26.12.09 WEINE 2 Einem Freund senden

Am Ende Hochprozentiges

Die Schnapsnovelle

Protokoll einer seltsamen Begegnung

ein Text von Franzobel

Wir tranken Schnaps. Vielleicht wegen der Kälte, dem eisigen Wind? Einer spontanen Sympathie zu Indianern? Oder wegen Helmut Qualtinger, der auf die Frage „Rot oder Weiß?" mit „Ham S' schon amal an roten Schnaps gesehen?" reagierte. Jedenfalls stapften wir jetzt mit einigen Dezilitern Feuerwasser intus durch den Nordseestrand, sahen kleine Strandläufer nach Würmern picken, die Abdrücke von Möwenkrallen, Pfeile waren das, die in die falsche Richtung wiesen, und einen ungeheuren Himmel, in dem die Sonne mit schwarzen Wolkenblöcken kämpfte, die sie zudeckten wie die schwere Daunentuchent einen Schlafenden. An manchen Stellen setzte sie sich aber durch, die Sonne, stachen golden gleißende Strahlen in den Horizont, illuminierten eine schwere, graue See, die an den Rändern schäumte, als wollte sie sich da rasieren. Tausende kleine Wasserzungen leckten am Strand. Meiner Frau lösten sich die Sohlen von den Schuhen, sodass wir uns beeilen mussten, schwitzten.

Ist der Mensch das einzige Wesen, das schwitzt? Oder schwitzen Fische? Vögel? Möbel? Kühlschränke? Nein, nur Fenster, wenn es draußen kalt ist. Auch Hunde schwitzen nur durch ihre Zunge, Bäume schwitzen Harz, Politiker Hartz 4. Der Mensch aber, das einzige Lebewesen, das den Geschlechtsakt von Angesicht zu Angesicht vollzieht, schwitzt und nennt es Transpiration. Auch Jesus, der Meister aller Transsubstantiation, schwitzte auf seinem Weg nach Golgatha Wein aus Wasser. Und ist nicht auch Schnaps der Schweiß von Früchten? Eine wundersame, beinahe göttliche Wesensverwandlung? Jedenfalls muss sich der Mensch eben wegen dieser Transpiration kleiden, waschen, braucht er ein Dach über dem Kopf, Ferrari, Swimmingpool mit coolen Drinks, von nackten Hausangestellten serviert ... Das Schwitzen ist der Anfang jeder Zivilisation. Hicks.

Schnapsberauscht und schnapsverschwitzt trabten wir dahin, sahen den kleinen Vögeln zu, die da immer wieder mit flinken Schritten in die Gischt liefen. Wie träge und behäbig mussten wir für diese kleinen Zwitscherer doch sein, erst recht jetzt, wo wir einiges gezwitschert hatten. Zeitlupenwesen. Und wie langsam mussten wir erst für die Eintagsfliegen sein, die ihr ganzes Leben an nur einem Tag besorgen mussten. Für das gleichgültig gleichmütige Meer dagegen waren wir mit unseren ach so wichtigen Menschenleben nicht mehr als eine solche Eintagsfliege. Vor wenigen Augenblicken erst waren die ersten Affen mit dem Feuer angekommen, kurz darauf die barock parfümierten Perücken-Gockel in den Sänften. Und jetzt lief alles in Freizeitkleidung rum oder zog sich aus und machte auf Freikörperkultur, schnapste völlig über. Und wie wir uns so über die Zeit, dieses seltsame Phänomen, unterhielten, das ich mir manchmal wie eine lange Strecke dachte, dann aber wieder mehr wie eine Flüssigkeit, die sich allmählich ihrem Ende zuneigt, jawohl, wir lebten im letzten Norgerl Zeit, entdeckte ich ein angeschwemmtes Holzstück mit vielen großen Löchern drin. Ein schwarzer Emmentaler. Wie ich mich danach bückte, bemerkte ich einen Papierstreifen daneben. Und obwohl er in einer Plastikfolie steckte, war er aufgeweicht, vom Salzwasser zerfressen. Ein Stück hellblauer Schnur hing dran, darin verwickelt eine Wasserpflanze. Ich hob es hoch, streifte die Pflanze ab und las die Schrift: „Nom: Lallemant. Prénom: Leo. Adresse: 7/9 Rue des Rapports 59360 Le Cateau".

