"Super-Schoppen-Shopper" heißt das Buch von Cordula Eich. Und es stellt die angesprochene Klientel, die vorgesehene Käuferschicht, gleich vor gigantische Probleme. Denn die kann den Satz nicht entziffern. "Wat denn, dat denn?"
Besser wäre gewesen, Frau Eich hätte ihr Buch, "1.000 billige Weine im Supermarkt" genannt. Das versteht jeder. Oder: "Wein-Schnäppchen-billiger-billiger!!!!". Das kapiert man auch in Hartz-Vier-Land. Man verzeihe dem Captain seine Armutsfalle und die unangebrachte Polemik.
Nein, es ist nichts dagegen einzuwenden, dass Discounter billige Weine verkaufen. Meist sind es gerade annehmbare Weine, eher sind es jedoch ungenießbare Plörren. Gibt es Ausnahmen? Na klar.
Stimmt schon: alles ist besser geworden, auch die Massenproduktion. Stimmt weiters: Aldi und Co verkaufen immer öfter Weine von namhaften Weinproduzenten. Denn auch die haben Überproduktionen. Oder können aus Zukäufen einen anständigen Massenwein keltern. Warum soll die Infrastruktur nutzlos herumstehen?
Stimmt zudem: Was soll mit der gigantischen Überproduktion geschehen, mit dem Weinsee, der in Europas Tankkellern schwappt? Vernichten? Warum? Man kann das trinken. Sollte man das? Vielleicht doch nicht.
Das Buch "Super-Schoppen-Shopper" (Deutschlands umfassender Supermarkt-Weinführer 2010) bestätigt jedoch nur die übliche Skepsis der Konsumenten, ständig von geldgierigen Winzern betrogen zu werden. Ein Wein für zehn Euro? Ich bin ja kein Blödmann!! Schnäppchen, Schnäppchen, billiger, billiger. Geht ja, oder?
Nicht, dass alle Weine in diesem Weinführer schlechte Weine wären; es sind sogar ein paar wirklich gute Weine darunter, wie etwa der Riesling feinherb 2008 von Matthias Meierer (Mosel) bei Penny (3,99 Euro), der sehr gute Classic-Riesling 2007 von Kloster Eberbach (Rheingau) bei Tengelmann oder Kaiser´s (5,99 Euro), der Weißburgunder 2008 von Vollmer (Pfalz), ebenda (4,99 Euro), der Müller Thurgau 2008 der "Jungen Franken" (Franken) bei Edeka (3,79 Euro) oder der sehr gute Cremant d´Alsace (Schaumwein) von den Cave de Turckheim (Elsass) bei Edeka (8,95 Euro). Geht ja, geht sogar gut.
Doch das meiste in diesem Buch ist leider durchschnittliche, gefahrlos konsumierbare Industrieware. Ein Chianti 2007 für 1,99 Euro kann kaum ein guter Wein sein; ein Bardolino für 1,79 Euro noch viel weniger. Bei beiden Weinen, wie auch bei vielen anderen Flaschen, die in diesem Buch aufgelistet sind und beschrieben werden, handelt es sich um schnell fabrizierte Massenproduktion. Und wenn man mache Kalkulation näher betrachtet, wird man bei der Herstellung wohl nicht zimperlich gewesen sein.
Das Fatale an diesem Buch ist aber die erneute Reproduktion der Idee, dass eine große Auswahl billiger Weine (1.000 verschiedene Positionen), eine Auswahl guter Weine sein kann. 1.000 Schnäppchen, wer ist da noch blöd und geht in die Vinothek? Wer ist überhaupt noch so blöd und gibt mehr als fünf Euro für guten Wein aus?
Und da ist sie wieder, die alte Frage, warum der deutsche Konsument Motoröle für mehr als dreißig Euro in durchschnittliche Mittelklassewägen kippt, bei Lebensmitteln jedoch in einen unerklärlichen Sparwahn abgleitet, begleitet von einer Hysterie, die ihn nach jedem Angebot lechzen lässt, als würde morgen eine neue Versorgungskrise ausbrechen (bei Wein wird das sicher nicht der Fall sein).
Bücher, wie "Super-Schoppen-Shopper" arbeiten jenen Winzern und Weinbetrieben entgegen, die seit Jahren versuchen, günstige und hochwertige Weine unter die Leute zu bringen. Nur gute und vernünftig kalkulierte Weine stabilisieren die unglaubliche deutsche Weinrevolution. Unter fünf Euro ist da jedoch wenig zu machen. Noch weniger, wenn der Wein im Fass ausgebaut werden soll. Für unter fünf Euro wirft man Holzchips in den Tank. Auch das geht, dem Konsumenten ist es offenbar egal.
Zudem, sagt die Autorin Cordula Eich zu "Bild", habe sie die Weine vor dem Verkosten "chemisch untersucht". Hä? Das hätte man gerne genauer erläutert bekommen. Wie wurde chemisch untersucht? Nach was wurde gesucht?
Egal, "Super-Schoppen-Shopper" (Deutschlands umfassender Supermarkt-Weinführer 2010) stellt sich in den Dienst der Konsumenten. Das ist nobel und adelt die Einnahmen. Doch "Super-Schoppen-Shopper" hat außer etwa zwanzig guten Weinen nichts Erwähnenswertes aufzuweisen. Die Leute jedoch nicken, sie wissen nun: es geht auch billiger. Wir Konsumenten werden immer beschissen. Stimmt.
Super-Schoppen-Shopper von Cordula Eich für 9,95 Euro bei libri













Das Schnäppchenjagen wird man den Deutschen nicht abgewöhnen. Das Buch wird ein Bestseller auf der Spiegel-Liste. Wetten.