Heida, tatütata, doch gleich Entwarnung. Es handelt sich hier um keinen Artikel über den verstorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. Heida ist vielmehr der Name einer Rebsorte aus dem Schweizer Kanton Wallis. Heida ist genetisch ident mit der Traube Savagnin, eine Spielart des Traminer. Und Heida wächst im Wallis vor allem in der Gemeinde Visperterminen (der Captain sucht das Asterix-Heft).
Visperterminen steht ganz oben, zur Baumgrenze führt ein moderater Wanderweg. Wir befinden uns also in einem der höchsten Weinbaugebiete Europas.
Viel spezieller geht es nicht. Hoch wie keine. Selten, wie selten eine: Was soll eine Traube außergewöhnlicher machen? Nur: Außergewöhnlich alleine reicht oft nicht. So mancher seltene und "außergewöhnliche" Wein entpuppt sich im Glas als dämliche Plörre. Manches muss man nicht trinken, nur weil es selten ist und an komischen Orten wächst.
Nicht so Heida. Der Captain wundert sich nicht früher von dieser Sorte gehört zu haben. Und mit ihm wundern sich jetzt sicher ein paar hundert Matrosen. Was kann Heida?
Veltliner meets Burgunder
Im Glas ein eher heller Wein, der beim Schwenken wenig Schlieren zieht (trotz 14 % Alkohol) und sich schnell wieder sammelt. In der Nase dann zwei definitive Noten: Grüner Veltliner und Burgunder. Heida wird in großem Holz ausgebaut, also findet man kaum Noten von Eiche in der Nase. Trotzdem entsteht der Eindruck an einem seltsamen Burgunder zu schnüffeln.
Beim zweiten Riechen dann die genauen Eindrücke: fein, klar, Finesse und Firn, Noblesse, edel, Melone, Salz (Fleur de Sel), Pfeffer (die Veltlinernote), Pfeffer, der aber nach und nach verschwindet. Am Ende ganz. Dann Haselnuss, Walnuss - jetzt kommt der Traminer - , Honig, auch Tabak, ein bisschen, als würde einem jemand eine rote Marlboro ins Gesicht blasen, kühl, frisch. Und wieder diese Erinnerung an einen schlanken Mersault von Mikulski, die sich...
...im Mund wieder findet. Hier noch mehr Mersault, Burgunder ohne wichtigtuerisches Fass, mehr kalter Honig, etwas Banane, erneut Melone. Und ein ganz klein wenig Zitrusfrüchte. Etwas länger im Glas entfalten sich in der Nase auch Anklänge von Zuckercouleur und Vanille, im Mund die Karamelglasur einer Creme Bruleé.
Danach ein langer Nachhall nach einem mittellangen Abgang. Ein Wein, der noch einige Minuten an sich erinnert. Sicher lagerfähig, wenngleich weniger lange, als vermutet. Schnell gut trinkbar. Der Heida verdient die Behandlung eines Pouilly Fuissé.
Was will uns Heida sagen?
Klar ist, dass es den beiden Önologinnen bei der Entwicklung des Heida um die autochthone Rebkultur des Wallis ging. Dem Projekt Heida sind noch zwei andere Weine, der Humagne Blanche und der Humagne Rouge (beide weder verwandt noch verschwägert) angeschlossen.
Doch neben der Rettung und Kultivierung des Seltsamen und Seltenen ging es bei diesem Projekt wohl auch darum, einen weiteren Prämiumwein für die Schweiz zu entwickeln. Und die Schweiz ist - trotz ihrer Vielfalt an Regionen und Trauben - noch arm an richtigen Prämiumweinen. Das unterscheidet die Schweiz von Ländern wie Italien, wo man die Prämiumweine gar nicht mehr verkaufen kann. So zahlreich sind sie.
Aber ebenso ging es Chandra Kurt und Madeleine Gay offenbar um die Entwicklung einer neuen Eleganz. Einer hellen Eleganz, einer ruhigen Eleganz. Der Heida ist wie Grace Kelly: Eine große Blonde, die gut duftet. Der Heida ist definitiv eine Frau.
- Heida für 24,90 Euro bei TxB. Das Bestellen ist bislang nur über Mail möglich (auch egal).
Der Captain betont, dass er von keiner verkauften Flasche auch nur einen Cent erhält.
Noch mehr hervorragende Weine gefällig? Hier gibt es alle Weine der Woche auf einen Blick.







Der Heida gehört ins große Glas 





Dem stimme ich zu. Interessante Neuigkeiten im Zusammenhang mit "exotischen" Weinbaugebieten hört/liest man schon gerne. Insbesondere die Sorten, die mir bisher völlig unbekannt waren, finde ich sehr interessant.
Dennoch wäre es wünschenswert, wenn die Aufmerksamkeit wieder ein wenig auf die österreichische Landschaft gelenkt wird.
Wie wärs beispielsweise mit einem Artikel über Rotweine vom Wagram? Leztens habe ich einen hervorragenden Pinot vom Weingut Leth getrunken, wenn ich mich recht entsinne, eine Reserve.
Mit weinophilen Grüßen
el hottino