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Zeig, sagte meine Frau, um es mir sofort aus der Hand zu reißen. Sie lachte erst, wurde dann aber ernst und sah mich traurig an: Das stammt von einem Koffer. Und wie kommt der ins Meer? Flugzeugunglück! Der arme Mensch ist abgestürzt und liegt jetzt irgendwo auf dem Grund des Meeres und verkommt. Fische haben sein Gepäckstück angeknabbert und dieser Adresszettel, der den Koffer seinem Besitzer zurückbringen sollte, wurde hier an Land gespült. Wenn das kein Zeichen ist? Nur wofür? Vielleicht dürfen wir nicht mehr fliegen? Vielleicht ...?

Aber nein, beruhigte ich meine Frau, der diese Unmittelbarkeit des großen, endgültigen Feierabends doch zu schaffen machte. Es war, als klebte der Tod an dem Papier, am Namen, als hinge die ganze tragische Geschichte eines Lebens, ja einer ganzen vollbesetzten Passagiermaschine, an diesem kleinen Fund. Leo Lallemant aus der Rue des Rapports in Le Cateau. Was für ein sonderbarer Name, ein lallender deutscher König aus der Straße der Meldungen in einer Ortschaft namens Schloss? Aber rapportierte mit diesem Adressschild nicht auch der Tod, lallte deutlich in uns rein und flüsterte: Vanitas, vanitas, auch ihr werdet vergehen. Aber nein, sagte ich, vielleicht stammt der Zettel ja von einem Luftballon. Oder der Besitzer, dieser Leo Lallemant, hat den Koffer einfach so ins Meer geworfen, weil ... Gut, wer wirft schon sein Gepäck ins Meer? Aber wenn es nun kaputt war, er sich etwas Neues kaufte? Vielleicht ist auch nur der Koffer über Bord gegangen? Oder ... Jedenfalls haben wir uns vorgenommen, später dann, wenn wir zu Hause wären, im Internet zu recherchieren.

Vorerst aber stapften wir weiter durch den Strand, hörten die sanften Schläge der Wellen und das wilde Möwenkreischen. Ein einzelner Surfer im Neoprenanzug stürzte sich mit seinem Brett ins Wasser. Wie ein geflohener, seinem Besitzer davongelaufener Schatten sah das aus. Er bemerkte uns, lächelte. Verrückt, dachten wir, und dass wir bei dieser Kälte keinesfalls ins kalte Wasser gehen würden, außerdem dämmerte es schon.

Nicht viel später erreichten wir dann unser Heim. Meine Liebste wollte noch, bevor es völlig finster wurde, einkaufen gehen, und ich setzte mich an den Computer, um über diesen Leo Lallemant zu recherchieren. Allein, ich fand ihn nicht. Weder ihn noch eine Rue des Rapports, ja nicht einmal ein Le Cateau, nur ein Cateau-Cambrésis. Höchst sonderbar. Gab es tatsächlich noch Menschen, die im Internet nicht existierten? Wie ich das verwaschene Papier studierte und überlegte, wie lange es wohl im Meer gewesen war, klingelte es an der Tür. War meine Frau bereits zurück? Hatte sie etwas vergessen? Die Brieftasche? Frauen vergessen häufig etwas, schon wenn sie Eier kochen, vergessen sie meist, auf die Uhr zu sehen. Und wenn man sie dann darauf anspricht, rechtfertigen sie sich spröde damit, dass sie intuitive, mit Gefühl ausgestattete Wesen sind, die schnöde mechanische Geräte, welche obendrein noch ein bis drei Sekunden ungenau sind übers Jahr gesehen, nicht brauchen - was man dann auch an den Eiern schmeckt.

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Ich ging also, bevor ich es und mich vergaß, zur Tür, öffnete und erschrak. Da stand nämlich nicht mein gut gelaunter, stets zu Scherzen aufgelegter uhrenloser Schatz, sondern ein Mann mit graumeliertem Haar, schwarzem Hut, rotem Seidenschal und einer Gitanes im Mund.

