Am Anfang der Woche war gleich ein zweiter Wein der Woche geplant. Es sollte ein österreichischer Wein sein, weil die Österreicher unter Captains Matrosen sich zuletzt doch sehr zurückgesetzt gefühlt hatten. Dann kam die Moselbrücke dazwischen, die Woche des Protests war ausgerufen. Eine kleine Rückschau dieser bemerkenswerten Tage liefert der Captain am Wochenende. Zweifellos wird uns die derzeit wichtigste Agenda im deutschen Weinbau noch eine Zeit lang beschäftigen. Vor allem, weil nun alle Medien das Thema wahrgenommen haben. Lange nach dem Captain, um den Scheinwerfer mal in die korrekte Richtung zu stellen.
Aber zurück nach Österreich. Der Captain will ja seinen Landsleuten keine Psychotherapie zahlen, deswegen nun der erste von vielen bemerkenswerten österreichischen Weinen, die der Captain zuletzt verkostet hat. Es ist ein Riesling von Johannes (Hannes) Hirsch aus Kammern im Kamptal, einer großartigen Region nahe der Wachau in Niederösterreich.
Der "einfache" Riesling ist der beste
Der Captain trinkt ja kaum mehr österreichischen Riesling. Und zwar mit Absicht. Seitdem er die deutschen Rieslinge näher kennt, wirklich gut kennt, kann er an österreichischen Rieslingen nichts Besonderes mehr finden (im Gegensatz zu Veltlinern oder Blaufränkischen, die den Captain ohne Unterlass begeistern). Der Erste Offizier findet das eine Idiotie und hat dem Captain eine Standpauke gehalten, damit der sein ignorantes Verhalten aufgibt.
Das hat der Captain "verinnerlicht" (alte Alt-68er-Sprache) und sich den Riesling von Hannes Hirsch vorgenommen, dem Hannes der Schraubverschlüsse, dem Hannes, der sonst nichts keltert ausser Riesling und Veltliner. Der Captain trank den ganz einfachen Riesling DAC "Zöbing" 2009, ein Wein, der aus Trauben von Terrassenweingärten bei Zöbing gekeltert wird.
Die regionale Qualitätsstufe Kamptal DAC steht für junge und sortentypische Weine. Und so ist der Wein dann auch. Ein typischer frischer Kamptalriesling. Ideal für den Frühling und die Terrasse und das Freibad und... Blablaba.
Österreichischer Riesling wird deutsch, deutscher Riesling wird österreichisch
Das erste, was dem Captain auffällt ist, dass dieser Riesling "deutsch" schmeckt. Also deutscher, als österreichische Rieslinge bisher immer geschmeckt haben. Dem Captain ist das in letzter Zeit öfter aufgefallen. Dass österreichische Rieslinge eine Spur deutscher schmecken, dass sie Alkohol und Creme verlieren und diese gegen höhere Eleganz und ausgeprägtere Mineralität eintauschen. Und ein bisschen Restzucker darf auch sein.
Umgekehrt gewinnen viele deutsche Rieslinge zunehmend auch österreichischen Charakter. Sie werden alkoholischer und fetter. Das ist nicht immer von Vorteil. Manchmal aber - wenn es ihnen gelingt, die Eleganz zu halten - kommt das beeindruckend rüber. Viele Matrosen hier an Bord halten aber wenig von dieser Entwicklung, das beweisen die zahlreichen Postings, die das nicht begrüßen.
Zurück zu Hirsch und seinem beeinduckend "einfachen" Riesling. Im Glas ein klarer Wein, helle Farbe, keine Schlieren, frisch. In der Nase dann eine deutlich ausgeprägte und verankerte Sortengenauigkeit, frische Zitrusfrüchte, etwas Rauch, etwas Melone, ein ganz klein wenig Aprikose (Marille), auch etwas Weingartenpfirsich, etwas Gummireifen, etwas Duschgel eines modernen deutschen Viersternhotels (diese spanischen Ketten mit ihren Wellness-Zonen).
Mineral und kaltes Messer
Im Mund dann metallische Frische, Mineralität, scharfes und helles Messer, schöner Fluss, große Frische, große Trinkanimation, Zitrone, Minze, etwas Basilikum (?!), etwas saure Drops. Aufgrund des exzellenten Jahrgangs 2009 auch am Gaumen lange anhaltend und in Erinnerung bleibend. Mehr kann man von dieser Preis-Leistungs-Bombe nicht erwarten.
Und die macht Lust auf die Lagenweine von Hirsch, aber dazu ein andermal. Der Captain glaubt zudem, dass man diesen "einfachen" Riesling auch noch gut lagern kann. Er selbst wird sich einige Flaschen in den Schiffsbauch legen. Denn der Captain will diesen exzellenten Wein aus diesem exzellenten Jahrgang noch länger trinken.
- Riesling "Zöbing" Kamptal DAC von Hannes Hirsch für 9,75 Euro bei Loisium Vinothek.
Der Captain empfiehlt außerdem noch weitere Weine aus Österreich. Oder möchten die Matrosen lieber mehr über die Weine der Woche erfahren?







Nicht mehr viel im Glas... 





Hirsch ist immer geil