Ein Jahr nach dem Bonmot vom „Arschjahr" und etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Mainzer Weinbörse gilt es für mich ein gnadenloses Resümee zu ziehen. Nach vielen getrunkenen Flaschen, die mehr verraten, als nur ein Probeschluck, kann ich meine Favoriten für 2010 nennen.
Gleich vorneweg: wer das Weintrinken erst mit dem Jahrgang 2003 begann, der muss sich darauf einstellen, dass 2010 ihn fordern wird. Wer üppige Frucht und fetten Schmelz sucht - die 2005, 2006, 2007 oder 2009 schon im Literweinbereich vorhanden waren - der sucht 2010 vergebens. Auch die besten Weine haben eine Säure, die man kaum noch kennt. Und die ganz schön schmerzhaft sein kann. Aber uns interessieren nicht nur die besten Weine, denn die gibt es in jedem Jahrgang. Interessant sind die Basisweine, die Gutsweine. Denn genau dort setzte die Kritik des Captain an: von den Guten gibt es zu wenig (Menge) und von der Masse zu viele Schlechte (Qualität). Und da habe ich eine Antwort zu geben.
Ein Weingut, dessen Basisweine 2010 von extremer Klasse sind - und zwar bei allen Rebsorten - ist Wagner-Stempel. Daniel Wagner stellt mit seinem Silvaner trocken einen der trinkfreudigsten Weine des Jahrgangs, der aber gleichzeitig so voller Spannung und Kanten ist, dass eine Lagerung von drei, vier Jahren kein Problem darstellt. Stempels Weiß- und Grauburgunder zeigen ausgeprägte Frucht und Schmelz, der Weißburgunder sogar eine herzhafte, salzige Würze.
Wagner Stempel: durchgehend super
Die schneidende Säure von Wagners einfachem Gutsriesling scheint ein Zeichen der Warnung zu sein. Allerdings ist sie ausgereift und eingebunden. Der schönste Wein von Wagner ist aber der „Siefersheimer Riesling vom Porphyr", der ungeheuer puristisch und klar daherkommt, als wäre er ein Exponat aus dem Bauhaus-Archiv. Die beiden Großen Gewächse „Heerkretz" und „Höllberg" sind sehnige Typen, denen jeder Fettring abgeht. Klasse haben beide. Auch die restsüßen Rieslinge (Spätlese und Auslese aus dem Heerkretz) sind von erstaunlicher Präzision und Klarheit, ohne dabei gemacht zu wirken. Gäbe es also so etwas wie eine „Kollektion des Jahres" - für mich stünde der Sieger fest.
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2010 war vor allem eines: nass 





und da sind sie gewachsen:
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