Zeitenwende war angesagt. Bei den Autoren der Fernsehserie Star-Trek. Vor fünfzehn Jahren schickten sie Captain Jean-Luc-Picard und die Mannschaft der Enterprise in eine unglaublich spannende Serienfolge. Im Mittelpunkt: der Kampf gegen die Borgs, die die Erde assimilieren wollen.
Zwei Folgen lang ging es um Leben und Tod, um Existenz oder Auslöschung. Der Captain, selbst Captain, hing an der Glotze, er sah einen Meilenstein der Science-Fiction-Unterhaltung. Als es der Mannschaft gelungen war, die tödliche Bedrohung abzuwenden, standen Crew und Captain am Rande ihrer physischen und psychischen Möglichkeiten. Also schrieben die Drehbuchautoren eine Recreation-Folge, etwas zur Erbauung und Erholung. Sie schickten Picard auf Urlaub runter zur Erde. Zu seinen Verwandten nach Frankreich.
Und diese Verwandten sind Winzer. Picard erholte sich ein einer unbestimmten, rebbestockten Landschaft und trank literweise Rotwein. Sogar aus richtig guten Riedel-Gläsern: die Ausstattung hatte perfekt recherchiert. Die Botschaft dieser ungewöhnlichen Folge, die auch in der Gegenwart hätte spielen können: der Mensch, verloren im Universum ungelöster Fragen, braucht Liebe, Familie. Und Wein.
Seit ein paar Jahren spielen Wein und Winzertum nicht nur in französischen Filmen eine wesentliche Rolle. Nein, auch im alkoholhysterischen Amerika und im schrecksparwütigen Deutschland dringt das Kulturgetränk in die Mitte der Gesellschaft vor. Winzer werden Helden von Fernsehserien (Winzerkönig) und Weintrinker von Filmen (Sideways).
Jetzt erscheinen kurz hintereinander zwei Filme im Kino und auf DVD, die das Weinmachen zum Haupt- oder Begleitthema machen.
Der Gesellschaftsthriller "Es kommt der Tag" mit Iris Berben und Katharina Schüttler behandelt die Suche einer Tochter nach ihrer Mutter, die seit Jahrzehnten eine gesuchte Terroristin ist und nun mit einem Winzer auf einem Weingut im französischen Elsass lebt. Freilich sind der Terrorismus und die kriminelle Vergangenheit der Mutter (Berben) nur der Rahmen für eine viel tiefer gehende Familientragödie. Für jeden Weinkenner ist es jedoch interessant, wie hier das Winzertum wieder ins Klischee abgleitet. Gegessen wird grundsätzlich auf langen Tischen im Hof des Weinguts (hat der Captain noch bei keinem Winzer je erlebt), verkostet wird mit dämlichen Kennerblick, wie in der Werbung üblich. So wird die gute Handlung von schwachen Details beschädigt. Man hätte einen deutschen Spitzenwinzer fragen können, wie es auf einem Weingut wirklich zugeht.
Ein gutes Jahr von Ridley Scott (Gladiator) mit Russell Crowe (auch Gladiator) wurde schon 2006 gedreht, fand aber in Deutschland und Österreich kaum Beachtung und in manchen Städten auch keinen Verleih. Dabei ist der leichtverdauliche Film hochinteressant, nimmt er doch die Finanzmarktszene schon vor der Finanzkrise auf das Moralhorn. Crowe spielt den widerlich ehrgeizigen Wertpapierhändler Max Skinner, der durch Zufall das Weingut seines Onkel Henry in der Provence (ausgerechnet Provence, schlimmer geht kein Klischee) erbt.
Doch Max will das Weingut nicht behalten, sondern profitabel verkaufen. Deswegen muss er nach Frankreich fahren (obwohl ihm jede Zeit dafür fehlt) und die Braut schön machen. Selbstverständlich lernt er eine Frau kennen, selbstverständlich verliebt er sich in sie, selbstverständlich macht er einen Wandel durch und selbstverständlich entscheidet er sich am Schluss gegen die Karriere und für das Leben in Frankreich. Der Film ist so einfach gestrickt, dass man annehmen muss, Scott und Crowe ging es um einen bezahlten Urlaub im Süden.
Trotz all dieser Vorhersehbarkeiten ist "Ein gutes Jahr" auch ein Vergnügen, denn die Recherche der Amerikaner geht viel tiefer und zeigt das Leben am Weingut sehr realistisch. Beide Filme aber drängen das Weinmachen in ein Hoffnungsprinzip: wer Wein macht, hat ein erfülltes und schönes Leben und muss sich um Politik und Wirtschaft wenig scheren. Willkommen in der Paralellwelt.







Typisch Elsass: der Wein wird aus dämlichen Gläsern getrunken 





Auch starke Männer dürfen weinen!