29.07.12 RESTAURANTS 7 Einem Freund senden

Topf und Deckel: München wie es isst

Der Captain hatte Fisch, Maat Küblbeck. Und eine Gräte (rechts im Bild). Und er hat - wie immer - nicht aufgegessen.Der Captain hatte Fisch, Maat Küblbeck. Und eine Gräte (rechts im Bild). Und er hat - wie immer - nicht aufgegessen.

An Bord ist (wie soll ich es ausdrücken?) ein bisschen dicke Luft. Nicht wegen der Alkoholschwaden. Sondern wegen Maat Golenia und seiner Jogginghose.

Was als harmloser Trotzakt und Angriff auf nicht nur mein ästhetisches Empfinden begann, zieht sich nun schon tagelang hin. Er will einfach nichts anderes mehr anziehen. Dazu noch immer und schon wieder die x-te Flasche seines neuen Lieblings-Dornfelders.

Für mich ist klar, das kann so nicht weitergehen. Statt mich also weiter mit dem Anblick von textilgewordenem Erdöl mit drei weißen Streifen entlang des Hosenbeins zu foltern, lasse ich das Beiboot zu Wasser und paddle was das Zeug hält. Da das ohne Krawatte besser geht, habe ich die zuvor am Garderobenhaken in der Kombüse gelassen - eat this, Golenia!

Nur weg hier! 

Wo ich jetzt zur Selbstrettung hinrudere, werde ich aber sowieso keine Krawatte brauchen. Mein Ziel ist ein Weinhandel und Restaurant im hippen Münchener Glockenbachviertel. Im Walter & Benjamin pflegt man genau jenen betont unkomplizierten Umgang, um den sich auch die besten Gourmet-Tempel derzeit bemühen. Und genau danach ist mir jetzt zumute.

Die Karte, und hier meine ich wirklich nur die mit den Speisen, ist erfreulich klein. Es gibt eine oder zwei Vorspeisen, einen Zwischengang, zwei oder drei Hauptgerichte und ein Dessert. Keine Menüs, keine Klassiker, kein Drumherum. Dafür ist aber alles frisch, alles immer anders, alles hausgemacht. Ein Menü zusammenstellen bedeutet dementsprechend, fast die gesamte Karte zu bestellen. Was irgendwie etwas angenehm abgehobenes hat.

"Schimmonet" geht immer

Um die Entscheidung zu befeuern und die anschließende Wartezeit zu verkürzen, gibt es ein Glas 2002 Blanc de Blancs von Gimonnet. Offen, für erfreulich kleines Geld. Obwohl noch ziemlich jung macht dieser Champagner schon jetzt unheimlich viel Spaß mit seiner nussig-röstigen Nase und der mineralischen Tiefe. Die strukturgebende Säure macht ihn darüber hinaus zum idealen Begleiter meiner Linsensuppe mit Parmaschinken und Sauerrahm. Ein zweites Glas ist unausweichlich.

Und so finde ich mich - gedanklich - unversehens wieder an Bord des Schiffes, wo der Konflikt zwischen Proletariat und Noblesse zwar nicht in Linse und Champagner, dafür aber in Jogginghose und Maßhemd ausgetragen wird. Zum Glück kommt in diesem Moment auch schon die freundliche Kellnerin, um die leeren Gläser wegzuräumen und Platz für den Hauptgang zu machen.

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Kommentare 7

Kommentare

Maat Golenia

Wieder mal ein Schlückchen Kir Royal gefällig, Herr Generaldirektor Haffenloher ?

http://www.youtube.com/watch?v=T4hAY0vBEQA

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Wolfgang erfreut

Freut mich, dass mein Tip so gut angekommen ist. Das Walter & Benjamin ist auf jeden Fall eine Reise wert. Nicht zu vergessen die Terasse, an der man Abends gemütlich sitzen kann. Zwar nicht ganz ruhig (Trambahn und Verkehr), dafür läuft während einer Stunde das komplette Glockenbach-Viertel mindestens zweimal vorbei.

Wenn es ganz dringend ist, kann ich dir heute Abend eine Krawatte vorbeibringen, bevor ich ins Kino gehe. Falls du so etwas profanes wie Kenzo oder Hugo trägst. Aber a Flascherl Wein wäre bei der Gelegenheit schnell getrunken :)

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Gast

das ist keine weinseite, das ist schwachsinn pur. und nicht ernst zu nehmen. weinforum.de

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Maat Küblbeck

Bin leider schon wieder auf dem Sprung, Wolfgang, aber wir holen das demnächst nach!

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charlie
restaurant heidelberg

Es ist so interessanter Artikel.Vielen Dank dafür! hier möchte ich eine gute Adresse für restaurant heidelberg vorschagen.Hoffentlich können Sie viele interessante Infos damit finden.
http://restaau.de/Search/City/restaurant-heidelberg.html

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Gastjuergen immer fidel

die weine, der laden und die küche sind top. der wirt allerdings ist ein richtiger nissiger stinkstiefel.

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