Man sieht die Stadt nicht. Auch sieht man keine anderen Gebäude, keinen Strommast, kein Zeichen menschlicher Zivilisation. Nur Bäume und Wiesen. Der Tulbingerkogel, knapp 15 Kilometer von der Wiener Stadtgrenze entfernt, liegt in einer grünen Idylle im Wienerwald.
Hier gibt es seit siebzig Jahren ein Hotel, das von der Familie Bläuel geführt wird und vor ein paar Jahren grundlegend modernisiert wurde. Nur der Küchenstil wurde beibehalten: Moderne Klassik, also Austern, Gänseleber, Filetsteak in Pfeffersauce, Hirschrücken mit Linsen und Preiselbeeren. Vielleicht nicht ganz so langweilig wie es klingt. Und sicher nur mit besten Zutaten gemacht, wir sind ja in Österreich, dem selbsternannten Feinkostladen Europas (Haha).
Man kann hier gut essen und ruhig schlafen, man kann hier aber auch alte Weine zu unglaublichen Preisen trinken. Frank Bläuel hat diese Weine, Bordeaux, Burgung, Kalifornien, Piemont und Toskana, vor Jahren eingekauft und die Preise nur moderat erhöht. Viele dieser alten Flaschen kosten jetzt um die hundert Euro.

Und man erfährt hier einiges. Man erfährt, dass ein Wein vor allem lange ruhig und bei stabiler Temperatur liegen muss, wenn er fehlerfrei altern will. Man erfährt, dass auch mittelmässige Jahre wie 1978 und 1979 schön trinkbare Weine hervorgebracht haben, wenn man sie nur ausreichend reifen ließ. Und mann erfährt, was der Welt mit dieser Kultur des schnellen Vernichtens abhanden kam.
St Julien und St Emilion zu Spitzenpreisen
Der Chateau Beychevelle 1979 beispielsweise. Er hatte keine hohe Beurteilung als er auf den Markt kam und entpuppt sich nun als kräftiger, in seinem Inneren noch stabiler Bordeaux von altem Charakter, also noch von alten Önologen gemacht, die sich nicht von Weinpäpsten wie Robert Parker beeinflussen ließen. Damals haben sie Langstreckenläufer abgefüllt, man muss abwarten, ob hochgelobte Jahrgänge wie 2000 so lange durchhalten wie dieser 79er.
Oder der 83er Figeac. Er stand im Schatten des fantastischen Jahres 1982. Nun, sechsundzwanzig Jahre danach, liegt er freilich immer noch hinter den eleganten und wuchtigen 82ern, hat aber erfreulich aufgeholt. Er duftet nach Tabak, schmeckt nach Johannisbeere und hat eine feste Struktur, die ihm noch einige Jahre Leben gibt.
Wichtig ist, dass man diese Weine keiner kulturellen Prozedur aussetzt und sie zum Essen trinkt. So wie es früher war. Also ja nicht dekantieren, der viele Sauerstoff kann den Wein destabilisieren, den Weinsatz lässt man eben in der Flasche stehen. Und: Diese alten Weine eignen sich nicht zum "schönen" Trinken, sie sollten innerhalb einer Stunde getrunken sein. Denn dann folgt der schnelle Tod, was eben noch so super schmeckte, ist nun ein fader Saft. Es war ein letztes Leuchten.
Restaurant Tulbingerkogel zwischen € 40 und € 70 p.P. (3 Gänge), ohne Getränke.







Abstauben, aber nicht dekantieren 



na da muss ich doch dann direkt mal hin.