Die Weintrinker sind auf der Suche nach Authentizität. Früher war das den Weintrinkern herzlich egal, da wollten sie unkomplizierte Weine zum Essen trinken, oder einen Markenwein zu einem besonderen Anlass. Dann aber mit all dem dazugehörigen Brimborium. Früher war der Weintrinker einfach einzuordnen: er trank alltäglich einen regionalen oder nationalen Tropfen und an Festtagen auch mal einen Franzosen oder Italiener. Das wurde auch so gesagt: "Heute trinken wir einen Franzosen".
Die Weinindustrie und die Genossenschaften hatten es leicht, ihre Klienten zu befriedigen, die verlangten nur wenig Information. Heute ist das anders, heute trinkt man keinen "Franzosen" mehr, sondern einen "Bordeaux" oder einen "Cotés du Rhone". Diese Regionen kennt sogar schon der Aldi-Kunde.
Doch nach Traube und Region ist seit geraumer Zeit auch das Terroir gefragt. Beim Kauf eines Weines in der Gourmetabteilung von Kaufhof kann es passieren, dass der Verkäufer sagt: "Dieser Wein kommt von der Mosel, er wächst auf Schieferböden mit einem Einschlag von Muschelkalk." Das klingt gut. Doch was heißt das?
Schiefer schmeckt nicht nach Schiefer, Lehm nicht nach Lehm
Der Laie glaubt nun, dass alle Weine ähnlich schmecken, die auf Schiefer wachsen. Das tun sie aber nicht. Schon an der Mosel schmeckt ein Wein, der auf gleicher Erde vom gleichen Winzer angebaut wurde, ein paar hundert Meter weiter oft völlig unterschiedlich. Und: er schmeckt nicht nach Schiefer. Weine, die auf Lehmboden wachsen, schmecken auch nicht nach Lehm. Nur geübte Verkoster erkennen anhand der Säure und der fehlenden Mineralität, dass es sich um Lehmboden handeln muss.
Terroir ist nicht nur ein Begriff für den Boden und seine Beschaffung, Terroir bedeutet auch die Wahl der Reben und das Klima der Region. Und all das macht einen Bordeaux zum typischen Bordeaux. Und es macht, dass die vielen unterschiedlichen Bordeaux einen charakteristischen Geruch und Geschmack haben, den auch der Laie schnell wiedererkennt.
Terroir bedeutet auch, dass ein Merlot am rechten Ufer der Gironde (Kalkplateau mit Kies und Lehm) gemeinhin bessere Bedingungen vorfindet, als am linken Ufer (ebenfalls Kalkplateau mit Sand und Kies), wo mehr Cabernet wächst. Trotzdem reift auch am linken Ufer Merlot. Und zwar nur dort, wo die Winzer es für mikroklimatisch und mineralisch wertvoll halten. Denn wenige Kilometer weiter könnte ein anderer Boden und eine andere Feuchtigkeit den Merlot wie einen Tomatensaft schmecken lassen. Der gute Weinmacher weiß, dass es genau auf diese Details ankommt.
Terroir-Terror der Halbwisser
Der Kaufhof-Verkäufer aber überfordert seine Kunden mit dem neuerdings allgegenwärtigen Terroir-Spruch. "Dieser Wein wächst auf Schieferboden" ist keine Aussage von großem Wert, da schon der nächste Schieferboden-Wein nicht so schmecken wird wie dieser.
So wird die Terroir-Angabe oft Teil des so genannten Weingeschwätz, das den Wein wichtig und kompliziert erscheinen lassen soll. Doch wenn schon über Wein reden, dann präzise. Beim Moselriesling reicht, dass man dem Konsumenten sagt, dass dieser Wein fruchtig und süffig ist, eine geschliffene und stahlige Säure sein Eigen nennt, meist animierend nach Zitrusfrüchten schmeckt und etwas Restzucker hat, der in einen Moselriesling gehört, wie die das Mousseux zum Champagner. Das ist mehr als genug. Schluss mit dem Terroir-Tamtam.







Alles ist Terroir: der Boden, die Rebe, das Klima, die Menschen 







Leute, das ist eine runde Sache, was Ihr da macht! Nur das Marker-Gelb gehört in ein Beiboot ohne Ruder gesetzt.
Hail the captain!
Grüße aus Wien
egmac