Kefalonia, hier lebt das Leben. Die Insel ist Heimat einer atemberaubenden Flora und Fauna. Hier finden sich unzählige Orchideenarten genauso wie die bedrohten „Mittelmeer-Mönchsrobben" und die „Unechte Karettschildkröte". Auch Wein gehört zur Flora, darum wird es kein Zufall sein, dass 300 Hektar, der fast 700 Quadratkilometer großen Insel mit Rebstöcken bepflanzt sind. Nicht besonders viel aber in diesem Schmuckkästchen des Weinbaus gibt es ein paar tolle Dinge zu entdecken. Allen voran das Weingut Gentilini, von dem ich zwei Weine besonders hervorheben möchte.
Beginnen wir mit einem Weißwein, der aus Robola gekeltert wird. Robola ist eine noble Rebsorte, die es nur in Griechenland gibt. Es gibt Quellen, die uns weismachen wollen, dass Robola von den Venezianern nach Griechenland gebracht wurde und mit der italienischen Rebsortenfamilie Riboll verwandt ist. Etwas, was der griechische Master of Wine „Konstantinos Lazarakis" in seinem Buch „The wines of Greece" in erster Linie wegen den ampelographischen Unterschieden dementiert. Für alle, die nun wissen wollen, was Ampelographie ist und was sie beschreibt: das ist die Lehre der Rebsorten oder die Rebenkunde. In der Ampelographie befasst man sich mit den allgemeinen Eigenschaften des Rebstockes und seiner Beeren.
Das Geheimnis des Robola von Gentilini sind die hohen Lagen Kefalonias in Kombination mit mineralischen Kalkböden und Kieselsteinchen. Der Weingarten, dem man die Reben für diesen köstlichen Saft entriss, liegt auf circa 800 Meter Seehöhe, er ist steil und gen Süden ausgerichtet. Die Stöcke, die sich darauf befinden, wurden 1956 ausgepflanzt, die Erträge sind mit 2.500 Kilo pro Hektar ausgesprochen niedrig.
Natürlich liest man ausschließlich von Hand. Die Trauben werden langsam und schonend vergoren und ca. 20 Prozent der Menge wandern in französische Barriques, was dem Wein noch etwas mehr Tiefe und Komplexität gibt, ohne seine feine Frucht zu zerstören.
Los Mally, reiß die Pulle endlich auf!
Aber was rede ich eigentlich so viel um den heißen Brei herum? Am besten einfach mal eine Pulle aufreißen, einen Blick auf den Saft werfen und die Nase hineintauchen.
Was steht da? Robola „Cellar Selection" 2010 von Gentilini, 13,5 % Alkohol. Na dann: Kapsel runter, Öffner reindrehen, „Blopppp" und schon haben wir ihn entbunden. Ach, was bin ich neugierig. Mit einem Gefühl, das wohl nur eine Hebamme kennt, gieß ich ihn in mein Glas. Sieh an, es ist: Wein! Blass und heugelb strahlt er vor sich hin, riecht nach weißem Pfeffer und nach reifen Zitronen. Zitronen, wie man sie aus Capri kennt - vorausgesetzt, man war schon dort und konnte auf der Insel an ihnen riechen. Lässt man von der verführerisch sauren Frucht und ihrer Aromatik mal ab, so wird man auch weißen Pfirsich entdecken und dann noch ein paar buttrig elegante Anklänge, die vom Fass stammen. Den Geruch eines frisch gespitzten Bleistiftes kann man dem Barrique zuschreiben.
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Achtung: Dieser Wein kann Walzer. (Foto: Fredredhat) 


