Die Studie ist alt wie trocken Brot. Doch eigenartigerweise macht sie erst jetzt richtig von sich Reden. Die Studie der Uni Glasgow aus dem Jahre 2003 besagt, dass Menschen anderer Menschen Gesichter nach ein paar Gläsern alkoholischer Getränke attraktiver finden. Bis hin zur Verkehrsbereitschaft. Frohe Botschaft: besoffen bumst schneller. Ob besoffen auch besser bumst, steht da nicht geschrieben.
Also schnell mal angerufen in Glasgow. Und gefragt, welche Art Alkohol vor sechs Jahren ausgeschenkt wurde. Es dauert ein paar Minuten, bis der damals zuständige Assistent von Barry Jones, dem Leiter des psychologischen Instituts, am Telefon ist. Und er muss auch erstmal einen Blick auf des Captains Seite werfen, bevor er antwortet. Aber dann: "Die Jungs tranken meist Bier, die Mädels Wein. Und welcher Wein? "Irgendwas aus Spanien, glaube ich, kein allzu teures Zeug."
Der Test in Glasgow hat zudem in einem gastronomischen Umfeld stattgefunden, also in relativer Normalität. Ein späterer Test der Universität Bristol (2008) wurde in neutralen Räumlichkeiten durchgeführt. Auch da kam nicht viel anderes heraus, nur dass die Probanden auf einmal auch gleichgeschlechtliche Gesichter attraktiver fanden. Saufen in der Gummizelle macht dich also zum Homo.
Da passt es auch, dass eine dritte Studie, durchgeführt 2008 in neun europäischen Ländern, den Alkoholkonsum bei sexueller Anbahnung als wirkungsvollstes Stimulationsmittel ausweist. Ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen zwitschern sich an, bevor sie sich trauen, jemanden eindeutig anzusprechen.
Interessant zudem, mit welcher Art Alkohol der Beischlaf (was für ein wunderbares Dr. Sommer-Wort) eingeleitet wird: Männer wollen schneller alkoholisiert sein und greifen in der Hektik gerne zu härteren Getränken. Frauen bevorzugen weiche Cocktails und Rotwein. Aber auch bei Männern steht der Wein schon an zweiter Stelle. Nach dem Bier. Und noch vor dem Schnaps.
Weiters interessant: Nur wenige der Befragten bereuten ihr sexuelles Erlebnis, das sie mit dem Konsum von Alkohol angebahnt hatten. Der Mehrheit bleib es in guter Erinnerung. Das oft kolportierte Kopfweh-Erlebnis ("Wo bin ich hier? Haben wir miteinander geschlafen? Oh Gott...") ist also bloß Kolportage. Schuld daran, sagt der Captain, ist der Wein. Guter Wein kann kein Kopfweh machen. Und selten zu einer falschen Entscheidung führen. Da spricht der Captain aus Erfahrung (hmtja... äh... räusper).
Scherz beiseite, Scherz herbei: Winzer sind also Kuppler. Wer das nicht glaubt, der soll sich dieser Tage auf einen der vielen Weihnachtsmärkte begeben und den Menschen beiderlei Geschlechts dabei zusehen, wie sie sich einander mit Punsch und Glühwein schön trinken. Vor allem im ständig besoffenen Wien (wo der Captain seit einigen Stunden weilt) sind diese Beobachtungen eine echte Freude.
Auch Firmen-Weinhachtsfeiern bestätigen die These der britischen Forscher: Mann und Frau, die sich bislang nicht riechen konnten, liegen sich spätnachts beim dritten Absacker in den Armen. So kriegt auch Stromberg eine ab. Der Wein und seine frühmorgendlichen Folgegetränke machen es möglich.
Dem Captain bleibt es ein Rätsel, warum man Winzer und Weinmacher nicht schon längst für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat. Bei Staatsbanketten sollte gebechert werden, dass die Verträge flattern. Am selben Abend, andertags ist´s dann zu spät. In Kopenhagen sollte man vollbesoffen die Welt retten.
Und der Blick auf alkoholfreie Gesellschaften bestätigt die Ahnung, dass überall, wo nicht gebechert wird, der Morast der religiösen Moral über den Menschen zusammenschwappt.
Nur zweierlei will der Captain nicht sehen: Schöngetrunkene, die schöngetrunken ins Auto steigen. Und Schöngetrunkene, die in Hauseingängen eine Magenpizza ablegen.
Das ist nicht sexy.







Die wunderbaren Fotos der Flora P. http://www.florap.com/ 







großartig, danke für einmal breites grinsen morgens um 10 uhr im büro. eine klitzekleine gegenthese: guter wein macht tatsächlich kein kopfweh, aber er bewahrt nicht vor falschen entscheidungen... da spreche ich auch aus erfahrung (hüstel, rotwerd :-))...