Krise ist, da rotieren die Meinungshändler. Der orientierungslose Politiker, die verstörte Wirtschaftselite, die schwankende Bevölkerung (Ist Demokratie jetzt gut, oder schlecht?). Alle müssen mit Material zur Krise versorgt werden. Denn die Meinungshändler wollen ja in keine Krise schlittern. Wir gönnen ihnen das Zubrot, denn irgendwer muss ja noch in die guten Restaurants gehen. Und dort die guten Weine trinken. Die Meinungshändler können sich das noch leisten (und mit ihnen auch noch der ganze geschützte Sektor, aber das ist ein anderes Thema).
Also hat sich die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg dazu aufgerafft, eine gesamteuropäische Konsumverhaltensuntersuchung zu komplettieren. Wo sparen Sie in der Krise, Frau und Herr Mustermann?
Was kam bei raus? Der kulturpessimistische Leser dieser Seite hat es sowieso gleich gewusst. So wie der Captain auch. Gespart wird bei Essen und Trinken. 43,5 % der Österreicher, 47,4 % der Deutschen und sogar 50 % der Holländer (das war klar), sparen in der Krise bei Essen und Trinken. Nicht gespart wird beim Heizen (wer will schon frieren?). Und beim Auto. Die übliche Geschichte: Nur das beste Motoröl, nur der billigste Wein. Eine Konsumkultur, der sich Italiener, Franzosen und Spanier seit jeher verweigern.
Vor allem spart der Konsument, der schon bei Essen und Trinken spart. Vor allem spart dieser Konsument bei seinen Restaurantbesuchen. Und wenn er überhaupt noch in das Restaurant geht, dann spart er dort beim Wein. Also dort, wo der Gastronom noch etwas verdienen kann. Sagt der Gastronom. Stimmt das?
Trinken zahlt sich aus
Ja und nein. Tatsache ist, dass viele gastronomische Betriebe vor allem bei den Getränken verdienen. Beim Wein, mehr noch bei Cocktails. Tatsache auch, dass gastronomische Dauerbrenner, wie etwa das Borchardt in Berlin, oder die Sansibar auf Sylt, selbstredend auch am Essen verdienen. Hier macht es die Masse. Wer ein solches Lokal sein eigen nennt, hat Kalkulations- und Ausweichmöglichkeiten. Er kann steuern.
Nicht steuern kann der Gastronom, wenn er - wie z.B. in Berlin oft der Fall - ein recht gutes Menü um etwa 28 Euro anbietet. Mit der Verwendung erstklassiger Zutaten und den anfallenden Lohnkosten, muss er etwa 40 Menüs verkaufen, um halbwegs kostendeckend zu arbeiten. Und selbst das kommt nicht hin. Also verdient er am Bier, am Wein, am Sherry, am Schnaps. Und verdient er daran nichts mehr, dann geht er pleite. Deswegen trinkt der Captain in Restaurants immer mehr, als er isst. Und deswegen ist er ein gern gesehener Gast.
Dennoch ist das Trinken in Deutschland zu teuer. Der Captain fordert folglich erneut die Einführung der italienischen Kalkulation und der italienischen Restaurantkultur, die weltweit als vorblidlich gelten darf. Zutaten nur aus der Region (keine langen Wege), Trinken meist ebenso. Dann beim Essen mit den Preisen um etwa 15 % rauf. Und beim Trinken um 50 % runter. Der Captain ist sicher: Dann brummt die Hütte.
Die Wut gärt
Die Wut der Konsumenten gärt, das beweist vor allem das Forum der österreichischen Tageszeitung "Der Standard", wo man sich sei Jahren - und im deutschsprachigen Raum einzigartig ungehemmt - austoben darf. Hier einige Zitate aus der aktuellen Diskussion:
"Ich bin z.B. nicht bereit bei einem Pseudoitaliener € 4,50 für ein 1/8 Chianti Classico zu bezahlen, zumal ich das Weingut persönlich kenne (und schätze) und dort schon mehrmals eingekauft habe zum Flaschenpreis von € 8,90."
"Der Wareneinsatz ist besonders bei "Italienern" im Pasta- und Pizzabereich oft sehr bescheiden. Kalkulieren Sie mal "Spaghetti all aglio olio peperoncini" und zeigen Sie mir, auf welche Werte Sie beim Wareneinsatz kommen. 
Beim Wein ist es ähnlich, so schlimm , daß von der Toskana bis Sizilien die Trauben am Stock bleiben, weil die Lese mehr kostet als der Traubenpreis einspielt. Dadurch sinken die Preise ab Faß extrem. In der Gastronomie werden diese Entwicklungen voll ignoriert."
"Andererseits sind in der mittleren Gastronomie die Preise seit Euro-Einführung um rund 50 %, also deutlich über Inflation, Konsumentenpreis- oder Lohnindex gestiegen, in der gehobenen (Hauben & Sterne) sogar um 70-150 %. Früher waren ATS 1000 (DM 130) das Ultima Thule für ein Menü, heute gern und locker 130-150 Euro (und nicht nur in Wien). Einzig die Mieten sind stärker gestiegen..."
" in österreich und Deutschland wird beim Wein mindestens mit dem Faktor 4 kalkuliert. In Italien vielleicht mit 2,5-3. Es ist aber bekannt, dass die Gastronomie vor allem mit den Getränken verdient. Allerdings kann man in Italien auch für wenig Geld hervorragend essen. Es kann aber schnell - wie auch in Fr. - sehr teuer werden (dafür auch sehr gut)."
"Ich habe keine Lust mehr, wie in manchen Weinbars üblich, für 1/16tel Durchschnittswein 3 Euro aufwärts zu zahlen."
Lesen Sie dazu auch: Die Krise ändert nichts an der neuen Stellung von Essen und Trinken und Fünf Thesen zum Weinbau, ein wild diskutierter Artikel des Captain mit viel Potential für Widerspruch.







Das "Achterl" ist einfach zu teuer. Der Konsum muss stagnieren 





spare beim essen, weil in den magen kann dir keiner reinschauen. #verwandtenkommentare