Sonntag geht es an die Urnen. Selten war ein Wahlkampf spannungsloser und langweiliger und es wundert den Captain nicht, dass zehn Prozent der Deutschen gar nicht wissen, dass sie am Sonntag das nobelste Recht des Bürgers in Anspruch nehmen können: zu bestimmen, wer das Land, immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, regiert.
Dieser langweilige Wahlkampf widerspricht der wahren Situation. Eigentlich sollte es die Leute in die Kabinen drängen, denn selten waren die Probleme mannigfaltiger. Hohe Verschuldung, Krisenbekämpfung, Erosion des Demokratie, verschleppte Reformen, Energiewende, Klimawandel, Technologieoffensive. Unzählige Themen hätten diesen Wahlkampf beherrschen lönnen, taten es aber nicht. Denn niemand traut sich die Wahrheit zu sagen: so wie jetzt, kann es nicht weitergehen.
Der Aufstieg der Schwellenländer wird nicht aufzuhalten sein. Der Energiewandel auch nicht. Beides wird für die wichtigen Schlüsselindustrien des Landes noch dramatische Folgen haben. Die nach der Wahl folgende hohe Arbeitslosigkeit wird die Gesellschaft destabilisieren und auch die dramatisch angestiegenen Staatsverschuldung muss bezahlt oder mit den Mitteln der Inflation abgebaut werden. Wäre ich Deutschland, würde ich mich jeden Morgen unter der Decke verkriechen, denn meine Probleme scheinen quasi unlösbar. Gut, dass es meinen Nachbarn auch so geht, immerhin bin ich nicht alleine.
Was Winzer und Weinliebhaber wählen, kann man sich denken. Winzer und Weinmacher bearbeiten Boden und Scholle, sind Unternehmer und Vertreter des Eigentums. Sie werden wohl mehrheitlich CDU, diesmal ein bisschen öfter die FDP wählen. Der eifrige und interessierte Weinkonsument ist, ganz gegensätzlich, eher Sozialdemokrat und urbaner Grüner. Die Konservativen, das hat der Captain schon oft festgestellt, lesen keine Weinkarten, trinken Einfaches, gekeltert in der Nation.
Was waren Schröder und Fischer noch für Kerle. Die Rabiatperle aus Hannover konnte dutzende Weingüter aufzählen und wer, wie der Captain, dem grünen Häuserkämpfer Fischer einen Tipp geben wollte, wurde lautstark belehrt, dass er genau diesen Wein ja längst schon kenne.
Aber diesmal? Diesmal kann man keine ausgewiesenen Weinfreunde wählen. Die Kanzlerin antwortet ihren besten Winzern nicht, wenn sie diese zu einem umstrittenen Brückenbau an der Mosel befragen wollen. Das hätte Schröder nicht gemacht. Und Fischer wäre gegen die Brücke auf die Barrikaden gestiegen. Naja, wohl nur sinnbildlich.
Das alles ist freilich nur nebensächlich, denn selbsredend geht es bei dieser Wahl auch darum, welche Partei mir und meiner Neigungsgruppe zuspricht. Der Captain übernimmt eine Tradition englischer Medien und gibt eine Wahlempfehlung. Der Captain sagt: gehet hin und wählet grün. Warum?
1.) Auch die Grünen sind eine Boden- und Schollenpartei. Sie lieben die Erde und alles, was auf ihr angebaut wird. Die Grünen sind eine Bauernpartei, die von Städtern gewählt wird. Und Weine werden am Land angebaut und in der Stadt getrunken. Passt perfekt.
2.) Die Grünen sind die einzige Partei, die sich mit den Problemen des Klimawandels ernsthaft auseinandersetzt. Alle anderen schwafeln nur. Der Klimawandel wird wohl das größte Problem der Landwirtschaft werden (mehr dazu morgen). Was heute den deutschen Winzern Vorteile bringt, kann morgen zum Fluch werden. Sicher können die Grünen nicht die Welt retten und den Klimawandel aufhalten. Sie können aber die Einstellung der Gesellschaft zu Nachhaltigkeit beschleunigen. Und nichts, wirklich nichts, ist dringlicher als das.
3.) Die Grünen sind längst keine unternehmerfeindliche Partei mehr. Ihre Wähler sind freiberufliche Aufsteiger, kleine Selbstständige, die nicht von einem gnadenlosen Fiskus geköpft werden wollen. Freilich wird uns allen nicht erspart werden, steigende Steuern zu akzeptieren. Irgendwer muss den Unsinn Opel ja zahlen.
4.) Das Personal der Grünen ist eigentlich symphatisch. Künast angelt Fische und bringt sie eigenhändig um, Trittin ist das ideale Schlafmittel und Claudia Roth der nervende Wecker. Besser als der Cyborg Westerwelle und die Kryptokommunisten von der Linken. Obwohl Stasi-Gysi sicher Format hat.
Das sind die vier Gründe für die Empfehlung des Captain. Seine persönliche Prognose:
CDU: 33
SPD: 26
FDP: 14
Grüne: 12
Linke: 12
Sonstige: 3
Und jede Menge Nichtwähler. Leider.







Der unbekannte Winzer. Wen wählt er am Sonntag? 





Mit der Prognose könnt' ich leben. Nur Pöckl-Weine trink' ich sicher nicht am Sonntag ...
Grün wär schon sehr ok, wenn sie den richtigen Partner wählen. So wie im Norden.