Knall! Die Tür fällt ins Schloss und der Captain ist wieder am Schiff. Er trägt schwer an einem Rucksack mit vier Kameras drin, einer Stativtasche und dem Lichtkoffer. Seine Knie sind kaputt, die Beine schmerzen. Der Captain war arbeiten. Und weil Sommer ist, der Erste auf Ibiza weilt, die Maate auch etwas Besseres zu tun haben, als immer in der Kombüse zu hocken und zu trinken; weil Sommer ist und weil es eben sein muss, dass die Leute sich irgendwann auch verflüchtigen; weil Sommer ist und der Captain seiner Mannschaft mitunter auch auf den Geist geht; weil Sommer ist, ist er jetzt alleine. Der Captain. Am Schiff.
Der Captain hatte keinen Urlaub, war dieses Jahr nicht schwimmen. Erst recht nicht im Meer. Das ist ein enormes Defizit, das er in den nächsten Tagen beenden will. Dieses Never-Ending-Arbeiten für Finanzamt, Leasing, Mieten und den ganzen Rattenschwanz, den das Leben einem anhängt. Das kann so nicht weitergehen, das kann nicht der Sinn sein. Diese elende Planerfüllung.
Der Captain will wieder mehr trinken. Also trinken tut er ja genug, das war vielleicht etwas irreführend formuliert. Besser gesagt: er will mehr Weine trinken, die er nicht kennt. Das hat das Captain zuletzt den Maaten zugeschoben und sich faul und gelangweilt den großen Klassikern gewidmet. Im Frühjahr. Jetzt hat der Captain wieder Lust auf unbekannte Ausnahmeweine.
Oh Wunder: Er rafft sich auf
Und weil er sich schon aufrafft, über seinen Schatten zu springen, trinkt er auch ein paar deutsche und österreichische Weine aus 2010, das Arschjahr, das er in Grund und Boden postulierte, ein Urteil, das niemand ernst nahm, das in der Breite der Beispiele aber gerechtfertigt bleibt. Jedoch ist es ein Jahr, das mehr Ausnahmeweine bereithält, als der Captain angenommen hat. Und diese Ausnahmeweine will er jetzt kennen lernen. Alle? Alle.
Das wird nicht gehen, hat ihm der Erste vor der Abreise gesagt, denn es sind zu viele Ausnahmeweine, die da zu trinken sind. "Das schaffst Du im Leben nicht", hat der Erste gesagt. Und der Captain hat beiläufig genickt. Wahrscheinlich hat er Recht.
Loosen, Winning. Und jetzt Loimer
Darum hat er sich beraten lassen. Und die Kollektion von Dr. Loosen verkostet, die ihm wirklich gut gefallen hat. Dr. Loosen, seit langer Zeit wieder dort, wo er hingehört: an die Spitze. Und Von Winning 2010 wird auch immer besser. Wenngleich nicht mehr lange, denkt der Captain. Das Holz: es kommt.
Letzte Woche war der Captain in Österreich. Und weil ihn sein Weg daran vorbeiführte, machte er in Langenlois bei Fred Loimer halt, einem großen österreichischen Winzer, der zwar viele zehntausend Flaschen füllt, dennoch weiterhin an der Spitze der besten Weingüter des Landes steht. Ein Doppelleben, das selten wer unbeschädigt zuwege bringt. Loimer bringts.
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Tradition zwischen Captain und Loimer. Das Foto: Winzer mit Sohn. Heute der jüngere. Beide happy. 



Kann nur bestätigen, Loimers Weine sind wirklich fein. Im Kamptal gibts aber wirklich eine ziemliche Dichte an tollen Winzern. Besonders zu empfehlen wäre sicher das Weingut Hirsch, und besonders interessant finde ich seit kurzem die Weine des Weingut Jurtschitsch. Da könnte sich der Captain auch mal durchkosten und so phantasivoll beschreiben! ;-)