sölva vermeidet freilich jede Art Krankheit, er beginnt mit dem Prozess spät, damit die Trauben nach der Reife kein Wasser mehr einlagern und dann mehr Extrakt, Kraft und Dichte aus der Erde ziehen.
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War da im ersten Abschnitt noch ein wenig Restalkohol im Spiel? Dornfelder ein heller Rotwein? Fruchtig ja, meist auch blass (die Gesamterscheinung, nicht die Farbe), aber hell?
Der Vergleich mit dem Trollinger liegt da schon näher - zu nahe vielleicht: Handelt es sich dabei nicht um dieselbe Rebsorte?