Nein, der Captain hat die Steiermark nicht vergessen, als er Montag von den fetten österreichischen Chardonnays berichtete. Der Captain weiß, dass nur das Bundesland Kärnten nicht zu Österreich gehört, die restlichen Fürstentümer stehen fest zur Föderation.
In der Steiermark heißt der Chardonnay noch Morillion, eine regionale, auch in Deutschland vereinzelt bekannte Bezeichnung der Traube. Das klingt elegant, so elegant ist der Morillion auch.
Das wiederum liegt an den wunderbaren Hügellagen. Ein herrliches Auf und Ab, das dem Wein unzählige Möglichkeiten bietet. Auch ist das Terroir reichlich unterschiedlich: viel Mergel, Muschelkalk, Sand, Kies und Gneis. Der Hang zu fruchtigen und duftigen Weinen macht sich selbst bei den schweren, im Eichenfass ausgebauten Morillions und Sauvignons bemerkbar. Die Weine bleiben immer auf der unkomplizierten Seite. Ein Umstand, der kompliziert gestrickte "Weinkenner" gerne flüchten lässt.
Anders gesagt: steirische Weine sind vor allem in Bars und Szenelokalen ein Renner. Besonders in Hamburg und Berlin.
Die fetten Morillions kriegt man leider selten zu sehen. Kein Wunder, es gibt nicht so viele Flaschen von (und ausreichend bekommt man sie nur beim österreichisch-deutschen Fachhändler Wein&Co, der auf dieser Seite inseriert, aber kein Vertriebspartner ist). Der Captain zählt jetzt seine drei All-Times-auf-der-sicheren-Seite-Favoriten auf.
- Zieregg 2007 von Tement
Manfred Tement ist der Arnold Schwarzenegger des südsteirischen Weinbaus. Tatsache: wie aus dem Gesicht geschnitten. Nur das Gemüt ist ruhiger und man muss auch keine Angst haben, Tements Faust in die Fresse gesemmelt zu bekommen. Sein Sohn Armin wird zu Zeit als Nachfolger aufgebaut, er hat das Zeug zum Intellektuellen. Der Morillion Zieregg ist der berühmteste Lagen-Chardonnay Österreichs, die Reben stehen auf kalkigen Muschelböden und Mergel, das gibt dem Wein eine intensive mineralische Komplexität, sodass der Captain ihn blind erkennt. Kräuter und weißer Pfeffer in der Nase, dann intensive Länge und ein gewaltiges Finale am Gaumen. Ein Dauerbenner. Wer es etwas fruchtiger mag, trinkt Morillion von der Lage Sulz, ausgebaut in den gebrauchten Barriques von Zieregg. Auch gut. Zieregg bei WeinCo
- Ratscher Nussberg 2007 von Gross
Wie auch bei Tement eine Lage nahe der slowenischen Grenze (über die man in dieser wunderschönen Region inzwischen zu Fuss spazieren kann, wie es einem passt). Wieder Kalk- und Sandstein, wieder diese norme Vielschichtigkeit, die die Weine der Region prägt und eint. Der Nussberg 2007 ist mehr auf der eleganten Seite, eine prägnante Zitrusnote und etwas Kümmel (!) in der Nase, ein weicher aber dennoch eisiger Abgang. Herrlich im ausklingenden Sommer, die ideale Einstimmung für schwere Herbstweine. Nussberg bei Ruesing (hier noch 2006) oder bei WeinCo
- Obegg 2007 (Fassprobe) von Polz
Zwei umtriebige Brüder mit irrer Energie und hemdsärmeligem Witz, die ihr Weingut zu einem regionalen Giganten aufgbaut haben. Trotz hunderttausender jährlich gefüllter Flaschen bleibt (wie auch bei Tement und Gross) die Qualität nicht auf der Strecke. Vor allem die beiden Prämiumkreationen Hochgrassnitzberg und Obegg sollen die Visitenkarten des Weinguts sein und kreative Beständigkeit beweisen. Der Obegg-Morillion ist immer ausgeprägt mineralisch, hat intensive Kräuter in der Nase und noch etwas viel Holz am Gaumen (was man mögen kann). Er sollte eigentlich erst in fünf Jahren getrunken werden, sagt der Captain. Obegg bei WeinCo (noch 2006)
Doch der wichtigste und beste Wein der Südsteiermark ist der Sauvignon. Und der etwas fetter ausgebaute Sauvignon ist erst richtig super, wenn er reif getrunken wird. Eigenartigerweise macht das kein Mensch. Außer dem Captain und ein paar Eingeweihten. Heute wird der Captain vor Ort ein paar ältere Sauvignons schlürfen und berichten. Die Mannschaft geht schon mal von Bord, die Flaschen holen.







Die Brüder Polz auf dem Weg hinauf... 



Hatte erst neulich einen Ratscher Nussberg 2002 vom Gross im Glas. Wunderbares Trinken!
Empfehle allen Passagieren auf diesem Dampfer den oft verschmähten "viel zu alten" Weißweinen auf der Weinkarte Beachtung zu schenken. Da sind echte und höchst angenehme Überraschungen dabei!