Das war ein Schock: Glykol im Wein = Weinskandal. Österreich und Deutschland 1985. Zwar kam niemand ums Leben, aber die Österreicher schafften es, in einer einzigartigen Selbstbeschädigung ihre ganze Weinwirtschaft zu zerstören. In Italien, so erinnert sich der Captain, gab es im gleichen Jahr gleich zwei Weinskandale, etliche Schweden starben qualvoll im Krankenhaus. Doch das hat dem italienischen Wein kaum geschadet. Der österreichische Wein hingegen lag am Boden. Knock out. Und das war gut so.
Denn das Danach ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, ein Phönix aus der Asche. Nirgendwo sonst und niemals wieder hat sich eine gesamte Branche an den eigenen Haaren aus der Scheiße gezogen. Schuld daran sind die Töchter und Söhne. Die Erben, die damals Macht auf den Höfen forderten.
Sie waren es, die Österreichs Weinbau in eine wesentlich ertragreichere Zukunft führten. Eine ähnliche Entwicklung kam auch in Deutschland in Gang, wenngleich weniger radikal. Das haben die Österreicher den Deutschen heute vorraus: sie haben den Weinskandal zum Großreinemachen genutzt. Übrigens die einzige gelunge Vergangenheitsbewätigung in der Alpenrepublik.
In den ersten Jahren der Unsicherheit setzten die Winzer vor allem auf international bekannte Sorten: Cabernet, Merlot, Syrah, Chardonnay und Sauvignon sollten den Neuanfang verdeutlichen. Das Autochthone war damals zweitrangig, wiewohl es hervorragende Experimente mit der Sorte Blaufränkisch gab.
Viele dieser internationalen Weine aus Österreich geraten inzwischen wieder in Vergessenheit. Das ist vor allem bei den Chardonnays sehr schade, denn in Österreich werden einige fette Brüder von Weltrang gekeltert. Vorbild, vor allem beim Einsatz kleiner, gut getoasteter Eichenfässer, waren kalifornische oder französische Weingüter. Herausgekommen ist aber etwas ganz eigenes: der österreichische Chardonnay, der von Boden und Klima mehr beeinflusst wird, als es den Winzern damals lieb war.
Der Captain stellt im Schnelldurchgang seine drei aktuellen Favoriten vor.
Tiglat, Velich, 2006
Der komische Name ist die Dialektbezeichung einer Einzellage im burgenländischen Seewinkel. Der Wein wächst auf absolut flachem Gebiet, Böden und Klima begünstigen hier vor allem Süßweine. Trotzdem gelingt es Heinz Velich jedes Jahr einen trockenen und eleganten Chardonnay zu keltern. Der aktuelle 2006er stellt die Frucht vor das Holz, der Wein schmeckt nach reifer Aprikose und auch nach Minze. Ein paar Töne Salz am Gaumen, dazu das zurückhaltende Röstaroma. Deutlich merkbar: hier will man sich von der Last der burgundischen Vorbilder verabschieden. Der Captain trinkt den Tiglat, wenn ihm die Mannschaft einen Seewolf im Salz anrichtet.
Tiglat 2006 bei Rotweissrot
Chardonnay, Bründlmayer, 2007
Einer der ersten internationalen Chardonnays Österreichs, von einem der ersten Avantgardisten mit Weitblick: Willi Bründlmayer. Für eine Lagenbezeichnung hat der Weitblick aber nicht gereicht, so heißt der Chardonnay hier nur Chardonnay.
Dabei wächst dieser Wein auf prominenten Lagen im niederösterreichischen Kamptal, nahe der Wachau. Und er wird auch nur in österreichischer Eiche ausgebaut. Ein Nationalprodukt also, das extrem international schmeckt. Der 2007er duftet nach Blütenhonig und Röstaroma, er ist nicht zu heftig im Abgang und betont seine Eleganz. Auffallend: die hohe Mineralik. Der Captain trinkt den Wein zum Schntzel. Sonntags.
Bründlmayer 2007 bei Weinshop24
Tatschler, Kollwentz 2007
Der fetteste der Brüder. Die Reben wachsen auf einer Hanglage des Leithagebirges, gut geschützt vor der Edelfäule Botrytis, die diesem Chardonnay sicher nicht gut tun würde. Der Tatschler ist jedes Jahr eine Wucht, denn hier geht man im Holzeinsatz bis zum äusserst Möglichen. Der Wein behält trotzdem seine unglaubliche Eleganz und Mineralik, er steht lange im Mund herum bevor er sich nach Stunden verflüchtigt. Ganz wie ein großer Burgunder. In der Nase dominiert das steinige Terroir und viel süßes Brot mit Vanille. Der Captain trinkt den Wein einfach so. Bis zum Abwinken (das traut sich keiner).
Tatschler bei Kollwentz direkt
Der Captain empfiehlt noch mehr Weine aus Österreich. Er rät außerdem auch noch einen Blick auf die anderen Weine der Woche zu werfen.







Lecker Chardonnay: da freut sich der Velich Heinzi... 






Meiner Meinung nach wurde der Zweitwein Darscho von Velich vergessen, der ein besseres Preis-Leistungsverhältnis hat und immer besser wird.