04.04.11 WEINE 3 Einem Freund senden

Montagswunder: Schilcher schmeckt!

Ein bisschen sauer. Darauf muss man vorbereitet sein...Ein bisschen sauer. Darauf muss man vorbereitet sein...

Es ist zehn Uhr früh. Und es ist ein Montag. Die beste Zeit, um ein angeblich interessantes Weinseminar zu besuchen. Hinter dem Pult spricht ein so genannter Experte. Na ja, er hat schon einige Examen über Wein abgelegt. Und auch in London ist er anerkannt. Muss man mehr sagen?
Was mich betrifft, so habe ich schon vor 10 Minuten aufgehört zuzuhören. Irgendwie kommt er mir vor wie der verstorbene Papst Johannes Paul der Zweite. Er nuschelt irgendetwas Unverständliches in sein Mikrophon und begeistert damit alle Zuhörer. Bei Johannes Paul konnte ich das Genuschel wegen seines Alter und seines damals akuten Zahnmangels verstehen. Hier allerdings nicht. Ich muss aufpassen, nicht einzuschlafen.

Meine Müdigkeit kommt nicht von ungefähr. Nach einer wunderbaren Zechtour brennen mir Speiseröhre und Magen. Und auch mein Kopf tut weh. Das kommt wahrscheinlich von den unzähligen Caipirinhas an der Hotelbar. Egal. In Kürze kommt der erste Wein. Ich liebe es, gegen den Kater anzutrinken. Allerdings hätte ich mir in diesem Fall ein angenehmeres Lebenselixier erwartet.

Tatsächlich rosa. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Darum nehme ich einfach einen ersten großen Schluck. Gegen den allgemeinen Schmerz. Autsch! Schilcher! Verdammt! Wie sadistisch.

Schilcher? Igitt!

Glauben Sie mir, es gibt selten Schlimmeres als Schilcher, diese steirische „Spezialität", die man aus einer Traube namens Blauer Wildbacher keltert. In Österreich spricht man auch von der „Steirischen Landessäure". Bedenkt man nun, dass meine ungeheure Übersäuerung an diesem Morgen von gefühlten tausend Flaschen Riesling herrührt, dann kann man sich vorstellen, wie ich mich in diesem Moment fühle. Und trotzdem? Und trotzdem schmeckt der Wein nicht schlecht. He, gut sogar. Ich nehme einen zweiten Schluck - perfekt.

Tatsächlich geht es bei dem Seminar heute um Roséweine. Die meisten werden jetzt denken, dass es auf diesem Gebiet nichts Interessantes gibt. Das ist Quatsch, denn schon in der Provence gibt es Roseweine von ungeheurer Vielfalt. Von leicht spritzig bis richtig üppig und im Barrique ausgebaut. Weine, die schon mal ein paar Jahre altern können.

Schilcher! Igitt?

Aber lassen wir Frankreich aus dem Spiel und gehen zurück zu dem Wein, den ich hier im Glas habe, der wunderbar mit fettem rustikalen Essen harmonieren könnte und dessen Tiefgang mich jetzt, nach dem dritten Schluck, zu begeistern beginnt.

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Kommentare 3

Kommentare

Roland Sindlgruber (via facebook)

Naja im Sommer so ein Schilcher - Gespritzter ist schon was feines gegen den schlimmsten Durst

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Mutlu Aslan (via facebook)

schilcher lässt sich prima mit rexona oder axe aufspritzen!

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Micha

meiner bescheidenen meinung nach schmeckt der schilcher vom strohmeier so lecker, weil er ohne zugesetzten schwefel auskommt. das macht ihn runder und bekömmlicher. für die hardcore schilcherfans gibt es noch einen rosé aus der linie trauben, liebe und zeit, aber da sollte man vielleicht schon einwenig auf schilcher eingetrunken sein;-)

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