- Bitte, kann ich etwas für Sie tun? Ich kaufe nichts.
- Ich bin Leo, Leo Lallemant, kam aus seinem mit gelben Zahnstummeln gefüllten Mund. Ich verstand nicht recht, sah auf die rotweinroten, geschwollenen Lippen, über denen zur Zier ein kleines Bärtchen stand. Hohe -Backenknochen, lederne Haut und dunkle Augen. Ein breites Becken wie ein Pfarrer. Ich dachte an ein Känguru. Leo Lallemant? Moment. Sie? Wir haben Sie gefunden. Eben erst.
- Ich weiß, sagte der Mensch und hüpfte, nein, drängte sich, ohne eine weitere Reaktion abzuwarten, rein.
- Woher wissen Sie?
- Egal. Unaufgefordert nahm er Platz, dämpfte seine Zigarette in einer leeren Teetasse aus und brummte: Sagen wir mal so, der Tod ist wie eine Dominosteinreihe, einer tippt den nächsten an.
- Kann ich Ihnen etwas anbieten? Tee vielleicht? Weihnachtskeks?
- Nein danke. Er hob abwehrend die Hände. Es ist nämlich so, dass ein Toter einem nächsten den Tod verkündet. Man hat das so eingerichtet, weil ein frisch Verschiedener kein Mitleid hat. Verstehen Sie? Niemandem liegt am Umfallen so viel wie einem Umgefallenen.
- Wie bitte? Sie arbeiten in einem Bestattungsinstitut? Ah, jetzt verstehe ich, der Zettel am Strand war eine Werbung. Raffiniert.
- Ich bin gekommen, Ihnen mitzuteilen, dass die ungelegenste Stunde angebrochen ist, es so weit ist, Ihre Frist ist abgelaufen. In dieser Angelegenheit bin ich gekommen. Ungelegen, aber ich bin da. Ich bin Ihr Tod.
- Ach du Scheiße, fluchte ich. Aber ich habe doch schon gesagt, ich kaufe nichts. Jetzt rücken Sie schon raus damit. Worum geht's? Versicherung? Testament? Sie sind Notar?
- Ich bin Ihr Tod.
- Das ist ja toll, eine schöne Schnapsidee. Ein Scherz? Doch der Mensch da auf der Couch sah nicht so aus, als ob er scherzen würde. Ich hatte mir den Tod immer als vollbusige Blondine vorgestellt, und jetzt kam so ein lebloser Knabe mit Kängurufigur, dem man gleich ansah, dass er kein Genießer war, nur selten lachte, alles ganz betulich machte. Ein Zwängler.
- Aber, bemühte ich mich, Haltung zu bewahren, der Zeitpunkt passt mir nicht gerade.
- Der Zeitpunkt passt wohl nie. Der Kerl zündete sich eine nächste Zigarette an.
- Aber ich bin Schriftsteller und heute ist ein Montag.
- Na und?

