Crowded House: Dont think it´s over. Die Mannschaft hat wieder die 80er-Phase und legt die Nostalgie-Scheiben auf den Thorens (ein alter Plattenspieler aus Captains Kajüte). Da denkt der Captain an seine Jahre auf dem Festland, damals, als Human League die beste Pop-Gruppe für angehende Friseure war und das Saab-Cabrio erfunden wurde. Seufz.
Damals trank der Captain noch wenig Wein. Er wusste nichts von der Vielfalt und dem Reichtum des Kulturgetränks. In einem sehr hippen Szenelokal kostete sich der Captain durch offene und verkorkte Flaschen. Wenig dabei damals.
Doch ein Wein gefiel dem Captain. Ein Wein, den niemand mochte. Ein Roséwein, der völlig aus der Mode war. Ein Zweigelt von Willi Bründlmayer. Rosé, sagten die Kombattanten des Captain, sei ein Weibergetränk. Na und, sagte sich der Captain, werde ich eben metrosexuell.
Als vor fünf Jahren der Rosé erstaunlicherweise zu einem Kultgetränk mutierte, musste der Captain eine irre Menge Pink in sich hineinschütten - seine Meinung war gefragt. Das meiste, schnell gesagt, war Schrott. Heute ist es etwas besser. Viele gute Produzenten sind auf den Zug aufgesprungen. Doch die meisten Roséweine, vor allem die hochgelobten Südfranzosen, sind üble und überteuerte Plörren für die ahnungslose Werbefilm-Klientel von St. Tropez und den Hügeln rundum.
Was vor 25 Jahren im Szenelokal schon zu ahnen war: Rosé tut kühles Klima gut. Vor allem, wenn die Sorte so ausgeprägte Fruchtnoten trägt wie der Zweigelt. Die Zweigelttraube verdanken wir Dr. Friedrich Zweigelt, der ihn aus Blaufränkisch und St. Laurent (die beiden anderen roten österreichischen Nationalsorten) kreuzte. Ein bisschen so, als hätten die Franzosen Merlot und Pinot-Noir miteinander bumsen lassen.
Der Zweigelt wurde jahrelang nur für einfache und fruchtig Rotweine gekeltert. Die Idee, ihn auch in einem Holzfass auszubauen (anstatt Stahl und Plastik), kam den österreichischen Winzern erst nach dem großen Weinskandal Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Ein Rosé von einem herausragenden Weißweinmacher
Zu jenen zählte damals auch Willi Bründlmayer, ein feingliedriger und intellektueller Weinideologe, der heute zu den wichtigsten und größten Weinmachern Österreichs gehört. Er wusste aber auch, dass man mit dem Weißwein seiner Region Kamptal (nahe der berühmten Wachau) viel mehr Aufsehen erregen konnte. So ließ er seine roten Reben (er keltert auch noch Blauburgunder. St. Laurent und Cabernet Franc) lange Jahre in guter Qualität verharren und widmete sich vor allem seinen Veltlinern und Rieslingen. Und dem Wachstum seines Betriebs, Bründlmayer hat heute fast 100 Hektar zu bearbeiten.
Die Liebe zu Weißwein bekam der Rosé ab, der auch heute noch überwiegend direkt gepresst und zu einem geringen Teil aus natürlichem Saftabzug gewonnen wird. Er trägt deutliche Züge der fruchtigen und genussorientierten Weißweine Bründlmayers, dessen Ideologie es ist, Spaß mit Anspruch zu paaren. Der 2008er Rosé schmeckt nach jungen Himbeeren und ist trotz des mittelmäßigen Jahrgangs schön fruchtig und auch hinter den Mandeln noch anhaltend präsent. Kein "Tschapperlwasser" wie der Österreicher sagt. (Tschapperl kann man am besten mit Schmalbrüstiger übersetzten).
Und weil er wenig Alkohol, eine frische und lebendige Säure und kaum Tannin hat, kann man ihn auch gut zum Essen trinken. Ein, im besten Sinne, altmodischer Wein eines modernen Winzers. Die leicht vernachlässigten Rotweine Bründlmayers erfahren mit dem Klimawandel wieder mehr Aufmerksamkeit, denn die einstmals kalten Gegenden werden zunehmend Anbaugebiete hochwertiger Roter. Das freut die nationalen Trinker.
Über die hervorragenden Rieslinge und Veltliner Bründlmayers können wir gerne ein andermal reden. Jetzt setzt sich der Captain zur Mannschaft in die ostelbische Abendsonne. Dort wird der Thorens mit Depeche Mode, Joy Division, Bronski Beat und Talk-Talk beladen. Und noch die eine und andere Flasche geköpft. Gute Nacht, guten Morgen.
Rosé vom Zweigelt von Willi Bründlmayer bei Wein&Co und rotweissrot für unter 10,00 Euro







Finger weg, den Rosé trinkt der Captain.. 




ich bin mir nicht ganz sicher. Immer wieder hört man, dass es aufgrund der Klimaveränderung ein anderes Terroir gibt. Ist das so, oder reden wir uns das ein? Gibt es eine veränderung oder sind die paar zehntel Grade die normale Schwankungsbreite (was ich vermute).
Freue mich auf Kommentare, alles Gute, TPO
PS: go, go, go Jimmy Somerville
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