09.09.11 ROTWEIN 9 Einem Freund senden

Wein der Woche: gelber Tennisball

Ein Popstar unter Deutschlands Winzern: Rainer Schnaitmann. (Foto: Weingut Schnaitmann)Ein Popstar unter Deutschlands Winzern: Rainer Schnaitmann. (Foto: Weingut Schnaitmann)

2009 war ein genialer Rotweinjahrgang. Das gilt für viele europäische Regionen. In Frankreich genauso wie in Österreich und auch in Deutschland. Als Außenstehender, der nicht so oft mit deutschem Rotwein zu tun hat, verkostete ich in den vergangenen Tagen einige deutsche Rotweine in Berlin, wo ich immer gerne hinfahre. Alle Tropfen stammten von VDP-Produzenten.

Es ist schön, dass man inzwischen weiß, was deutsche Winzer leisten und stolz auf sie ist. Trotzdem kann ich die Jubelstimmung über die angeblich so großen deutschen Spätburgunder nicht teilen. Der mag wohl nur aus einer Art Lagerkoller heraus entstanden sein; zu viele der Weine am vergangenen Wochenende in Berlin waren mit Holzaromen zugekleistert. Ganz ehrlich, ich fühlte mich in die österreichischen 90er-Jahre zurückversetzt. Der beste Wein war für die Winzer damals der, der am längsten im neuen - und deswegen besonders aromatischen - Holzfass verweilte. Natürlich musste dieses Fass besonders hart getoastet sein. Röstgeschmack war damals breitentauglich.

Tja, und wie ich dann so umherirrte und mich über den einen oder anderen Holzwein ärgerte, stolperte ich über das Weingut Schnaitmann aus Württemberg.

Rainer Schnaitmann, über den hier am Schiff schon mal berichtet wurde, übernahm 1997 ein 3 Hektar kleines Weingut in Fellbach, das er inzwischen auf eine stattliche Fläche von 23 Hektar ausgeweitet hat. Im Sortiment findet man Trollinger, Riesling, Grauburgunder, Spätburgunder und ganz tolle Lemberger.

Diese Lemberger haben es mir angetan, allen voran sein „Lämmler Lemberger Großes Gewächs 2009".

Nachdem ich ihm erzählte, dass mir seine Weine mangels Holz mehr zusagten als viele andere VDP-Rotweine, schmunzelte er und sagte: „Die Spitzenrotweine sind alle in komplett neuen Fässern ausgebaut, allerdings mit ganz dezentem Toasting."

Diese Fässer mit dezenter Röstung stehen Schnaitmanns Lemberger unvorstellbar gut. Der Lämmler verfügt über eine puristische, saftige Blaufränkischfrucht. Wer es noch nicht weiß: Österreichs Spitzenrotwein Blaufränkisch heißt in Deutschland Lemberger und kann hier offensichtlich genauso spitze Höhen erklimmen wie bei mir zu Hause. Für diese Bemerkung wird man mich in Österreich nun lynchen wollen. Meine Landsleute sollen es probieren – ich wehre mich. Seid gewarnt, ich bin saustark.

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Kommentare 9

Kommentare

Rebenmelker

Yessss, der Schnaitmann fetzt. Auch sein Spätburgunder GG ist toll und neulich trank ich einen grandiosen Grauburgunder von ihm.

Geile Weine, sympathischer Winzer und ein ganz toller Tipp. Danke ans Schiff!

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Leerer

Schnaitmanns Rotweine gehören inzwischen zu den besten des Landes.

Vor kurzem trank ich zum Abendessen seinen Spätburgunder "junge Reben" und muss einfach sagen, dass der Wein genial trinkbar ist und auch über einigen Anspruch verfügt.

So soll´s in Württemberg weitergehen mit Lemberger und den Burgundern. Den Sauvignon Blanc lassen wir mal dort wo (wirklich) er hingehört.

Amen

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Mister Spuck ...erfreut

Schnaitmanns Lemberger war anno 2009 mein Einstieg ins deutsche Rotweinland!

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Gast ...findet den zu teuer

Ein Kultwinzer also, aha. Ist das der Hintergrund für den stolzen Preis?

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Clemens Mally

Nein, nur die Qualität und die bestätigt den Preis! Wieviel wäre ihrer Meinung nach denn angemessen?

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Gast ...argumentiert zurück

@Mally: die Frage kann ich nicht bantworten - dazu müsste ich erst den Wein trinken, was ich demnächst machen will. Aber: die Preisbildung im Weinmarkt ist doch schon längst abgekoppelt von der Qualität. Sie selbst haben darüber ja geschrieben: siehe Coppola. Was auch für Deutschland gültig sein dürfte...

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Clemens Mally

Hallo Gast,

absolut richtig - hoher Weinpreis ist sicher auch ein marketingstrategischer Aspekt.

Trotzdem gibt´s viel Wein, der sein Geld (gerade in dieser Preisklasse) wert ist.

Abgesehen davon ist Deutschland immer noch ein Billigweinland. Gerade weil ich Österreicher bin erlaube ich mir das zu sagen. Hier bei uns ist es schon standard für einen etwas besseren Wein 30 Euro zu verlangen. In unserem kleinen Weinkosmos scheint nichts unmöglich

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Charlie

Fellbacher Lämmler
http://www.weinlagen-info.de/?for=Fellbacher+Lämmler

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Rainer Schnaitmann

Hallo Charlie,

die Seite gefällt mir, schön gemacht, aber Ihr habt den Lämmler mehr als verdoppelt. Nur der nördliche Teil der Markierung ist wirklich Lämmler, der Rest ist Rotenberger Schlossberg und den ganzen Uhlbacher Götzenberg habt Ihr auch noch eingemeindet :-)

Viele Grüße

Rainer Schnaitmann

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