Ein geologischer Kongress brachte es an den Tag. Nichts ist wahr am wilden Weingefasel über den Boden, seine Mineralien, seine Salze und dass man Wein an seinem Terroir erkennen könne. Alles Humbug. Sagen die Geologen.
Das hätte der Captain den Wissenschaftlern gleich sagen können, denn vor Jahren wurde in Deutschland, in Franken, ein Experiment durchgeführt, das diesen Beweis lange vor den amerikanischen Geologen erbrachte. In einer Versuchsanlage wurden mehrere Rebstöcke einer Sorte (der Captain erinnert sich an Riesling) auf verschiedenen Böden angepflanzt. Der daraus gekelterte Wein konnte von Weinexperten bei Blindproben nicht unterscheiden werden. Egal, auf welchen Boden er wuchs. Schiefer, Kalk, Kiesel, Urgestein, Ton, Mergel: alles gleich.
Die Winzer, die von dieser Studie erfuhren, haben das freilich nicht groß herausposaunt. Es hätte viele Fragen aufgeworfen.
Natürlich verwirrt das diejenigen, die sich einbilden, eine Region, einen lokalen Weingarten, erkennen zu können. Und es heißt auch, dass sich tausende deutsche Rieslingwinzer ihr Geschwätz von der Mineralität sonstwohin stecken können. Aber heißt es das wirklich?
Denn auch der Captain bildet sich ein, einen Wein einer Region zuordnen zu können. Bordeaux zum Beispiel. Und dort vor allem St. Estephe und St. Julien. Weniger an den Trauben der Cuveé, mehr noch am Charakter des Weins, den der Captain selbstredend dem Boden zuschlägt.
Also steckt nicht nur der Captain in einem Dilemma, verweist die Studie doch alle, die sich das einbilden, in das Reich der Phantasten. Alle im Wunderland.
Doch der intelligente und umfassend gebildete, mitunter leider etwas wütend oberlehrerhafte Weinblogger Eckhard Supp gibt dem Captain eine gute Erklärung für seine Einbildung. Terroir ist eben nicht nur der Boden auf dem der Wein wächst.
Terroir, so Supp vom Captain etwas grob zusammengefasst, ist, da zitiert Supp selbst aus einem französischen Weinmagazin, „die Summe der natürlichen und kulturellen Parameter, die die geschmackliche Identität eines Produkts ausmachen ... Es beinhaltet nicht nur geographische, geologische, vegetative und klimatische Aspekte, sondern wird auch von der Art bestimmt, wie der Mensch seine Umgebung wahrnimmt, im Gedächtnis speichert und von Generation zu Generation weitergibt."
Das kling poetisch und ist es auch. Doch mit dieser Poesie begeben sich alle, die dieser Poesie folgen in das Reich der Kreationisten, der Hineinfantasierer. Es ist der alte Kampf von bewiesenen Wissen gegen geahntes Wissen. Und es wundert den Captain, hier auf einmal auf der anderen Seite zu stehen.
Doch er tut das gerne. Gerne wird der Captain auch weiterhin von Terroir schwafeln. Und dass er dieses Terroir, wie auch immer, wahrnimmt. Und er wird nicht der Einzige sein, denn der Captain kennt ein paar Menschen mehr, die das ebenso begreifen.
Zum ausführlichen Text von Eckhard Supp geht es hier.
Und hier noch ein Artikel von Michael Liebert zum Thema.
Und trotz allem bildet sich der Captain weiterhin ein, Schieferböden schmecken zu können. Jaja, er weiß, es gibt keinen Gott.







So viel Terroir. Auch des Captains Önologe greift sich auf den Kopf 



Ganz so poetisch ist die Meinung von Hr. Supp gar nicht. Immerhin sieht es der EU-Gesetzgeber (nicht unbedingt für Phantasie und Poesie bekannt) bzgl des Schutzes von Lebensmitteln (in der zitierten VO nicht Wein) aus einer bestimmten geographischen Gegend durchaus ähnlich.
... "Ursprungsbezeichnung" iSd der EG Verordnung VO 510/2006 EG (VO zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen von Lebensmitteln bezeichnen den Namen einer Gegend, oder…, der zur Bezeichnung eines …Lebensmittels dient, das aus dieser Gegend, … Land stammt, das seine Güte oder Eigenschaften überwiegend oder ausschließlich den geografischen Verhältnissen einschließlich der natürlichen und menschlichen Einflüsse verdankt und das in dem abgegrenzten geografischen Gebiet erzeugt, verarbeitet und hergestellt wurde....
Auf die Wahrnehmung der Umgebung durch den Menschen bezieht sich das wohl nicht, sicher aber auf Traditionen von Anbau und Herstellung, die an die nächsten Generationen weitergegeben werden.