21.01.11 WEINWISSEN 5 Einem Freund senden

Holzfrei leben. Setz Dich aufs Barrique

Gut Holz...Gut Holz...

Magnus Mewes liebt Wein. Noch mehr liebt er jene, die den Wein macht. Mit seiner Partnerin Carolin Bergdolt vom Weingut Klostergut St. Lamprecht freut er sich über ein ausgewogenes Holz-Verhältnis bei allen Weinen. Weg mit den intensiven Barrique-Bomben. Das ist eine neue Bewegung: Verzicht. Verbraucher verzichten auf Fleisch. Schuld daran ist der Dioxin-Skandal, Johnathan Safran Froer und Karen Duve.

Winzer verzichten auf neues Holz. Auf kleines Holz, Barrique genannt. Schuld daran: Die Finanzkrise, Robert Parker und die Frauen. Denn die Frauen trinken mehr Wein als je zuvor. Und das verändert den Ausbau der Weine. Denn Frauen mögen keine Holzbomben, keine tanninreichen Alkoholleichen, die nach Medium-Plus-Toasting riechen, als wäre es ein populäres Parfum von Hermès. Und ihre Männer müssen sich das dauernd anhören. Dass ihre Frauen/Freundinnen/Lebensabschnittspartnerinnen keine holzintensiven Weine mögen. Sondern eher die eleganten Säfte, durchaus fruchtbetont, aber eben leicht. Und leicht heißt Verzicht.

Unser Dank gilt also den Frauen. Deren Einfluss spüren auch die Fasshersteller, die Einbussen erleiden. Und es gibt auch wieder mehr Weinfässer am Markt. Sogar von viel mehr Anbietern, als je zuvor. Zudem gibt es Unmengen an gebrauchten Gebinden, auch solche, die vier Mal oder mehr befüllt wurden. Solche Fässer scheiden aus dem Kreislauf meistens aus.

Jetzt kommt Magnus Mewes ins Spiel. Er kauft die alten Fässer, zerlegt und behandelt die Hölzer und macht Stühle daraus, sehr schöne Stühle. Und Mewes erspart sich auch das teure Biegen, denn das hat schon die Tonnelerie übernommen. So ein altes Weinfass ist ein idealer Rohstofflieferant.

Und weil es innen vom Rotwein so schön verfärbt ist, lässt Mewes die Patina fast unberührt. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Jean-Pierre Moueix einen Petrus-Stuhl bei Mewes bestellt. Und seine alten Tarransaud-Fässer nach Deutschland schickt. Dem Captain scheint, hier tut sich für die deutsche Möbelindustrie ein völlig neues Geschäftsfeld auf.

Also weg mit dem ganzen Bauhaus-Scheiß. Holt euch die Fässer eurer Lieblingswinzer und macht Schwerter zu Pflugscharen, äh Fassdauben zu Sitzgelegenheiten. Und bettet eure Ärsche auf den Ablagerungen des badischen Spätburgunders. Solange ihr nicht im Fass leben müsst. Wie einst Diogenes. Aber auch da wird sich ein Designer bald etwas einfallen lassen. Verzicht ist angesagt.

Mehr Infos zu den Stühlen gibt es hier.



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Kommentare 5

Kommentare

Thomas Faschingeder (via facebook)

na solang der popo nicht medium-plus getoastet wird...

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Alex - Blindtaster inspiriert!

Find ich klasse, aber auch teuer.

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IrisLisson hoffnungsvoll;-)

ich färb ihm gerne die Fässer ein, bei entsprechender Bezahlung:-)!

Die passenden Tische haben wir schon selbst gemacht:

http://weingut-lisson.over-blog.com/article-26869571.html

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Iris Rutz-Rudel (via facebook)

auch nicht schlecht, wenn man entspannt im Barriquesessel seinen Wein genießen will:

http://www.bourgogne-live.com/2010/10/225-litres-une-nouvelle-collection...

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Smilla

mein Favorit ist die Kombination Edelstahl - Barrique
Den Stuhl finde ich besonders stark.

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