28.08.10 WEINE 4 Einem Freund senden

Mehr Rosé: Die besseren Weine bitte!

Zugegeben: Das Glas ist Mist...Zugegeben: Das Glas ist Mist...

Der Captain mokierte sich gestern über den langweiligen Rosé in winer Empfehlung von Markus del Monego in der Süddeutschen Zeitung. Und über die anderen faden Weine in dieser "Zeitungs-Vinothek"

Er tut dies zu Recht. Aber er kritisiert Südfrankreich im Generellen. Und das ist generell falsch: Südfrankreich ist toll! Besonders bei Roséweinen.

Als Captains Maat hatte ich gerade das wunderbare Vergnügen, den Süden Frankreichs zu bereisen. In Chateauneuf offenbarten sich unendliche Möglichkeiten, gute Weine zu verkosten. Fährt man die Rhone hinunter, wird es nicht schlechter.

Eher wird man erkennen, dass sich hier alles auf sehr begünstigte Regionen stützt. Begünstigt für den Rosé-Anbau Die Franzosen wissen warum.

Seeigel killt man mit einem regionalen Rosé

Denn der Wein hier kombiniert mit der Küche. Und die ist eine wunderbare - besonders in Küstennähe. Fisch und Krustentiere - einfach herrlich. Besonders schmackhaft sind „oursins", Seeigel, die man an jeder besseren Ecke erhält. Sie sind so frisch und geschmacksintensiv, dass ein Rosé am besten passt. Ein Weißwein hält da nur schwer dagegen.

Doch Achtung: Rosé ist nicht gleich Rosé. Rosé (hier meist aus Grenache oder Mouvedre hergestellt) soll mittelrosa sein, lachsfarben und auf gar keinen Fall zu dunkel. Und er soll auch nicht aus Saftenzug gekeltert sein, das ist die billige Methode. Guter Rosé darf kein Nebenprodukt der Rotweinerzeugung sein.

Erklärung gefällig? Minderwertiger Rosé entsteht, wenn Most dem für Rotwein vorgesehenem Wein entzogen wird. Das heißt: Man produziert Rotwein, möchte selbigem aber mehr Extrakt geben. Man entzieht ihm (auf der Maische liegend) also einfach ein paar Hundert Liter seines Saftes. Und bekommt in Relation mehr Kraft in den Roten. Dem Winzer bleibt ein verwertbares Nebenprodukt: Ein meist flacher und schaler Roséwein.

Rosé = nicht gleich Rosé

Tatsächlich entstehen ein Gros der gängigen Rosé in diesem Verfahren. Man darf sich also nicht wundern, wenn guter Rosé zumindest eine Nuance mehr kostet, als der wirklich schlechte und miese Saft des Entzugsverfahrens. Dieser ist in Südfrankreich meist sehr dunkel und schrecklich von Tannin bewohnt. Einfach zum Kotzen...

Guter Rosé muss also immer aus dafür vorgesehenen Trauben gekeltert sein und für sich alleine stehen. Hier zwei fantastische Roséweine, die sich auch abseits der letzten Sommersonne wunderbar offenbaren.

Zwei neue Weine zum Ende des alten Sommers

  • Chateau Marouine Rosé 2009. Ein großer (biologischer) Rosé aus der Region Cotes de Provence. Erdig und fruchtig, mit einer Note von Stachelbeere, Ribisel und Himbeere. Derzeit nur ab Weingut zu bestellen. Preis ca 10,00 Euro. Meine Liebe zu diesem Weingut wird nie enden...
  • Rosé 2009 von Kloster am Spitz aus Purbach. Für mich einer der fünf besten Rotweinproduzenten in Österreich, vinifiziert puristischen Rebensaft und den besten Rosé (ebenfalls biologisch) im Land. Für 7,00 Euro direkt ab Weingut.

Lust auf mehr? Der Captain empfiehlt noch weitere günstige Weine.



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Kommentare 4

Kommentare

Stephan Lappas ...nachdenklich

War das nicht das Weingut mit dem "Rohrwolf"?
Ja, das ist es!

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Michael Pronay

Nur der guten Ordnung (und der Ergänzung) halber: Der Schwarz'sche Rohrwolf ist eine relativ junge Sache. Julius Steiner in Podersdorf am Neusiedlersee macht schon seit Jahren einen Super-Chardonnay, ebenfalls unter der Bezeichnung der Lage Rohrwolf.

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Iris Rutz-Rudel (via facebook)

Vielleicht könnte die Methode der Rosébereitung doch etwas fachmännischer beschrieben werden. (Im Süden neuerdings eben meist Kaltmazeration auf den Traubenhäuten roter Beeren vor Beginn der alkoholischen Gärung, bei Erreichen der erwünschten Farbe schnelles Abpressen und dann meist Impfung mit externen Hefen, um die Gärung in Gang zu bringen - nur so vermeidet man die härteren Tannine und von den meisten Kunden nicht erwartete tief-rotere Färbung, die bei längeren Maischestandzeiten der klassischen Saigné-Methode entstehen). Das dann noch meist die malolaktische Gärung durch entsprechenden Schwefelzusatz gestoppt wird, damit das ganze nicht zu süß wird und noch etwas spritzigen Biss hat, sollte auch nicht unerwähnt bleiben.

Die Möglichkeit, die von der EU eingeführt werden sollte, Rosé als Verschnitt von Weißweinüberschüssen (z.B. Chardonnay) und Rotweinen auch in Frankreich außerhalb der Champagne zu produzieren, wurde ja letztes Jahr erfolgreich von der Lobby der Roséproduzenten aus der Provence gestoppt.

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Michael Pronay Sorry Iris, aber schau Dir mal . . .

. . . die Produktionsvorschriften der südfranzösischen Rosés im Detail an. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, sind praktisch in jeder AOC auch weiße Trauben erlaubt. (Dass diese in der Praxis kaum – oder gar nicht – verwendet werden, steht auf einem anderen Blatt.)

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