Frühjahr und Elsass. Früher gehörte das für den Captain zusammen. Nicht jedes, aber jedes zweite Frühjahr. Nichts schöner, als in eine Gegend zu fahren, wo Wein wächst und man gut kochen kann. Doch irgendwann war dem Captain das Elsass zu altmodisch geworden. Nur Greise, die sich in Bussen durch die engen Strassen karren lassen. Und Liebespaare in ihrem zweiten Frühling. Oder honeymooning mit dem zweiten Lebenspartner, nachdem der erste flöten und das alte Leben zu Ende gegangen war. Als der Captain das andere Elsass sah, fuhr er regelmäßig ins Friaul.
Doch das andere Elsass ist eben nur ein Teil des Elsass. Freunde des Captain riefen ihn an und sagten: Komm mit ins neue Elsass, zu den jungen und interessanten Köchen; zu den neuen und nachdenklich-reflektiven Winzern (wer bitte soll das sein?). Doch der Captain lehnte ab. Er war nun selber alt, er wollte in das andere Elsass zurück, sein Elsass, das mit den Schmorgerichten und den fetten gereiften Rieslingen, die Maat Mally früh ins Grab bringen werden. Also fuhr der Captain wieder in das Elsass. Um nachzusehen, ob sein altes Elsass nach wie vor für den Erhalt der Tradition kämpft.
Alles wie immer
Natürlich tut es das. Es steht noch da, das alte Elsass. Mit seinen guten Restaurants, die noch Gerichte kochen, die keine Modernisierung brauchen. Sie wollen gar nicht überraschen. Und sie wollen auch nicht Teil einer Show sein. Sie wollen nur satt machen. Und das Sattmachen soll schmecken.
Die meisten Deutschen, das muss man leider sagen, verstehen einfach nicht, warum sie für eine Terrine vom Fasan, einen Rinderschmorbraten mit Nudeln und einen Blätterteigkuchen mit Apfel und Vanille 46 Euro zahlen sollen. Und das schon zu Mittag. Dazu kommt noch der Riesling, der Gewürztraminer, der Grauburgunder. Wenn man zu zweit ist, wandern leicht 150 Euro über den Tresen. Kopfschüttelnd stehen die Deutschen dann vor den Aushängen der Restaurants und wundern sich über die Preise. Nach dem Kopfschütteln steigen sie in ihren Audi A6 und fahren minutenlang von einem Aushang zum anderen, bis sie ein Lokal gefunden haben, das ein Steak mit Fritten für zehn Euro anbietet. Dann ist der Deutsche glücklich, er hat den geldgeilen Wirten eins ausgewischt.
Arme Japaner
Also sitzt man im Elsass gemeinsam mit Franzosen im Restaurant. Die fahren einen Clio. Und Italiener. Die entdecken gerade die Gegend. Keine Ahnung, wer ihnen das Elsass eingeredet hat. Wahrscheinlich ein Reisemagazin von Berlusconi. Viele Japaner auch. Die starren das Essen an und stürzen sich todesmutig auf Leber, Niere und Zunge. Nach einem Glas Pinot Gris, auf alten Flaschen hier noch Tokay genannt, sind sie betrunken und werden müde. Der Chauffeur muss sie dann zum Bus bringen. Arme Japaner.
Der Captain will jetzt nicht viel über Wein reden. Denn bei seiner Frühjahrs-Elsass-Reise trinkt er immer die gleichen Weine. Neues aus dem Elsass, wenn es denn was Neues gibt, trinkt der Captain in Berlin. Oder in Wien. An diesen Orten wird man von der mittelalterlichen Schönheit des Elsass nicht geblendet. Und kann auch mal unfreundlich votieren.







Elsass wie man es mag: Altmodisch für immer... 






In Sachen Haeberlin'scher Auberge de l'Ill hat der Captain einen kleinen Hinweis vergessen: den auf Serge Dubs, auf einen der besten Sommeliers dieses Planeten (war 1989 Weltmeister in Paris, ich hab' seine Performance dort staunend mitverfolgt), der übrigens auch austriakische Weine kennt und schätzt (auch wenn er in Illhaeusern keine verkauft) – und obendrein ein echter alter Freund.