10.09.09 WEINWISSEN 12 Einem Freund senden

Super Weine 2009: das neue 1990?

Der fröhliche Winzer. Hier Christoph Körner vom Weingut Dürnberg Der fröhliche Winzer. Hier Christoph Körner vom Weingut Dürnberg

Der Captain kann sich gut erinnern: 1994 trank er an die hundert Flaschen (übers Jahr freilich) eines einfachen Bordeaux Supérieur aus dem Jahre 1990. Der war dicht, vollmundig, trinkreif und lecker. Und kostete nichts. Knapp acht Mark. Chateau wasweißich, der Captain hat den Namen vergessen.

Der Captain hat den Namen vergessen, weil der Jahrgang 1991 vom gleichen Wein schrecklich schmeckte. Kein Wunder, 1991 war ein fürchterlich schlechtes Jahr im Bordeaux. Aber auch der 1993 war - zwei Jahre später - kein guter Wein. Und auch der 95er nicht. Danach hat der Captain den Wein nicht mehr angerührt.

Was der Captain damals auch getrunken hat, waren 1991 Léoville-las-Cases und 1993 Montrose. Und obwohl diese Jahre eigentlich miese Weinjahre waren (vor allem 1991), schmeckten die teuren Bordeaux (damals noch erschwinglich) erheblich besser, als der billige Supérieur.

Das lag am Jahr. Und an den Produzenten. Der 90er Supérieur konnte von reifen und fruchtvollen Trauben eines perfekten Jahres gekeltert werden. Das Traubenmaterial für die 91er und 93er war bei weitem nicht so gut. Und daher brauchte es die Kenntnisse erfahrener Önologen, die man bei Leoville und Montrose eher findet, als bei Chateau Scheißderhunddrauf. Trotzdem: der 1990er von Scheißderhunddrauf bleibt unvergessen.

1990 war ein tolles Jahr. Alles konnte man trinken, alles (bis auf wenige Ausnahmen) empfehlen. Bordeaux: groß. Burgund: groß, Toskana: groß, Spanien: sehr gut, Piemont: groß, Österreich rot: sehr gut. Wunderbar. Selbst die Sauternes (Wahnsinn: Chateau Suduriaut).

Auf so ein Jahr hat man lange warten müssen. Und muss man seither lange warten. Nie wieder kam ein Jahrgang, der in allen Weinbaugebieten (vor allem in jenen mit viel Rotwein) das gleiche, perfekte Ergebnis brachte. Dieses Jahr, so wagt der Captain eine Prognose, könnte es wieder klappen.

Denn aus dem Bordeaux kommen gute Meldungen. Manche Chateaus, wie etwa Haut Brion, haben mit der Ernte bereits begonnen. Tage zu früh, die Klimaerwärmung lässt grüßen. Aus dem Burgund hört man ähnliches. Doch die komplizierte Traube Pinot Noir braucht noch etwas Zeit - man fürchtet sich vor Regen. Wenn keiner kommt, wird die Ernte sensationell.

Jubel auch an der Rhone, ein Jahrhunderjahrgang vor seiner Finalisierung. Jubel im Piemont und in der Toskana: 2009 könnte ein Meilenstein werden. Und auch das letzte gemeinsame Jahr eines weltweit guten Weines. Denn die Klimaveränderung wird so etwas in Zukunft unmöglich machen.

Spanien freut sich, denn dort hat es zur Abwechslung auch mal geregnet. Das hat den Rebstöcken gut getan. Deutschland freut sich, weiß wie rot steht Großes bevor. Trotz der Kälte in Juni und Juli, die Menge gekostet hat, aber der Qualität kaum schaden konnte. Und auch Österreichs Winzer hegen große Erwartungen. Vorfreude, fast überall.

Jetzt darf es nur noch wenig regnen. Und der Regen muss schnell trocknen. Kalte Nächte sind auch kein Problem. Zu 90 %, hört der Captain bei seinen Landgängen, ist das Rennen gelaufen. Gut gelaufen.

Für den Konsumenten bedeutet dies, dass er sich bald mit einem perfekten Jahrgang eindecken kann. Und die namhaften Weine nach den ersten Wertungen nächstes Jahr so schnell wie möglich vorbestellen (subskribieren) sollte. Und dass er schon im nächsten Sommer auf sehr gute Weißweine zugreifen kann. Und ein Jahr drauf auf die ersten Rotweine dieses wahrscheinlich besonderen Jahres. Und er wird beim 2009er nicht auf Region und Land achten müssen, er wird achtlos kaufen dürfen. Einmal im Leben. Der Captain rät, sich später an dieses Jahr zu erinnern. 2009, als alles gut ging. Daumen halten, dass es so kommt.

