Das ist ein konservativer Wein, ein Wein nach dem Prinzip "so haben wir es schon immer gemacht". Wir Spanier. Die Trauben des Anciano Gran Reserva werden mit der Maschine von riesigen Anbauflächen im Valedepenas gerissen. Dann werden sie ohne viel Federlesens in die Presse gesteckt. Der Saft bekommt danach kaum Kontakt mit den Schalen der Trauben, wie es bei hochwertigen Weinen oft der Fall ist. Alles in dieser ersten Phase deutet darauf hin, dass hier ein schnell gemachter Industriewein entsteht. Eine Plörre, wie viele tausend andere in dieser Region. Ab damit in die Supermärkte.
Und dort landet der Anciano auch: in die Supermärkten und im gehobenen Weinhandel. Das sind seit jeher die Kunden der Bodega Navalon, anderswo wollte diese Weinfabrik nie hin.
Aber jetzt staunt der Captain. Nach dieser hektischen Phase gibt der australische Weinmacher Norrel Robertson dem Wein jede Menge Zeit. Er steckt ihn für drei bis fünf Jahre in verschieden große Holzfässer, vornehmlich günstiger Produzenten, z.B. aus Ungarn und Kroatien. Auch das Toasting der Fässer ist verschieden. Von hart bis herzlich.
Nach fünf, manchmal sogar nach sieben (!) Jahren nimmt Robertson den Wein aus den Fässern und füllt ihn in Flaschen. Dort darf er nachreifen. Nach zehn Jahren kommt er auf den Markt. Der aktuelle Jahrgang ist also der Jahrgang 1999. Unglaublich.
Unglaublich deswegen, weil dieses Prinzip völlig gegen das kapitalistische Prinzip der letzten Jahre verstößt. Die meisten Rotweine aus Massenproduktion kommen zwischen sechs und zwölf Monate in neue und gebrauchte Barriques und danach auf den Markt. Die meisten Firmen müssen Kreditraten bedienen. Da kann man keinen Wein lange weglegen.
Die Bodegas Navalon haben offenbar genug Eigenkapital, um ihren selten gewordenen Weg der späten Realisation zu gehen. Früher war das in Spanien üblich. Und so wendet sich dieser Wein vor allem an die älteren Konsumenten spanischer Weine, die man vor allem in England und Skandinavien findet.
Und man würde verstehen können, wenn dieser Wein nach zehn Jahren das Geld seiner Lagerung zurückholen will. Tut er aber nicht. Denn hier macht es die Masse billiger: der Anciano kostet unter zehn Euro. Und das macht diesen Wein nun wirklich interessant.
Der Captain entkorkt und riecht. Die Mannschaft steht herum und glotzt. Ist das was? Der Captain riecht und schaut. Er sieht vor allem die Farbe, die eher zu ziegelrot tendiert. Das klassische Zeichen eines älteren Weins.
Der Captain riecht und erinnert sich an früher. Früher, als der Captain begann, sich für Wein zu interessieren. Früher roch fast jeder Wein so. So altmodisch. Nach Tabak, Kakao, Kaffee. Nach Beerenkompott und Rumtopf. Warm, weich und mollig.
So schmeckt der Anciano auch. Ein wenig gekocht, ein wenig nach Dosentomate, ein wenig nach roter Grütze. Dann aber auch nach Vanille (vom Fass) und nach etwas altem Holz. Er bleibt lange am Gaumen.
Es handelt sich also um einen konservativen Wein mit modernen Anklängen, einen ohne viel Nachdenken gemachten Wein, der im Zuge der Krise neue Konsumenten sucht. Der Preis ist schlicht sensationell. Der Captain empfiehlt eine Kiste wegzulegen und den 99er Anciano über die Jahre zu trinken. Das kann der Wein nämlich auch: in Würde altern.
Anciano 1999 ist momentan vergriffen, Anciano 1998 gibt es aber für 8,50 Euro bei Hawesko. Das Weingut hat keine Homepage.
Der Captain legt seinen Matrosen außerdem diese günstigen Weine und noch weitere Weine der Woche ans Herz.













EIN WIRKLICHER SUPER-TIPP!
http://www.weinco.at/produkt/tempranillo-gran-reserva-10-years-old-63370...