Wir, der Captain und sein Team, befinden uns auf großer Fahrt. Unsere Ziele heißen Information und Qualität. Und damit jeder versteht, was damit gemeint ist, hat uns der Captain in einer windstillen Nacht seine klugen Gedanken auf Pergament diktiert.
10 Thesen von CaptainCork:
- Der Weinkonsument wird oft manipuliert, getäuscht und um den Genuss gebracht.
- Fünfzig Prozent der Weine schmecken den Konsumenten nicht.
- Der Konsument wagt keinen Widerspruch, da er glaubt, von Wein nichts zu verstehen.
- Der Milliardenmarkt Wein wird nur von einer Handvoll Leuten kontrolliert.
- Robert Parker ist der mächtige Einsager einer unwidersprochen agierenden Händlergemeinschaft.
- Viele Weinkellner und Journalisten sind ahnungslose Nachplapperer.
- Seltene Weine und autochthone Reben gehen verloren.
- Großartiges bleibt unentdeckt.
- Die Zeit der großen Modeweine ( z. B. Petrus, Valandraud, viele Supertuscans) ist vorbei.
- Kleine, fantastische Winzer wollen entdeckt werden.
Zu den Thesen:
1. Der Weinkonsument wird oft manipuliert, getäuscht und um den Genuss gebracht.
Ungefähr zehn Tester und etwa zwanzig Einkäufer, darunter einige sehr mächtige Personen, bestimmen den Milliardenmarkt Wein. Sie oktroyieren, was gut ist, was teuer sein darf und was der Konsument konsumieren muss. Seit Jahren wird eine weltweit gleichgeschaltete Önologie favorisiert, die den in den Handel involvierten Reb- und Fassproduzenten Milliarden brachte. Gestützt wird das System, nicht nur in Europa, von öffentlichen Geldern.
2. Fünfzig Prozent der Weine schmecken den Konsumenten nicht.
Die meisten hochwertig geltenden Rotweine und etwa ein Viertel aller Weißweine werden inzwischen im Barriquefass ausgebaut, diese Weine erhalten Geschmack und Eleganz von den Röstaromen der Fässer. Doch haben viele dieser Weine zu viel Tannine und zu viel Alkohol. Elegante, schlanke und vor allem bekömmliche Weine werden vom Weltmarkt gedrängt. Viele Konsumenten reagieren sogar allergisch auf die neuen Weine, dennoch entsteht keine Gegenbewegung, weil ein System von Testern, Produzenten und Weinjournalisten eng zusammenarbeitet und sich die Gewinne teilt. Es regt sich der Verdacht, dass der Konsument längst glaubt, Wein könne nur so schmecken, wie es die führenden Weinbewerter und Weinjournalisten definiert haben.
3. Der Konsument wagt keinen Widerspruch, da er glaubt, von Wein nichts zu verstehen.
Die Konsumenten kennen sich nicht aus. Die neue Mittelschicht, die den Wein für sich entdeckt, wird in ein geschlossenes System gelockt, das kein Entkommen zulässt. Früher war Wein entweder billiger Fusel oder Bestandteil der Hochkultur. Heute ist der billige Fusel aufgrund strenger Gesetze verschwunden, doch die neue Mittelschicht, die nachwachsenden Konsumentenschar, lernt die Vielfalt der Weinkultur nicht mehr kennen. Sie bezieht ihr Wissen von den immer gleichen Hohepriestern, die stets die gleichen oder ähnliche Weine anpreisen. Kritische Winzer oder Gegenströmungen werden ruhig gestellt, indem man sie im Ranking nach oben hievt. So kann keine Wertungsgerechtigkeit aufkommen. Das System muss demokratisiert werden.
4. Der Milliardenmarkt Wein wird nur von einer Handvoll Leuten kontrolliert.
Parker, Johnson, Gabriel, Robinson, Wine-Spectator und einige mehr bestimmen mit ihren Ratings, wer wo was und wie viel verdient. Zwar haben die meist honorigen internationalen und regionalen Bewerter viel zu einer positiven Entwicklung der Weinqualität beigetragen, doch lässt sich ermessen, wie reich die Weinwelt ohne die mächtigsten Tester aussehen würde, wenn man die Sortenvielfalt des neuen europäischen Ostens kennenlernt. Dort, wo sich noch kaum ein Tester hat sehen lassen.
