Ich laufe Gefahr, dass sich unsere österreichischen Matrosen gähnend abwenden, wenn ich Grundlegendes über den Neusiedler See schreibe. Der Österreicher kennt halt seinen Neusiedler See. Im teutonischen Nachbarland hingegen ist er nur ein See von vielen. Und gänzlich unbekannt.
Im Verkauf machte ich oft die Erfahrung, dass der deutsche Weinkunde den Neusiedler See als Wiege der österreichischen Rotweinkultur nicht auf dem Schirm hat. Denn er hat österreichischen Rotwein gar nicht auf dem Schirm. OK, den Zweigelt schon. Das bisschen Ruhm muss man dieser Rebsorte lassen.
Zweigelt als austauschbare Marke
Allerdings wird der Zweigelt als austauschbare Marke denn als ein Produkt einer bestimmten Region Österreichs wahrgenommen. Nur lecker soll er sein, kirschfruchtig. Ob aus der Wachau oder aus der Steiermark: woher der Zweigelt kommt, ist vielen oft egal.
Und doch muss man erklären, wenn die Stichwörter "Österreich" und "See" fallen. Da denkt man in weiten Teilen Deutschlands gleich an das Urlaubsland Österreich, also hohe Berge. Und beim See gleich an eine Art Wolfgangsee mit glasklarem Wasser. Und beide Klischees laufen bei dem Neusiedler See gründlich daneben, denn alpine Berge und klares Wasser sucht man bei diesem merkwürdige See an Österreichs östlichster Spitze nämlich vergeblich.
Der Neusiedler See sperrt sich der gängigen deutschen Stereotype über das "Urlaubsland Österreich", denn nach konservativen ästhetischen Gesichtspunkten ist er eher ein hässliches Entlein. Einer der letzten Steppenseen Europas. Im Durchschnitt nur 1 Meter tief, mit trübbraunem Wasser und einem kilometerbreiten Schilfgürtel drum herum. Aber all das macht seinen ganz besonderen unbeschreiblichen Reiz aus.
Triebaumers Mariental als Keimzelle
Der See und sein Umland stellt nicht nur einen beträchtlichen Teil des österreichischen Rotweinanbaus dar, sondern er ist auch die Keimzelle für deren Erfolg. Hier begannen ambitionierte Winzer in den 80ern die Weichen zu stellen, den österreichischen Rotwein international konkurrenzfähig zu machen. Ernst Triebaumers legendärer "Mariental" von 1986 oder Prielers "Goldberg" sind Namen, die im Rückblick immer wieder genannt werden müssen, um die Anfänge des "Österreichischen Rotweinwunders" greifbar zu machen.
Der Fertő-tó, wie er im Ungarischen genannt wird, misst eine Länge von 36 km und schwankt in der Breite von 4 bis 8 Km. Zu einem Fünftel gehört er im Süden zum Staatsgebiet Ungarns. Auf österreichischer Seite gibt es zwei Weinbauregionen: im Westen das "Neusiedlersee-Hügelland" und im Osten den "Neusiedler See". Nimmt man noch die ungarische Weinbauregion Sopron mit 1600 Hektar hinzu, die ja immer historisch ganz eng mit dem österreichischen Teil verwoben war, kommt man dort in der Region auf knapp 12.900 Hektar Weinanbaufläche. Nicht wenig!
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Eine Weinriede am Leithagebirge. Ganz hinten vom dicken Schilfgürtel versteckt: der See! 





Ein Blinder schreibt von der Farbe, so kommt es mir vor. Der Neusiedler See hat nur im Osten Österreichs Bedeutung, niemand aud der Mitte oder dem Westen fährt dort freiwillig hin. Und der Zweigelt ist bekannt, wei ihr Züchter ein hochkarätiger Nazi war.