24.03.10 WEINE 7 Einem Freund senden

Wein der Woche (2): "M" von F.X. Pichler

Die Wachau. Wunderbares Foto von der wunderbaren Homepage von F.X. PichlerDie Wachau. Wunderbares Foto von der wunderbaren Homepage von F.X. Pichler

Zuerst: Ein großartiger Wein. Ein Erlebnis. Der Grüne Veltliner "M" von F.X. Pichler aus der Wachau in Niederösterreich. Der alte Grantler Pichler.

Pichler ist "der" Star der Wachau, wiewohl andere Winzer, wie Namensvetter Rudi Pichler, Knoll, Altmann (Jamek), Prager, oder Hirtzberger gleichwertig gute Weine keltern (und auch alle verkaufen), ist Franz Xaver Pichler aus heute nicht mehr näher nachvollziehbaren Gründen zum prominentesten Weinmacher der Wachau geworden. Mittlerweile ist er fast 70. Und immer noch ein fesches Mannsbild.

Der Veltliner "M" zählt zu den teuren Spitzenweinen von Pichler. Das Jahr 1998 war kein gutes Weinjahr. Kalt, nass, Botrytis. Man wollte den Jahrgang schnell über den Ladentisch haben. Und das Geld in die Taschen. Ähnlich 2008. Der Unterscheid damals: In schlechteren Jahren kosteten die Weine weniger Geld. Dieser "M" war damals zwar kein Schnäppchen. Aber leistbar.

Grüner Veltliner - Ausnahmewein

Im Glas ein öliger Wein mit deutlichen Schlieren. In der Nase dann Kälte und Mineralik, deutliche Zitrustöne, Wiesenhonig, ein Raumspray nach Tannen duftend, etwas Rauke, geräucherter Speck, kalter gewaschener Aschenbecher in einem Lokal das gleich schließt, etwas nasses Wischtuch, Löwenzahn, Kamille und Kleenex Tissue (das aus der Box), nachfolgend auch Minze.

Im Mund Zitronendrops, Eibisch (auch in der Nase), Diamant, Kristall, Kiesel, Schiefer. Später ein Hauch einer sehr guten Räuchersuppe. Am Anfang ein langer Nachhall, ein direkter, gewaltiger Wein, der den nebenbei dazugestellten Chassagne Montrachet 1996 von Bernhard Morey auf die Plätze verweist, ein eindeutiger Sieger, eine Granate, "das" pure Trinkvergnügen, ein Hammer, eine Wucht, Größe, Traum, Kotau.

Und nach zwei Stunden war er tot. Aber egal, weil ausgetrunken. Der Chassagne hielt im Glas. Auch egal, weil auch ausgetrunken.

Grüner Veltliner und Österreich: Eine Ehe, die hält

Dieser enorm vergnügliche Wein aus einem mittelmäßigen Weinjahr lässt Fragen aufkommen, die den Captain schon lange bewegen.

1.) Wer braucht österreichischen Riesling, wenn er so einen tollen, sortentypischen, perfekten und derart im Land geerdeten Sensationswein wie diesen Veltliner haben kann? Kein österreichischer Riesling, auch die besten, machen dem Captain solch ein Vergnügen, wie die fantastischen Veltliner des Landes. Vor allem dieser "M".

2.) Soll man mächtige Weine aus (nicht nur) mittelmäßigen Jahren nicht einfach in den Keller legen und in einen anderen Zustand kommen lassen? Ist das Gerede, einen schlechten Jahrgang schnell wegtrinken zu müssen, grundfalsch (wir reden hier nur von Premiumweinen). Dieser "M" war im Jahre 2002 ein fader Saft, der kein Vergnügen bereitete. Freilich halten Weine aus fragwürdigen Jahren nicht lange im Glas. Doch diese Stunde Vergnügen wiegt alles wieder auf.

3.) Sollten die österreichischen Winzer nicht mehr noch von diesen Premiumweinen produzieren? Die gegenwärtige Menge reicht ja nicht mal für den Inlandsmarkt aus. Richtige Premiumveltliner wie dieser "M". Und nicht etwas In-Between. Wird hier wieder versäumt und vergeben, wie es in Österreich so oft der Fall ist?

Also...?

Grüner Veltliner "M" von F.X.Pichler aus dem ebenfalls umstrittenen Jahr 2008 (14,5 % Alkohol) für 49,90 Euro bei Weinshop24. (Deutschland und Österreich).

Der Captain emphiehlt auch noch mehr Weine aus Österreich und rät den Matrosen außerdem dazu, einmal einen Blick auf die anderen Weine der Woche zu werfen.



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Kommentare 7

Kommentare

riesling|blog

ad 1.: Zustimmung bis auf eine Ausnahme - Emmerich Knolls Rieslinge schlagen für meinen Geschmack seine fabelhaften Grünen Veltliner und sind derart eigenständig, wie sonst kein anderer österr. Riesling.

ad 2.: Jein, ich habe schon grandiose deutsche Rieslinge (restsüße!) aus 1991 und 1992 getrunken, aber deutlich weniger gute als schlechte. Dito 1996, 2004.

ad 3.: Nein! "Premium" bedeutet immer auch mehr Alkohol und genau das braucht weder Grüner Veltliner noch Riesling oder Silvaner. Alle drei Sorten gefallen mir im trockenen Bereich mit 12 - 13 % vol. deutlich besser als die Dickschiffe. Zwar verträgt insbesondere GV eine gute Portion Alkohol viel besser als der Riesling, aber notwendig ist das nicht. Bestes Beispiel der 07er Lamm von Schloss Gobelsburg, den es am WE zum Essen gab. Ein Prachtkerl, aber deutlich zu viel Alkohol.
| http://riesling.blogg.de |

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Florian Holzer (via facebook)

war die frage rhetorisch gemeint, warum nicht mehr "m" produziert wird, und die ösis, diese flaschen, wieder mal alle chancen versemmeln, ey? nur zur erinnerung: der m ist eine selektion reifster beeren der besten lagen. wären die beeren nicht so reif, nicht so streng selektiert oder auch aus weniger guten lagen, tja dann wärs halt kein "m".

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Der Captain (via facebook)

stimmt schon. aber sollte österreich nicht mehr noch solcher exzellenz-weine produzieren? ähnlich wie es das burgund oder sogar die winzer im friaul machen?

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gottfried

tolle wein beschreibung (degu notiz). alle achtung.

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Frank Seiffrath (via facebook)

"ein leerer, aber ungereinigter Aschenbecher" - hoffentlich nicht zu vordergründig ;-)

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Mo3000

Wie schmeckt eigentlich Diamant?

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weinspitz ...lächelt.

Weinbeschreibungen wie ein Tom Waits Song...

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