Von entlassenen Art-Direktoren sind wir das ja schon gewohnt. Von abgehalfterten Pop-Musikern wie Sting und früh vergreisten Schauspielern wie Gerard Depardieu auch. Alle sind auf einmal Weinmacher. Selbst der Captain macht Wein. Und es geht.
Aber nun betritt ein neues Label die Wein-Weltbühne, "Sogno Uno", erster Traum. Geträumt hat Savanna Samson, eine Schauspielerin, die man meist stöhnend in der Horizontalen sieht. Denn Savanna Samson ist ein bekannter Pornostar, Download-Legende mit Silikon-Busen.
Inzwischen auch schon im fortgeschrittenen Alter, muss sich die Körperkünstlerin Gedanken machen, ins seriöse Fach zu wechseln. Nichts leichter als das, sie kauft sich ein paar Fässer überschüssigen Weins aus dem Lazio und der Toskana und lässt Roberto Cipresso werken, einen jener "fliegenden Önologen", die den Supertuscan erfunden haben, jene gesichtslosen toskanischen Weine, die nun unverkäuflich in den Kellern lagern.
Interessanterweise nutzt Cipresso die weitgehend unbekannte Traube Cesanese, eine fruchtige und elegante Sorte, die eigentlich immer jung getrunken wird. Cipresso hat diese Sorte (70% des Sogno Uno) aber in Barriques ausgebaut. Typisch für den Mann, der ja auch schon den Minderleister Primitivo (fälschlicherweise für Zinfandel gehalten) ein goldenes Kleidchen schneiderte.
Savanna Samsons Mann ist Weinhändler am Hudson und kennt Robert Parker gut, den wichtigsten Weinkritiker der Welt. Prompt gibt dieser der seltsamen Ciprersso-Kreation (neben Cesanese noch Sangiovese und Montepulciano) gleich 91 Punkte - eine Garantie, dass dieser Wein in den Staaten auch gekauft und getrunken wird. Cipresso ist freilich auch mit Parker gut bekannt.
Ein Schelm, wer dabei Schlechtes denkt. Doch Mr. Parker macht sich derart immer mehr zur Spottfigur der Weinwelt. Nach den irrwitzig hohen Beurteilungen spanischer Massenware und den seltsam hohen Noten für Bordeaux 2008 ist dies nun ein weiterer Beleg für die zunehmende Unzuverlässigkeit des alten Weinpapstes.
Den Supertavola der Pornodarstellerin werden wir in Europa kaum zu trinken bekommen. Leider, denn die Winzerin posiert nackt auf dem Label. Nach den italienischen Hitler und Mussolini-Etiketten aus dem Veneto ist das ein echter neuer Höhepunkt italienischen Etikettendesigns. Die weiteren Pläne der neuen amerikanischen Weingöttin: ein weißer Traum (Sogno Due). Und ein Champagner. Wie spritzig (jaja, das ist jetzt "Bild"-Niveau. Der Capain weiß - und schämt sich nicht).







Gesicht - welches Gesicht? 





hihihi