Für Schriftsteller ist der Tod eine nicht zu unterschätzende mediale Chance, nicht wenige Schriftstellerkarrieren heben erst mit dem Ableben so richtig an, weshalb Autoren unbedingt an einem Donnerstagabend sterben müssen, dann wird es Freitagfrüh bekannt, haben die Redakteure Zeit genug, die Nachrufe für die Wochenendausgaben zu verfassen, was äußerst wichtig ist, weil die Leute nur noch an den Wochenenden Zeit zum Zeitunglesen haben. Stellen Sie sich vor, man stirbt an einem Montag und die Nachrufe stehen mittwochs drin, wenn keiner Zeitung liest. Da würde man ja ganz umsonst gestorben sein. Außerdem muss es zu einer Zeit geschehen, wo sonst nichts los ist, keine bekannten Kollegen vorgestorben sind, keine weltpolitischen Katastrophen geschehen, sonst ist man eine Randnotiz. Es darf auch nicht im Sommer oder zu Weihnachten passieren, weil dann alle in den Ferien sind, da nützen dann die schönsten Nachrufe nichts. Nein, das geht unmöglich. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, prinzipiell komme ich sehr gerne mit Ihnen mit, sterben muss ja schließlich jeder, obwohl ich immer überzeugt war, mich erwischt es nicht, aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre es äußerst ungerecht gegenüber meinem Verleger, der in meine Bücher investiert hat, sich einen gesteigerten Umsatz meiner Werke durch ein paar Preise, die man mir über kurz oder lang zuteilwerden lassen muss, verdient. Ich will ja gar nicht vom Nobelpreis reden, aber Büchner, Kleist, Mann und was es sonst noch alles gibt. Das steht mir zu. Da kommen Sie, mein lieber Herr Tod, jetzt viel zu früh. So ein Ableben will schließlich inszeniert sein, ich bin eine Person des öffentlichen Interesses. Ich will die Seitenblicke sehen. Jetzt stellen Sie sich vor, ich habe mir noch nicht einmal einen Grabsteinspruch überlegt. Das vor Jahren gefundene „Geht weiter" ist bei Gott nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch die Frage meiner letzten Worte ist noch ungeklärt. Es sollte etwas sein, wo the worst case, also Wurscht, Käse vorkommt, aber der Tod ist schließlich keine Jausenplatte. Apropos, Herr Lallemant, wollen Sie nicht einen Happen essen? Nein? Na, ich brauch einen Schnaps.

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Ich griff zu einer Flasche Zwetschkenschnaps, die da seit Monaten unberührt in meiner kleinen Bar ein unbeachtetes Dasein fristete. Irgendjemand hatte sie mitgebracht. Und wie ich mir ein großes Glas eingoss, dachte ich an das „Siebte Siegel" und an „Jedermann". Ob ich meinen Tod auch zum Schach einladen sollte? Konnte ich nur nicht. Vielleicht Dame? Eisstockschießen?

Wie sieht es denn so aus im Himmel? Oder komme ich etwa in die Hölle? Na, sagen Sie nichts, ich kann es mir schon vorstellen, da sitzt die Frau Kaltenbrunner und strickt ihre Pullover, während die Frau Höglinger keppelt. Ob der fette weiße Pudel von der auch im Himmel ist? Und dann ist da der Herr Jokesch und bastelt Vogelhäuschen für die Engerl, der Herr Zweimüller hackt Holz und der alte Hörmannseder steht an seiner Kreissäge und lässt kreischen. Nein?

Leo Lallemant schüttelte den Kopf. Ich trank den Schnaps und fühlte, wie sich eine Wärme in mir breitmachte, wie der Geschmack von reifen Zwetschken meinen Mund füllte. Es war phantastisch, ein innerliches Bad mit warmem Zwetschkenkompott. Theoretisch konnte man ja alles destillieren oder ansetzen, also auch die Unterhose der Marilyn Monroe oder das Käppchen des Papstes. Theoretisch müsste man auch aus Wurstbroten oder Sachertorten Schnaps machen können. Vielleicht gab es das sogar. In China hatte man Schlangenschnaps für die Potenz, warum nicht also auch Schnaps aus Hölderlingedichten oder aus dem Backenbart Franz Josephs? Zehenkäseschnaps? Goldschnaps? Nein, den gab's bereits als Dresdner Goldwasser. Vielleicht Zigarrenschnaps? Oder Schnaps aus Nachrichten, dann müsste man nicht mehr fernsehen, sondern könnte abends ein Glas voll Welt in sich hineinkippen, das wäre doch ein Nürnberger Trichter. Na, einstweilen gibt es nur das hier, füllte ich neuerlich mein Glas. Prost. Der Tod wetzte schon unruhig hin und her, sah ungeduldig auf die Uhr, murmelte Beeilung.

