Mario Scheuermann ist ein umstrittener, aber sehr bekannter Weinblogger (Drinktank), ein Journalist der alten Schule. In einer Art Thesenaufzählung (Thesen, die er Trends nennt) versucht er einen Ausblick auf das kommende Jahrzehnt. Das bleibt etwas an der Oberfläche. Der Captain fordert einen Nachschlag, denn kein Jahrzehnt wird für den Weinbau so viele Veränderungen bringen, wie dieses.
Hier die Thesen von Scheuermann. Und die Meinung des Captain:
Trend 1: Wein wandert weiter nord- und südwärts. Klassische Regionen werden ihren Charakter verändern.
Das ist anzunehmen. Der Klimawandel trompetet sein Kommen. Doch der Captain macht selber Wein in der Toskana und kann manche Prognose für die dortige Region nicht nachvollziehen. Zwar kann er sich (wie auch viele französische Winzer) vom Merlot demnächst verabschieden (zu viel Alkohol), doch geraten andere Sorten geradezu vorzüglich (Cabernet Franc). Auch wird das Klima nicht unerträglich heiß, eher steigen die Extremwetterlagen. So hat es 2009 das zweite Jahr in Folge in Bolgheri gehagelt. An Derartiges kann sich keiner der Winzer hier erinnern.
Und es bleibt auch fraglich, ob sich durch das veränderte Klima schon neue, gute Weinregionen auftun. Viele der Böden im Norden habe eine andere Qualität. Der Captain würde diese These (denn ein Trend ist nicht zu sehen) mit Vorsicht weitertrtagen.
Trend 2: Wein wird weiblicher und asiatischer.
Was soll das heißen? Dass mehr Frauen Wein trinken werden? Nun, das glaubt der Captain nur bedingt. Wahr ist aber, dass viele neuen Produkte der Weinindustrie femininer gestaltet werden, weil man die Frau als Konsumfaktor (zwanzig Jahre zu spät) entdeckt hat. Große Weine (wie der M. von Mondavi z.B.) bleiben weiterhin männlich.
Asiatisch? Das kann nur bedeuten, dass Weine für die asiatischen Märkte getrimmt werden. Da ist der Captain skeptisch, denn die aufstrebenden asiatische Märkte wollen eventuell bewusst europäische Produkte, weil das Europäische das kulturell hochwertige Fremde darstellt. Aber die chinesische Immobilienblase wird das sowieso alles platzen lassen. 2012.
Trend 3: Noch mehr neue interessante Länder werden auf der Welt-Weinkarte auftauchen z.B. Brasilien, China, Indien.
Nein. Schlicht und einfach nein. Eventuell kommt etwas Interessantes aus Brasilien. Aber wen interessiert das? Weinbau ist europäisch. So wie Autobau deutsch ist. Alles Interessante bleibt europäisch (beim Autobau ist der Captain nicht sicher).
Trend 4: Spitzenweine aus Bordeaux aber auch aus anderen Appellationen werden für Normalverbraucher vollends unerschwinglich.
Auch das glaubt der Captain nicht. Er denkt, dass die Korrektur der "emerging Markets" einiges an gedrucktem Geld vernichten wird. Wahr ist aber, dass es bleibend mehr Reiche auf der Welt geben wird.
Trend 5: Wein wird an der Basis noch mehr zum global genormten Lifestyle-Getränk in Bags & Boxes.
So wird es wohl kommen.
Trend 6: Gleichzeitig wird die Regionalität wieder an Bedeutung gewinnen. Man wird nicht mehr jeden Wein überall bekommen.
So wird es wohl auch kommen, schon alleine wegen der höheren CO2-Steuern, die ab 2015 (nach dem zweiten Crash der Weltwirtschaft und dem Platzen der asiatischen Blase) auf uns zukommen werden.
Trend 7: Mehr Nischen - Nachhaltigkeit, Öko und Biodynamisch für LOHAS (Lifestyle auf der Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit), Icons für Milliardäre.
Die Icons sind schon da, da wird sich nicht mehr viel tun. Und die Gesellschaft wird in fünf Jahren schon nicht mehr so aussehen, wie heute. Das wird auch den Weinkonsum beeinflussen.
Trend 8: die Rhône Sorten werden sich weltweit noch stärker und erfolgreicher ausbreiten als bisher.
Wegen des Klimawandels? Oder warum? Darüber hätte der Captain gerne mehr erfahren.
Trend 9: Riesling war kein Trend, ist kein Trend und wird als künftiger Trend am Klimawandel scheitern.
Stimmt wohl. Aber Riesling ist ein Trend in Deutschland. Und wird es bleiben. Deutscher Riesling wird zudem in Österreich immer erfolgreicher, das alleine beschreibt schon das Wunder.
Trend 10: Weingenuss wird weniger zeremoniell, weniger kulturell überfrachtet genossen, sondern mit mehr Spass an der Freud.
Ja. Und das ist gut so. Sehr gut.







Noch mehr Wein? Aber für wen? 





ich finde Scheuermanns Thesen nur oberflächlich und die Antworten ebenso. Wenn man hier eine Diskussion eröffnen will, dann bitte mit fähigem Personal. Schönen Sonntag noch.