Christian Moueix ist ein große Nummer im Weingeschäft. Er keltert den Kultwein Chateau Petrus, einen Pomerol aus dem Bordeaux. Dieser Saft stieg in den Achtzigern neben den Grand Crus (Mouton, Margaux, Haut-Brion, Lafite und Latour) zum neuen Giganten der teuren französischen Weine auf. Danach folgte nur noch Le Pin, dann ging (bis auf ein paar Garagenweine) nichts mehr auf diesem Markt. Jetzt gilt es für jeden seine Position zu halten.
Moueix wusste, dass ein einziger Wein, noch dazu in diesem hochpreisigen Segment, sein Weingut nicht auf Dauer stützen kann. So kaufte er im Bordeaux auch noch Güter und Gründe zu und ging nach Amerika, um dort mit Empfehlung und Vermittlung von Robert Mondavi den Prestigewein Dominus zu fabrizieren. Luxuswein für eine Luxuszeit.
Ende der Neunziger entdeckte Moueix auch die preiswerten Weine, den Massenmarkt. Und er hatte keine Angst, seinen Namen in diese Schlacht zu werfen - der Name, das wohl wichtigste Gut der Person. Die günstigen Weine heißen Moueix, also müssen sie gut sein. Oder?
Darüber kann der Captain nur lachen. Tatsache aber ist, dass Christian Moueix seine Massenweine offenbar nur in guten Jahren von der Leine lässt. Tatsache ist auch, dass die Massenweine von Moueix vor allem aus zugekauften Material gekeltert werden. 2005 war ein gutes Jahr und es gab nahezu perfektes Traubenmaterial zu kaufen.
2005 hat Moueix unter seinem Namen zwei gute und günstige Weine machen lassen.
1.) Den einfachen Medoc, eine Cuveé aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot, den Trauben des linken Ufers (am rechten Ufer dominiert der Merlot). Ein satter, vollmundiger und eleganter Wein, der nach Brombeeren und Schokolade schmeckt. Der sonst so typische Bordeaux-Terroir-Ton (ein sanfter und appetitanregender "Gestank") ist hier nur abgemildert zu riechen. Der Wein soll wohl international konkurrenzfähig bleiben (denn der amerikanischen Konsument bevorzugen saubere Fruchtgerüche). Trotz Industrie, trotz Menge: dieser Medoc ist ein wunderbarer Alltagsbordeaux, der noch ein paar Jahre halten wird. Der Captain und die Mannschaft leeren ihn meist am Monatsende, wenn die Heuer unseres Reeders wieder mal zur Neige geht. So ein Wein macht bei Ebbe in der Kasse kein schlechtes Gewissen. Und schmeckt.
2.) Den Médoc A.C. Etablissements, ein etwas kräftigerer Wein, der aus nicht verwerteten Zweitwein-Trauben zugekaufter Flächen gekeltert wurde. Dieser Wein gilt also als "handverlesen". Der Cabernet bringt noch ein paar "grüne" (unreife) Töne mit. Merlot und Cabernet Franc beherrschen deswegen den Geschmack der Cuveé. Das wird sich mit den Jahren ändern.
Denn dieser Wein hat das Potential zu einem mittelgewichtigen Langstreckenläufer. Durchaus möglich, dass er 2015 perfekt schmeckt. Man kann das jetzt schon ahnen, denn der Wein wird erst nach einer Stunde dekantieren so richtig rund (und der Captain hasst dekantieren, dieses Spießer-Zeremoniell).
Ein kräftige Kräuter und Pfeffernote in der Nase, ein dichter und langer, noch etwas wenig eleganter Geschmack auf der Zunge, die auch schnell pelzig wird. Die Mannschaft öffnet von den zwei verblieben Kisten kein Flasche mehr. Erst nächstes Jahr wieder. Dann wissen wir mehr. Lagern. Es zahlt sich aus.
- Der Medoc 2005 ist leider momentan vergriffen, den Medoc Etablissements gibt es für 12,80 Euro bei Hawesko
Der Captain empfiehlt außerdem diese preiswerten Weine und diese französischen Tropfen.







Die Mannschaft hat sauber aufgedeckt. Hat auch lange gedauert, denen das beizubringen. 





Das sind ja Handelsweine, sprich Massenprodukte. Spricht das nicht gegen die Linie des Captain? Oder hat das andere Gründe? Ist der Captain noch unabhängig?