02.03.11 RESTAURANTS 10 Einem Freund senden

Time to go: Zum guten Fraß ins Elsass

Elsass wie man es mag: Altmodisch für immer...Elsass wie man es mag: Altmodisch für immer...

Frühjahr und Elsass. Früher gehörte das für den Captain zusammen. Nicht jedes, aber jedes zweite Frühjahr. Nichts schöner, als in eine Gegend zu fahren, wo Wein wächst und man gut kochen kann. Doch irgendwann war dem Captain das Elsass zu altmodisch geworden. Nur Greise, die sich in Bussen durch die engen Strassen karren lassen. Und Liebespaare in ihrem zweiten Frühling. Oder honeymooning mit dem zweiten Lebenspartner, nachdem der erste flöten und das alte Leben zu Ende gegangen war. Als der Captain das andere Elsass sah, fuhr er regelmäßig ins Friaul.

Doch das andere Elsass ist eben nur ein Teil des Elsass. Freunde des Captain riefen ihn an und sagten: Komm mit ins neue Elsass, zu den jungen und interessanten Köchen; zu den neuen und nachdenklich-reflektiven Winzern (wer bitte soll das sein?). Doch der Captain lehnte ab. Er war nun selber alt, er wollte in das andere Elsass zurück, sein Elsass, das mit den Schmorgerichten und den fetten gereiften Rieslingen, die Maat Mally früh ins Grab bringen werden. Also fuhr der Captain wieder in das Elsass. Um nachzusehen, ob sein altes Elsass nach wie vor für den Erhalt der Tradition kämpft.

Alles wie immer

Natürlich tut es das. Es steht noch da, das alte Elsass. Mit seinen guten Restaurants, die noch Gerichte kochen, die keine Modernisierung brauchen. Sie wollen gar nicht überraschen. Und sie wollen auch nicht Teil einer Show sein. Sie wollen nur satt machen. Und das Sattmachen soll schmecken.

Die meisten Deutschen, das muss man leider sagen, verstehen einfach nicht, warum sie für eine Terrine vom Fasan, einen Rinderschmorbraten mit Nudeln und einen Blätterteigkuchen mit Apfel und Vanille 46 Euro zahlen sollen. Und das schon zu Mittag. Dazu kommt noch der Riesling, der Gewürztraminer, der Grauburgunder. Wenn man zu zweit ist, wandern leicht 150 Euro über den Tresen. Kopfschüttelnd stehen die Deutschen dann vor den Aushängen der Restaurants und wundern sich über die Preise. Nach dem Kopfschütteln steigen sie in ihren Audi A6 und fahren minutenlang von einem Aushang zum anderen, bis sie ein Lokal gefunden haben, das ein Steak mit Fritten für zehn Euro anbietet. Dann ist der Deutsche glücklich, er hat den geldgeilen Wirten eins ausgewischt.

Arme Japaner

Also sitzt man im Elsass gemeinsam mit Franzosen im Restaurant. Die fahren einen Clio. Und Italiener. Die entdecken gerade die Gegend. Keine Ahnung, wer ihnen das Elsass eingeredet hat. Wahrscheinlich ein Reisemagazin von Berlusconi. Viele Japaner auch. Die starren das Essen an und stürzen sich todesmutig auf Leber, Niere und Zunge. Nach einem Glas Pinot Gris, auf alten Flaschen hier noch Tokay genannt, sind sie betrunken und werden müde. Der Chauffeur muss sie dann zum Bus bringen. Arme Japaner.

Der Captain will jetzt nicht viel über Wein reden. Denn bei seiner Frühjahrs-Elsass-Reise trinkt er immer die gleichen Weine. Neues aus dem Elsass, wenn es denn was Neues gibt, trinkt der Captain in Berlin. Oder in Wien. An diesen Orten wird man von der mittelalterlichen Schönheit des Elsass nicht geblendet. Und kann auch mal unfreundlich votieren.

