15.09.11 WEINE 2 Einem Freund senden

Pinot Noir: Kumpel in der Krise

Kitschfreier Saufkumpane: Der Pinot Noir de Dome 2009 (Foto: Wikipedia)Kitschfreier Saufkumpane: Der Pinot Noir de Dome 2009 (Foto: Wikipedia)

Für mich kann die Krise kommen. Von mir aus kann mein ganzes Erspartes flöten gehen. Denn neulich entdeckte ich einen französischen Pinot Noir, der so köstlich wie günstig war und meinen Ansprüchen durchaus gerecht wurde. Da brauch ich kein Geld mehr. Sagen wir fast keins.

Dabei hatte ich gar kein gutes Gefühl, als der Wein das erste Mal vor mir stand. Aber bitte: In meiner Anfangszeit auf der Weinakademie sagte ein kluger Mann: „Gib jedem Wein eine Chance, irgendwann wird auch dich einer überraschen". Das Zitat könnte auch aus Star Wars kommen. Ich frag mich gerade, ob ich es mir selbst ausgedacht habe. Wenn ja, hatte ich zur Abwechslung mal recht - was für ein Gefühl!

Jetzt schwafle doch nicht rum - was is‘ mit dem Wein?

Jaja, ich fang schon an. Vor mir steht eine schöne Burgunderflasche. Das Etikett ist ein farbliches Mischmasch aus Anthrazit und Grau. In der Mitte steht schlicht „Le Pinot Noir". Aha. Diese Angabe wurde noch mit ein paar kubistisch angehauchten Farbflecken veredelt. Mehr ist nicht. Dreht man die Flasche um, entdeckt man noch die Angabe „Cave Saint Verny". Matrosen, die ihr das Französische nicht beherrscht: vergesst die Seite der Kellerei und alle anderen am Besten auch.

Mein günstiger Pinot Noir kommt von der französischen Region Loire. Diese Gegend, die man sonst eher dank ihrer bezaubernden Schlösser kennt und bevorzugt mit dem Hausboot befährt, ist derzeit eine der spannendsten Weinregionen in Frankreich. Es ist nicht unbedingt die Gegend für tolle Pinots sondern eher für Sauvignon Blanc, Chenin Blanc und allen Skeptikern zum Trotz: für riesige Cabernet Francs. Zu denen komme ich noch bei Gelegenheit.

Gut, mein Pinot ist jetzt kein Riese von einem Wein. Aber das erwarte ich auch gar nicht von ihm. Er ist der unkomplizierte Saufkumpane schlechthin. Der, den man immer dort findet, wo man sich ohnehin am daheimsten fühlt. Und mit dem man immer noch einen heben kann. Und dann noch einen. Und vielleicht noch einen.

Es geht los...

Jetzt, wo ich wieder mit ihm beisammen sitze, reiß ich ihm auch schon die Kapsel runter. Mühsam dreh ich den Öffner in seinen verschissenen Plastikkork. „Egal, ich muss den Wein nicht lagern", sag ich mir dann. „Cool down, Obermaat."

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Kommentare 2

Kommentare

Gast

die pinot noirs von der loire sind selten zu bekommen. ich hatte mal einen pinot noir aus sancerre im glas, der hatte um die 15 euro gekostet. der war für das geld ein schnaeppchen. vom typ her war der kühl, ähnlich burgund.

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