Eines ist sicher: Silvio Jermann hat den friulanischen Weinbau revolutioniert. Er hat in der verschlafenen oberitalienischen Region eine Art kalifornisches Weingut hingestellt. Er hat die Massenproduktion qualitativ dramatisch verbessert und hochwertige Weißweinmarken kreiert, etwa die Cuveé "Vintage Tunina" oder den Chardonnay "Where Dreams have no End".
Silvio Jermann, ein ehrgeiziger und symphatischer Winzer, hat in den späten Achtzigern erkannt, welchen Wert Marketing für seine Weine hat. Seine Vorbilder, das kann man ohne groß zu spekulieren sagen, waren Robert Mondavi und andere kalifornische Winzer. Jermanns Betrieb wuchs Jahr für Jahr. Zuletzt stellte er zwischen Dolegna und Cormons in Ruttars nahe der slowenischen Grenze ein funkelnagelneue zweite Azienda in die Landschaft, ein herausforderndes Beispiel ökonomischen Selbstbewusstseins. Knapp über 500.000 Flaschen verlassen jährlich Jermans Keller.
Doch dann kam die Krise.
Der Captain kennt jetzt Gerüchte, dass Jermann große Teile seines Betriebes, vor allem aber auch die Markenrechte seiner prominenten Kreationen, an eine große italienische Versicherung verkauft haben soll. Die Gerüchte stammen von italienischen Zulieferern und von Weinhändlern der Region.
Der angebliche Verkauf kann auch als erfolgreiches Abgleiten in den Ruhestand gesehen werden, als Belohnung für lebenslanges Arbeiten und als monetäre Sicherstellung des Erreichten. Take the money and run. Kein schlechter Lauf.
Tatsache ist, dass inzwischen Millionen Flaschen Wein auf den Märkten ihre Runden drehen, ohne verkauft werden zu können. Und neue Flaschen bleiben gleich im Keller. Das betrifft vor allem große australische und chilenische Produzenten. Und in Europa die Italiener. Hier wie da vor allem jene Marken, die Rückendeckung von einer neuen Schicht Aufsteiger erfuhren. Aufsteiger, die nun die Krise voll zu spüren bekommen und sparen müssen.
Auf eine Anfrage des Captain reagierte man beim Weingut Jermann Dienstag mittags bedeckt. Ein Statement erfolgte Freitag und wird Samstag beim Captain veröffentlicht.
In einem exklusivem Interview mit dem Captain (ein Film ist in Vorbereitung) berichtet der international bekannte Weinautor Hugh Johnson von den ökonomischen Schwierigkeiten mancher Produzenten und ihren Bemühungen, ihre finanziellen Probleme bedeckt zu halten.
Tatsache bleibt: wer jetzt keine Schulden hat, fährt besser. Belastungsfreier Grund und Boden stellen das eigentliche Kapital dar. Und der Wert der Marken sinkt. Die Zukunft wird zeigen, wie es mit Jermann und anderen führenden europäischen Produzenten weitergeht. Fällt ein Winzer dieser Größe, könnte das der Auftakt einer umfassenden Marktbereinigung sein. Lehman-Brothers lassen grüßen.







Silvio Jermann mit seinem Chardonnay Dreams. Fotos: Jermann 





Mein lieber Captain, da kann ich dir nur recht geben.
Es hat sich wieder einmal erwiesen: Ob Maschinenbau, oder Pharmaindustrie, ob Telcos oder Landwirtschaft: CASH is KING!
Best wishes, TPO
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Thomas P. Offner
TPO "The Passion Offensive"
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