Nur keine Bange, ich komme dann, ich komm donn, you Kondom. I think, I think, I sink schon ein in diesem schwankenden Boden. Ich kann ja gar nicht mehr gerade sehen, geschweige denn gehen, ich, also wenn jetzt nicht ich diesen Zettel gefunden hätte, sondern wer anderer, also angenommen meine Frau, sich nach dem Löcherholz gebückt hätte, sie hat gestern erst gesagt, nein, ich habe gesagt, was, wieso darf ich nicht so viel trinken, das ist mein gutes Recht, das lasse ich mir von niemandem nehmen, auch von Ihnen nicht, mein lieber Leo, jetzt, wo ich gerade dabei bin zu entdecken, wie gut es schmeckt. Wieso? Ich bin doch nicht betrunken, wie? Was sagen Sie da, bei der akuten Alkoholvergiftung unterscheidet man vier Stadien? Das ist mir wurscht. Enthemmungs-erscheinungen, das trifft auf mich nicht zu, gestörtes Gleichgewicht, undeutliche Sprache. Was? Zweites Stadium, Sprach- und Antik-Antarktis-Kula-Kulimuh-Ejakultionsstörungen, Sehstörungen, verengte Pupillen, darauf folgen drittens Bewusstlosigkeit, Schockzustand, egal. Was? Und viertens kommt das Koma, der Tod. Wurscht! Wichtig ist, gibt bitte wer die Luft beim Glasl raus. Was ist los, Sie sitzen ja so traurig da? Sie erinnern mich immer mehr an ein Känguru. Wie sind Sie eigentlich gestorben? Erschossen? Bumerang? Nein, ah so, Flugzeugunglück. Und ich? Was? Auch ein Absturz? Blödsinn, ich bin doch überhaupt noch nicht betrunken, das ist eine übertriebene Untertreibung, Ihre vier Punkte können Sie sich ... Ich finde ja auch, dass wir jetzt gehen sollten, aber irgendetwas hält mich noch zurück. Der Schluckauf. Jemand denkt an mich. Das. Ich meine, Sie haben mich gefunden, bevor ich verloren gegangen bin. Aber da sind Sie schiefgewickelt. Ich meine, ein Mensch ist gar nicht gewickelt, man ist ja kein Elektromotor, obwohl meine Frau sagt immer, wichtigpopichtig ist, sie ist übrigens, also ich bin 67 geboren und sie 72, so folgte ein Unglück auf das nächste, obwohl das ist auch alles nicht wahr, nein, nein, das ist auch nicht alles wahr, o du lieber Augustin, alles ist hin ... aber was ist denn, Herr Tod, wo wollen Sie denn hin, hin ist alles, o du lieber, Sie, was heißt, Sie kommen später noch einmal? Bei Pontius Pilates, so bleiben Sie doch noch, ich ... jetzt werden Sie doch nicht historisch, das wäre ja, jetzt, wenn Sie jetzt gehen, hicks, kann ich mich einmargari-nieren lassen, aber ...

Doch alles Bitten war vergeblich. Völlig verzweifelt lief er zur Tür hinaus, mitten in meine Frau, die gleich zu Boden fiel und fluchte:
- So passen Sie doch auf, Sie Tölpel.

Der Tod aber murmelte so etwas wie: Dann lebt ihr euch halt aus in eurem Leben, und trinkt und sauft, sauft, wie es euch gefällt, ihr Schnapsdrosseln, ihr Bowlenhirne. Irgendwann geht ihr ja doch daran zugrunde. Aber das geht mich dann nichts mehr an. Gott sei Dank.

Ich blickte ihm nach und sah, wie er davonhüpfte. Ein Känguru. Grüß mir Australien. Und abends dann im Bette dachte ich, was gibt es Schöneres, als mit Freunden den Zustand vollkommener Heiterkeit zu fühlen, den Körper zu vergessen, abzuheben in eine klare Duselstimmung, einen wundersamen Rausch des Geistes, eine reinigende Glückseligkeit?

Nun ist die Berauschtheit aber eine hohe, oft vernachlässigte Kunst, drohen doch stets Übelkeit, Magensäure, Ausschweifung und Müdigkeit alles zu kippen. Räusche gibt es viele, den des Wortes oder der religiösen Ekstase, auch den des Fressens, den der Macht, des Geldes, Sexes, Erfolges oder den der Poesie.

Dieser Text ist dem Buch Quinta Essentia entnommen, das dieser Tage erschienen ist und an dem der Captain mitwirken durfte.



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Kommentare 2

Kommentare

Gast

Seltsamer Text, aber wie immer außergewöhnliche Fotos.

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ardbeg

sehr fein!

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