Durst kommt, Durst vergeht. Gerade scheint er wohl zu kommen, der Kollektivdurst der Crew. Das ist jetzt DIE Chance für mich als Frischmaat an Bord. Ich werde also meine vinophilen Mitbringsel öffnen. Und die Crew soll die Anker lichten.
Der Frischmaat und die Crew wollen jetzt trinken und die große Weinwelt bestaunen. Den Arsch voller Hummeln. Hinderlich ist dabei nur das fassadenprotzige Düsseldorf. Aber lassen wir das. Düsseldorf schlechtreden machen zu viele.
Die erste Flasche. Ganz stilecht mitgebracht im Jutesäckchen. Plopp! Der erste Streich. Und was für einer. Nämlich ein österreichischer vom Weingut Rohrer aus dem Mittelburgenland. Der Frischmaat ist noch heute im höchsten Maße darüber entsetzt, wie völlig unbekannt dieser traditionelle Erzeuger aus dem Mittelburgenland ist. Der zeigt sich nämlich in keinem Hochglanzmagazin und bei keiner Weinmesse. Die Welt der nerdigen Weinforen lässt Rohrer auch cool links liegen. Erstaunlich.
Wie es sich für Weine aus dem Mittelburgenland gehört, handelt es sich bei dieser Flasche um Blaufränkisch. Eine Sorte, die für den Frischmaat lange Zeit schwer zu begreifen war. Er hat keine nuttige Frucht wie viele einfache Zweigelts - aber auch keine überdeutlichen Charakteristika wie viele der deutschländischen Spätburgunder.
Ja, diese Rebe will mühsam erlernt werden. Immer und immer wieder. Der gemeine Trinker marschiert ja lieber gleich zielgerichtet in Richtung Burgund, Bordeaux, Piemont, Toskana. Für mehr Geld ganz auf Nummer sicher gehen. Reputationssicherheit hat eben seinen Preis. Ich mache das anders.
Ich drifte ab. Zurück zu Rohrer's Blaufränkisch DAC aus 2008. Vertrauenserweckend sind die Etiketten eher nicht, denn sie erinnern mich an Flaschen von 08/15 Rheinhessen-Ackerweingüter um 1997. Obermaat Mally kommt der Wein sehr bekannt vor. Er hat genau dieses Weingut vor ein paar Monaten hier am Schiff besprochen. Doppelte Empfehlungen halten ohnehin besser.
Der Wein himself: kräftige schwarzrote Farbe. Die Nase sagt Brombeere, etwas alte Pflaume, gar Pflaumenmus, schwarzer Pfeffer. Der erste Schluck. Astreines gerbstoffiges Mundgefühl, ausfüllend ohne fett zu sein. Ohne künstlich zu sein. Schon eher fällt mir da Rustikalität ein. Wie eine alte deutsche Jägerklause im Spessart, randvoll mit Hirschgeweihen. Die blaufränkisch-typische spitze Säure fehlt auch nicht. Eigentlich ist alles dran, was dran gehört. Wohltemperiert, mit gut Eiern in der Hose. Aber bei dem laschen Preis dieses Mittelburgenländers dreht sich bei mir alles. Man darf ihn nicht zu laut in der Öffentlichkeit sagen, sonst kommen die Rohrers womöglich noch auf dumme Gedanken. Also ganz schnell Schwamm drüber.
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Was hat der Mann gegen Düsseldorf? Foto: abracus.de 





Wo ist eigentlich der Captain - habe ich etwas verpasst?