Freilich ist man als Captain eines schlingernden Schiffes ständig damit beschäftigt, alte und teure Rotweine zu schlürfen. Damit der Pegel nicht sinkt. Man muss ja in diesem Geschäft immer auf Spiegel betrunken sein, um überhaupt ernstgenommen zu werden.
Wenn ein Wein nach 1990 gekeltert wurde, wird er von der heiklen Mannschaft gar nicht aus dem Schiffsbauch geholt. Und wenn überhaupt Weine nach oben dürfen, dann nur jene der besten Produzenten. So hat der Captain gestern einen 90er Chateau Plusquamperfekt und einen 85er Chateau Dripsdrü-La-Düdeleü nach oben bringen lassen. Öffnen. Dann! Nicht! Dekantieren! Flasche offen stehen lassen. Fünf Minuten. Und trinken.
Igitt!
Immer dieses Scheiß-Depot. Kaum hat man zwei Drittel der Flasche runtergekippt, schwimmen die elenden Schwebstoffe im Glas herum. Das schaut erstens fürchterlich aus, schmeckt zweitens auch nicht besser und macht drittens das letzte Viertel der Flasche untrinkbar. Es sei denn, man steht auf Sand in der Fresse.
Da kommt der Maat mit einem Teil heran, das der Captain in die Labortechnik getan hätte. Sieht ja auch so aus. Wahrscheinlich hat man den Impfstoff für die Schweinegrippe da durchgejagt. Nein, sagt der Maat, das ist ein Filter. Ein Depotfilter. Sollten wir bei der zweiten Fasche mal anwenden. Die Mannschaft nickt, was bleibt dem Captain anderes übrig, als dieses hässliche Ding ins Glas hängen zu lassen? Und das Glas muss auch noch groß genug sein.
Der Filter erinnert den Captain an Alien, jene rührend nette, ausserirdische Spezies, die seit Jahren die Raumschiff-Mannschaften um Sigourney Weaver zu Brei zermantscht. Trotzdem jagt er den Chateau Düdelü jetzt durch Alien. Und siehe da, es hilft.
Erfunden hat den Filter ein gewisser Gartenzwerg... ähh Gantenbrink, ein Inschenör (ein autodidaktischer), der gerne alten Weinen den Korken klaut, um sie dann zum Braten zu süffeln. Herrn Gantenbrink hat das Depot auch so gestört, wie den Captain. Nur hat etwas dagegen gemacht. Während der Captain seit Jahren nur darüber jammert.
Mit dem Jammern ist es nun vorbei, denn kein Stäubchen bleibt im Glas. Zwar dauert die Prozedur etwas lange, wenn man durstig ist sogar noch etwas länger, doch die Anschaffung des teuren Utensils zahlt sich aus. Der Captain kauft der Mannschaft eines zu Christmas. Bis dahin aber schön brav bleiben.
Vinopur für 110,00 Euro bei rare-wine.com. Robust und geschirrspülertauglich. Und ein guter Ersatz für das blöde Dekantieren, das bei alten Weinen sowieso Unsinn ist.







Grüße aus dem Pharmalabor 





was passiert denn wenn ich den Chateau Depot anstatt durchs Alien durch einen Kaffeefilter oder ein mit Küchenrolle ausgelegtes Sieb jage? Wär das keine kostengünstige Alternative für wirtschaftskrisengeschüttelte Bastler? Oder hält das grad mal den zerbröselten Kork zurück?