5. Robert Parker ist der mächtigste Boss einer unwidersprochen agierenden Händlergemeinschaft.
Robert Parker bestimmt, wie 90% der Spitzenweine schmecken. Das ist ein unglaublicher Einfluss einer Einzelmeinung. Sein Freund Michel Rolland berät Weingüter, wie sie zu Parker-Punkten kommen. Das ist grenzwertig. Dennoch wird dieses System nicht in Frage gestellt, da auch kleine Weingüter und unbekanntere Weintester von Ruhm und Einfluss Robert Parkers profitieren. Dieses System muss hinterfragt und durchbrochen werden.
6. Die meisten Weinkellner und Journalisten sind ahnungslose Nachplapperer.
Nirgendwo machen sich so viele uniformierte Einzelmeinungen breit, wie im populären Weinjournalismus. Meist wird überhaupt nur bei Parker und Johnson abgeschrieben. Die Ausbildung der Sommeliers läuft nach den Regeln von Parker ab, die Ausbildung der Winzer inzwischen auch. Hier gilt es einzuhaken und gegenteilige Meinungen wieder populär zu machen. Das System braucht Opposition.
7. Seltene Weine und autochthone Reben gehen verloren.
Winzer, die sich dem Diktat nicht beugen, verkaufen gerade noch in ihrer Region. Exportieren ist für sie schwierig, da sie meistens keine ausreichende Bewertung erhalten. Viele Winzer werden gezwungen, geschmackskonforme Trauben anzubauen. Und die gefeierte Wiederentdeckung der autochthonen Traube wird zur Farce, da das System sie in die immer gleiche Bearbeitung zwängt. So siegt das System über die Vielfalt, indem es diese Vielfalt in ein Korsett schnürt.
8. Großartiges bleibt unentdeckt.
Der neue Osten und einige in sich abgeschlossene Regionen Frankreichs zeigen, wie belebend der Einfluss regionalen Weinbaus auf die gesamte Weinwirtschaft sein könnte. Warum geht beim Wein nicht, was bei Käse selbstverständlich ist? Doch schon steht die Industrie vor Ort und nimmt auch die Winzer kleiner Regionen unter ihre Fittiche. Dass diese Methode der Einverleibung nicht mehr funktioniert, zeigen die kleinen aber zunehmend prägnanten Absatzkrisen dieser Regionen.
9. Die Zeit der großen Weine (z. B. Petrus, Valandraud, alle Supertuscans) ist vorbei.
Nirgendwo sonst, hat man sich dem Coca-Cola-Konzept Robert Parkers so gebeugt, wie in der Toskana. Als Folge leidet man unter der größten Absatzkrise der letzten dreißig Jahre, da etwa 60 teure Weingüter stilistisch völlig gleiche Weine fertigen. Die gestiegene Exportquote kann den Verlust am regionalen und nationalen Markt nicht wettmachen. Die Zeit der Supertuscans ist vorbei, zumal sie sich geringer haltbar erweisen, als versprochen wurde. Ähnliches gilt auch für Garagenweine aus dem Bordeaux oder Ikonen wie Petrus, deren jüngere Flaschen ihren Wert nicht halten können. Das führt zu einer Verunsicherung der Weinspekulanten und betuchten Sammler, die nun ratlos Sicherheit suchen. Doch Sicherheit geben nur alte und gleichzeitig modern arbeitende Weingüter, deren Flaschenzahl begrenzt bleibt. Frische und spekulative Millionenwerte werden vernichtet, die Blase platzt.
10. Kleine, fantastische Winzer wollen entdeckt werden.
Eine neue und aufregende Qualität könnte ein System generieren, das Vielfalt vor Einfalt setzt, das Winzer präferiert, die im Verborgenen längst die Weine der Zukunft keltern. Der Captain ist aufgebrochen, diese Qualität zu suchen, diese Winzer vor den Vorhang zu bitten.