 



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Kommentare 12

Kommentare

Thomas Faschingeder

und wie wird sich das auf den Preis auswirken?

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Der Captain

Gute Frage, leichte Antwort:

+) Szenario 1: Die Krise ist vorbei. Dann werden die Preise moderat steigen. Danach sieht es aber nicht aus. Zudem liegen im Bordeaux noch viele Weine vom hochgelobten Jahrgang 2005 herum, da hat man auch eine Hochpreispolitik gefahren. Und ist gescheitert.

+) Szenario 2: Die ökonomische Krise hält an. Dann werden die weine eventuell sogar billiger werden.

Generell: Rare weine und Weine mit begrenzten Stückzahlen werden in guten Jahren immer teuer sein, sie steigern ihren Wert ja automatisch und sind gute Anlageobjekte. Besser als Aktien allemal..

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pivu unsicher, dennoch hoffnungsvoll

Für Ö weiß bin ich nicht so optimistisch: klar hofft man aufgrund des Reifevorsprungs vor allem in der Wachau, dass es nicht wieder den Lesestress der vergangenen 2 Jahre gibt, als die unverdrossenen Erntehelfer bis tief in den November und Dezember in Winterkleidung ausrückten. Aber das würde auch auf einen säurearmen und alkoholischen Jahrgang ohne Spiel, ausgeprägte Aromatik und große Mineralität hinauslaufen.

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Tiefgaragenwinzer

nur der wiener nußberg, den hats arg erwischt. alles verhagelt. kein 2009er...

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Der Captain

selbstverständlich gilt das für alle total- und teilausfälle dieses jahres, auch jene in der steiermark, im friaul, etc.. ich verweise hier auf die artikel über das hageljahr 2009 und die klimaveränderung..

zb:

http://www.captaincork.com/Hagel-2009-Juli

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Der Captain

kann sein, dass es sich in der wachau "nur" für einen guten jahrgang ausgeht, im burgenland schaut es da, meiner info nach, besser aus..

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Gast kritisch

Ich sehe diese Seite nach wie vor kritisch. Dieser Artikel beruht auf Hörensagen und Annhamen und nicht auf Tatsachen (die man erst in zwei Moanaten weiß). Das Antinori-Interview ist freundliche Propaganda. Das ist kein Journalismus, sondern, wie heute üblich, inhaltsleere Schönheit. Sieht gut aus und nichts dahinter.

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Mister Spuck ... verteidigt

Ganz im Gegenteil. Dieser Artikel beruht auf jahrelanger Erfahrung, die zu Prognosen befähigt. Insofern ist das genau der Journalismus, der gebraucht wird. Etwas beschreiben, was bereits passiert ist, kann jeder Anfänger. Bei Antinori kann ich keine Propaganda erkennen, der Mann ist ein Weltstar. Im übrigen ist inhaltsleere Schönheit keine neue Erscheinung. Querulanten ebenso nicht.

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Dorli Muhr ...hoffnungsvoll

Hi!
Just wanted to let you know, that we have just picked the white grapes 2009, and that they are fantastic.

The Grüner Veltliner is not green, but golden and very, very aromatic. The great thing is the acidity. Very clear, focussed and brilliant.

Craig Hawkins has arrived from South Africa again to help for the harvest, which is great. As you can see on the picture, he always knows an even softer way to process the grapes.

We have bottled the 2008 white „Prellenkirchen“ two weeks ago and I am very, very proud with that wine, but it is only 2.000 bottles…

The blue grapes are still enjoying the autumn sun, the weather seems to stay just wonderful, with up to 25 degrees during the day and very cool nights. Everything looks extremely promissing… lets cross the fingers!

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Erster Offizier

We can english here an Bord. Thank Gott we had some education..

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Alois Gutenbrunner

Frau Muhr, wir wissen, Sie sind multilingual. Aber hier könnens auch Deutsch reden.

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ardbeg

Bin durch den Novello-Artikel nochmal hierher geraten und glaube, daß es zwei Monate später schon ganz anders aussieht mit den Jubelparolen. In einigen Kellern hab ich schon lange Gesichter gesehen, weil die Entwicklung letzendlich dann doch nicht so doll war, wie alle im Sommer geglaubt haben.

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