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Kommentare 10

Kommentare

Michael Pronay

In Sachen Haeberlin'scher Auberge de l'Ill hat der Captain einen kleinen Hinweis vergessen: den auf Serge Dubs, auf einen der besten Sommeliers dieses Planeten (war 1989 Weltmeister in Paris, ich hab' seine Performance dort staunend mitverfolgt), der übrigens auch austriakische Weine kennt und schätzt (auch wenn er in Illhaeusern keine verkauft) – und obendrein ein echter alter Freund.

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Gast

Ich kann dem Captain zu seiner Einleitung nur zustimmen. Wir deutschen geben Geld für Autos und Küchen aus, sparen aber beim Essen. Beim Geldausgeben für Küchen sind wir sogar Weltmeister, obgleich wir im Nationenvergleich am wenigsten selbst kochen. Hauptsache die Deko stimmt. Paradox und peinlich.

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Thomas Draschan (via facebook)

ch war da mal, da sind die hässlichsten häuschen der welt. kleine mit plastik verkleidete spiesserhüttchen mit holzimitat, schieferimitat oder ziegelimitat überzogen. und das essen war ungeniessbar. überladene interieurs in winzigen räumen. schimmlige wände. zum essen: stopflebern, schnecken, frösche. ich wäre fast verhungert. auch die landschaft ist von erschreckender hässlichkeit. es ist dort als würde es nie tag werden. nie wieder elsass.

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Gast

Mein kulinarischer Tipp für das Elsass: Alle unter 35-jährigen bekommen in ausgewählten Restaurants im Elsass (auch der Auberge de l'Ill) bis einschließlich 31.05.2011 Menus inkl. Champagner, Wein, Wasser und Café für einen im Vergleich zu einem "normalem" Restaurant-Besuch zwar preisintensiven, im Verhältnis zur Qualität aber wirklich günstigen Preis.

In der Auberge de l'Ill kostet das Formule Jeunes Menu z.B. 95 Euro (wie gesagt inkl. Champagner, Wein, Wasser und Café) und ist richtig gut (natürlich nicht ganz so gut wie das normale Menu oder à la carte). Es werden auch keine Schrottweine und Restposten serviert. Mitmachen tun u.a. auch das Au Cygne in Gundershoffen, La Fourchette des Ducs in Obernai, die Auberge du Cheval Blanc in Lembach, und - besonders gut - das Au Crocodile in Strasbourg.

http://www.etoiles-alsace.com/nos-offres/formule-jeunes.html

Für den Lunch zwischendurch auch empfehlenswert: Die Wistub du Sommelier in Bergheim und das L'Ami Fritz in Ottrott.

Ich kann die Begeisterung des Captain für die "gepflegte Langeweile" im Elsass sehr gut nachvollziehen. Ich finde das herrlich.

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Claus

Das hat er so richtig nett geschrieben der Captain. Mal endlich wieder ein nicht so gepresst auf Provo getrimmter Artikel. Ja das Elsaß und seine Kulinarik vermag selbst den Herrn Klimek auf Sanft zu stimmen, aufdaß er sein ewig Lamento über die "Rückständigkeit" der elsässer Winzer für einen Augenblick vergisst und sich auf das beschränkt was er so richtig gut kann: die Vermittlung einer kulinarischen Momentaufnahme. Ach wie gern wär ich dabei gewesen.

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5Terre schwelgt...

feine geschichte, danke, ich freue mich immer sehr, wenn ihr kulinarische geschichten bringt, gerade bei auberge de I´lll gerät 5Terre ins schwärmen, es ist genauso wie ihr schreibt ... für sehnsuchtsbekämpfung wird einmal heute die wäsche gewechselt, im kasten liegt eine schöne frühlings-tischdecke aus den frühen 90igern aus dem kleinen merchandising-programm der auberge

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Gast

Gut.
Machen Sie es wie die Elsässer, fahren sie nach Baden.

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Kerstin Knorpp (via facebook)

das hört sich sehr gut an! War schon lange nicht mehr im Elsass...

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andi401 träum...

da werden Erinnerungen wach!

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5Terre baden where?

baden bei wien?

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