An Bord ist (wie soll ich es ausdrücken?) ein bisschen dicke Luft. Nicht wegen der Alkoholschwaden. Sondern wegen Maat Golenia und seiner Jogginghose.
Was als harmloser Trotzakt und Angriff auf nicht nur mein ästhetisches Empfinden begann, zieht sich nun schon tagelang hin. Er will einfach nichts anderes mehr anziehen. Dazu noch immer und schon wieder die x-te Flasche seines neuen Lieblings-Dornfelders.
Für mich ist klar, das kann so nicht weitergehen. Statt mich also weiter mit dem Anblick von textilgewordenem Erdöl mit drei weißen Streifen entlang des Hosenbeins zu foltern, lasse ich das Beiboot zu Wasser und paddle was das Zeug hält. Da das ohne Krawatte besser geht, habe ich die zuvor am Garderobenhaken in der Kombüse gelassen - eat this, Golenia!
Nur weg hier!
Wo ich jetzt zur Selbstrettung hinrudere, werde ich aber sowieso keine Krawatte brauchen. Mein Ziel ist ein Weinhandel und Restaurant im hippen Münchener Glockenbachviertel. Im Walter & Benjamin pflegt man genau jenen betont unkomplizierten Umgang, um den sich auch die besten Gourmet-Tempel derzeit bemühen. Und genau danach ist mir jetzt zumute.
Die Karte, und hier meine ich wirklich nur die mit den Speisen, ist erfreulich klein. Es gibt eine oder zwei Vorspeisen, einen Zwischengang, zwei oder drei Hauptgerichte und ein Dessert. Keine Menüs, keine Klassiker, kein Drumherum. Dafür ist aber alles frisch, alles immer anders, alles hausgemacht. Ein Menü zusammenstellen bedeutet dementsprechend, fast die gesamte Karte zu bestellen. Was irgendwie etwas angenehm abgehobenes hat.
"Schimmonet" geht immer
Um die Entscheidung zu befeuern und die anschließende Wartezeit zu verkürzen, gibt es ein Glas 2002 Blanc de Blancs von Gimonnet. Offen, für erfreulich kleines Geld. Obwohl noch ziemlich jung macht dieser Champagner schon jetzt unheimlich viel Spaß mit seiner nussig-röstigen Nase und der mineralischen Tiefe. Die strukturgebende Säure macht ihn darüber hinaus zum idealen Begleiter meiner Linsensuppe mit Parmaschinken und Sauerrahm. Ein zweites Glas ist unausweichlich.
Und so finde ich mich - gedanklich - unversehens wieder an Bord des Schiffes, wo der Konflikt zwischen Proletariat und Noblesse zwar nicht in Linse und Champagner, dafür aber in Jogginghose und Maßhemd ausgetragen wird. Zum Glück kommt in diesem Moment auch schon die freundliche Kellnerin, um die leeren Gläser wegzuräumen und Platz für den Hauptgang zu machen.
Weiter auf Seite 2...







Der Captain hatte Fisch, Maat Küblbeck. Und eine Gräte (rechts im Bild). Und er hat - wie immer - nicht aufgegessen. 




Wieder mal ein Schlückchen Kir Royal gefällig, Herr Generaldirektor Haffenloher ?
http://www.youtube.com/watch?v=T4hAY0vBEQA