Der Mann sieht aus wie ein Goth. Dunkel gefärbte Haare, dunkles Gewand, helle Haut. Man mag ihn für den Sänger einer satanistischen Rockband halten. Doch er ist Winzer: Marian Simcic in Dobrovo. Das ist in Slowenien. Genau an der Grenze zu Italien. Und genau an der Grenze ist wirklich genau an der Grenze. Simcic kann von seinem Balkon in das Nachbarland spucken. Konnte er schon immer. Auch, als der eiserne Vorhang noch stand.
Damals war es für seinen Vater nicht einfach, Weinbau zu betreiben. Doch die Hügel des slowenischen Collio zählten zu den besten Anbaugebieten der Volksrepublik Jugoslawien. Und so durfte die Familie Simcic ihre privaten Gründe behalten, Stacheldraht und Wachturm machten um Dobrovo (wo auch Movia steht, das bekannteste Weingut Sloweniens) einen kleinen Bogen.
Marian Simcic besitzt auch Felder in Italien. Auch die durfte er behalten. Ein kleines Wunder zwischen den Welten, das der Weinverliebte Soft-Diktator Josef Tito möglich machte. Hier hat man sich an viele Herren gewöhnen müssen: Österreicher, Italiener, Jugoslawen. Und jetzt Slowenen. "Mir ist das egal", sagt der Slowene Simcic, "ich war hier immer nur Europäer, mein Großvater hat seine Weine noch in Udine in den Zug nach Wien und München gestellt. Ich kann mich mit Nationen nicht beschäftigen, sie kommen und gehen."
Der 41 jährige Simcic wirkt im ersten Moment ruppig und ungelenk. Doch er taut auf, wenn er sich und seine Arbeit verstanden fühlt. Alle Weine Simcics haben eine klare Linie, sind stringent, schnörkellos und in jeder Kategorie überzeugend. Ein Mann, ein Werk.
Simcic verzichtet auf alle Pestizide und richtet seine Weine nach den mikroklimatischen Bedingungen aus. Das macht seine Ernten weniger anfällig für die Unterschiede der Jahrgänge, sagt er, große Unterschiede gebe es bei sechzehn, sehr verschieden gelegenen Hektaren sowieso selten.

Den eigenen Stil merkt man schon beim einfachsten Wein, beim Grauburgunder 2008 (13,5% Alkohol, 5,5% Säure), der sechs Monate auf der Hefe lag und seinen leichten roten Farbton der zweitägigen Mazeration (der Saft liegt nach dem Pressen auf der Maische) verdankt. Der Wein ist ruhig und intensiv, er duftet nach Mango und Kalk und wirkt lange lagerfähig.
Ganz eigen auch der Sauvignon Selekcija 2007 (14,5% Alkohol, 6% Säure), im großen 4.000-Liter Fass ausgebaut. Die Eiche für den Bottich hat Simcic selber gesucht, ausgewählt und 12 Jahre lagern lassen. In der Nase duftet dieser extrem kräftige Wein nach Quitte, Orange und Kräutern. Alles Folge einer extrem kühlen Mazeration. Am Gaumen explodiert der Sauvignon und wird zum süchtig machenden Trinkvergnügen. Fantastisch.
Anderer Ausbau, gleicher Eindruck beim Chardonnay 2007 Selekcija (14,5% Alkohol, 5,4% Säure). Dieser Wein wurde 12 Tage warm mazeriert und lag dann zwei Jahre im Doppelbarrique (450 Liter-Fass). Ein eleganter und wuchtiger Saft, der stark durch ausgeprägte und terroirbetonte Sekundäraromen beeindruckt.
Noch intensiver der Rebulla 2007 Selekcija (14,5% Alkohol, 5,5% Säure). Er stand lange sechs Monate auf Hefe und Schalen und wurde von 55 Jahre alten Stöcken geholt, die bis zu 12 Meter tief wurzeln. Der Wein lag nach der Maischestandzeit zwei Jahre im großen Holz und hat keine großen geschmacklichen Ausprägungen. Dieser neutrale Eindruck und die Wuchtigkeit machen ihn aber zu einem idealen Wein Zum Essen. Ein Liebling der Köche.
Die Cuveé Teodor Weiß 2006 (13,5% Alkohol, 6% Säure) keltert Simcic aus Rebulla (60%), Sauvignonase (früher Tocaj Friulano, 20%) und Grauburgunder (20%): ein cremiger Wein mit intensiven Duft nach Eibisch und Veilchen. Das große Holz ist perfekt eingebunden, macht sich nicht wichtig und stärkt die Kelterung, ohne viel Geschmack zu geben. Ausgeklügelte Detailarbeit. Großartig.
Dann die Rotweine von Simcic. Zuerst der Pinot Noir 2007 Selekcija (13,5% Alkohol, 5,3% Säure), ein sehr südländischer Burgunder, der nach Erdbeere duftet und zudem eine sehr schöne rauchige Note mitbringt. Im Mund schmeckt er süß.
Die Cuveé Teodor Rot 2005 (14% Alkohol) wurde im Stil eines großen St. Emilion aus Merlot (85%) und Cabernet (15%) gekeltert. Der Wein lag 42 Monate im kleinen Holzfass mit leichtem Toasting und stammt aus alten Weingärten. Er hat eine kühle aber intensive Stilistik, riecht nach Sellerie und Pfeffer. Am Gaumen hinterlässt er den Eindruck einer kräftigen Rindsuppe. Ein harter und dichter Wein, friulanisch elegant.
Marian Simcic hat sich die letzten zwanzig Jahre intensiv mit Klima, Boden und Ausbau beschäftigt, die Früchte dieser Studien liegen nun in Fässern zur Reife. Eine neue Serie soll entstehen, eine ultimative Selektion namens Opoka (Boden). Simcic zeiht ein paar fantastische Fassproben von Cabernet und Merlot (Jahrgang 2007), die allesamt Eleganz mit Wucht verbinden. „Mein Urgroßvater", sagt Simcic, „hat vor siebzig Jahren schon solche Weine angedacht, er hatte halt die technischen Mittel nicht, diese Weine zu keltern." Damals gab es kein Ost, kein West. Manchmal wird Geschichte auch ausradiert. Hier, im Westen Sloweniens, ist Geschichte Erinnerung.
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Ze Boss wiz ze Glass 





Hochinteressante Weingegend, völlig zu Unrecht unterbewertet . Weiss der Captain was über die Entwicklung in den Ländern, die nicht den EU-Richtlinien unterliegen?