Der Captain kann sich gut erinnern: 1994 trank er an die hundert Flaschen (übers Jahr freilich) eines einfachen Bordeaux Supérieur aus dem Jahre 1990. Der war dicht, vollmundig, trinkreif und lecker. Und kostete nichts. Knapp acht Mark. Chateau wasweißich, der Captain hat den Namen vergessen.
Der Captain hat den Namen vergessen, weil der Jahrgang 1991 vom gleichen Wein schrecklich schmeckte. Kein Wunder, 1991 war ein fürchterlich schlechtes Jahr im Bordeaux. Aber auch der 1993 war - zwei Jahre später - kein guter Wein. Und auch der 95er nicht. Danach hat der Captain den Wein nicht mehr angerührt.
Was der Captain damals auch getrunken hat, waren 1991 Léoville-las-Cases und 1993 Montrose. Und obwohl diese Jahre eigentlich miese Weinjahre waren (vor allem 1991), schmeckten die teuren Bordeaux (damals noch erschwinglich) erheblich besser, als der billige Supérieur.
Das lag am Jahr. Und an den Produzenten. Der 90er Supérieur konnte von reifen und fruchtvollen Trauben eines perfekten Jahres gekeltert werden. Das Traubenmaterial für die 91er und 93er war bei weitem nicht so gut. Und daher brauchte es die Kenntnisse erfahrener Önologen, die man bei Leoville und Montrose eher findet, als bei Chateau Scheißderhunddrauf. Trotzdem: der 1990er von Scheißderhunddrauf bleibt unvergessen.
1990 war ein tolles Jahr. Alles konnte man trinken, alles (bis auf wenige Ausnahmen) empfehlen. Bordeaux: groß. Burgund: groß, Toskana: groß, Spanien: sehr gut, Piemont: groß, Österreich rot: sehr gut. Wunderbar. Selbst die Sauternes (Wahnsinn: Chateau Suduriaut).
Auf so ein Jahr hat man lange warten müssen. Und muss man seither lange warten. Nie wieder kam ein Jahrgang, der in allen Weinbaugebieten (vor allem in jenen mit viel Rotwein) das gleiche, perfekte Ergebnis brachte. Dieses Jahr, so wagt der Captain eine Prognose, könnte es wieder klappen.
Denn aus dem Bordeaux kommen gute Meldungen. Manche Chateaus, wie etwa Haut Brion, haben mit der Ernte bereits begonnen. Tage zu früh, die Klimaerwärmung lässt grüßen. Aus dem Burgund hört man ähnliches. Doch die komplizierte Traube Pinot Noir braucht noch etwas Zeit - man fürchtet sich vor Regen. Wenn keiner kommt, wird die Ernte sensationell.
Jubel auch an der Rhone, ein Jahrhunderjahrgang vor seiner Finalisierung. Jubel im Piemont und in der Toskana: 2009 könnte ein Meilenstein werden. Und auch das letzte gemeinsame Jahr eines weltweit guten Weines. Denn die Klimaveränderung wird so etwas in Zukunft unmöglich machen.
Spanien freut sich, denn dort hat es zur Abwechslung auch mal geregnet. Das hat den Rebstöcken gut getan. Deutschland freut sich, weiß wie rot steht Großes bevor. Trotz der Kälte in Juni und Juli, die Menge gekostet hat, aber der Qualität kaum schaden konnte. Und auch Österreichs Winzer hegen große Erwartungen. Vorfreude, fast überall.
Jetzt darf es nur noch wenig regnen. Und der Regen muss schnell trocknen. Kalte Nächte sind auch kein Problem. Zu 90 %, hört der Captain bei seinen Landgängen, ist das Rennen gelaufen. Gut gelaufen.
Für den Konsumenten bedeutet dies, dass er sich bald mit einem perfekten Jahrgang eindecken kann. Und die namhaften Weine nach den ersten Wertungen nächstes Jahr so schnell wie möglich vorbestellen (subskribieren) sollte. Und dass er schon im nächsten Sommer auf sehr gute Weißweine zugreifen kann. Und ein Jahr drauf auf die ersten Rotweine dieses wahrscheinlich besonderen Jahres. Und er wird beim 2009er nicht auf Region und Land achten müssen, er wird achtlos kaufen dürfen. Einmal im Leben. Der Captain rät, sich später an dieses Jahr zu erinnern. 2009, als alles gut ging. Daumen halten, dass es so kommt.







Der fröhliche Winzer. Hier Christoph Körner vom Weingut Dürnberg 



und wie wird sich das auf den Preis auswirken?