Marek Spalek ist Önologe. Marek Spalek trägt einen schicken Armani-Anzug. Marek Spalek arbeitet als Geschäftsführer für einen lokalen Oligarchen, der zwischen Mikulov und Znojmo das „Neue Weingut" (Nove Vinarstvi) auf die grüne Wiese gestellt hat.
Und neu bedeutet neu.
Die Blechhalle des Weinguts trägt nirgendwo Design, dafür sind die Flaschen des Unternehmens von einem der besten Grafiker des Landes gestaltet - schön und beliebig, international einsetzbar. Das alles wirkt so austauschbar und unpersönlich, dass man seine Vorurteile recht intensiv im Zaum halten muss. Insgesamt keltert man im Neuen Weingut etwa 300.000 Flaschen, die fast alle in der Slowakei und Tschechien getrunken werden. Ein kleiner Teil geht nach Holland und Dänemark, offene Märkte für die Weine der neuen Länder.
Nun könnte man sich hier mit der Erzeugung mittelmäßiger und standardisierter Weine begnügen, doch der Geschäftsführer Spalek, der auch Önologe ist, hat seinen Kellermeister Lubomir Skryval angewiesen, das Besondere zu suchen, ohne die Masse zu vergessen. Der geldgebende Oligarch steht hinter dem Vorhaben.
Radikal die Linie: Es gibt 22 Kreationen, alles Weiß- oder Roséweine, alle werden im Stahltank vergoren, alle haben Schraub- oder Glasverschluss. Jede önologische Tradiertheit wird abgeschafft.
Die 35 Mitarbeiter werden nach der Qualität bezahlt und nicht nach der Menge, die sie aus den Parzellen bringen. So ist das Lesegut meist einwandfrei. Alle 103 Hektar des Weinguts sind Neuauspflanzungen, ein enormes Investment. Das alles wirkt wie ein Meilenstein für die Gegend, etwas, das Selbstbewusstsein schaffen soll, Unternehmerschaft mit Kreativität paaren will. Diese Blechhalle im Feld demonstriert eine Zeitenwende. Nicht mehr, nicht weniger. Nicht jeden gefällt´s.
Spalek schenkt zuerst den „Chauffeurwein" ein, den „Leger", ein Riesling mit 5 % Alkohol und 108 Gramm Restzucker, also ein Produkt deutscher Stilistik. Der Wein hat alles was man will: Pures Trinkvergnügen ohne gleich betrunken zu machen, einen sortentypischen Abgang und eine Nase, die sich etwas außerhalb der Spezies bewegt und den Wein interessanter macht, als er ist. Die 10.000 Flaschen dieses Nischenprodukts sind stets im Handumdrehen verkauft.
Der Rosé vom Merlot (12 % Alkohol, kaum Restzucker) schlägt in die gleiche Kerbe. Auch er ein Nischenprodukt, auch er für den jungen, modernen Weintrinker gemacht, für jene, die sich im Prager Szenerestaurant „Kampa Park" im Glanz des ökonomischen Erfolges sonnen. Der Rosé duftet nach Erdbeeren und Cassis, er ist extrem fruchtig, saftig und gefällig. Spalek war anfangs unglücklich über die Rotweintrauben, eine Auspflanzung, die unüberlegt vorgenommen wurde. Doch Dank des Rosé-Booms kann er jetzt mit den ausländischen Weinen konkurrieren.
Danach geht es in höherwertige Regionen, die Cuveé Travesti (11,5 % Alkohol) besteht aus St. Laurent und Blaufränkisch (Lemberger), die beide weiß gekeltert wurden. Spalek nennt sie „verkleidete Weine", deswegen auch der Name „Travesti". Ein leichter Schimmer Rosé lässt ahnen, um welche Trauben es sich hier handelt. Der St. Laurent bringt überraschende Noten von Kohlrabi mit in die Nase.
Der Chardonnay Ce´Page (alle Weine aus 2007) ist der erste Wein, der sein will, was er ist. Ein klassischer, total auf Frucht ausgerichteter Speisenbegleiter (12,5 % Alkohol). Doch auch hier wirken die Kontraste etwas angezogen, er ist deftiger und leckerer. Und er duftet extrem nach exotischen Früchten, nach Ananas und Lychee. Es scheint so, dass allem, was Spalek und Skryval keltern, etwas Außergewöhnliches anhaften muss.
Der Paradewein des Guts ist der Riesling Lange Warte (11,5 % Alkohol und hohe Säure) aus einem Weingarten direkt an der Grenze zu Österreich - die Warnschilder und Grenzsteine stehen direkt neben den Rebstöcken. Die Kreation aus 2005 bekam vom Fachmagazin Decanter im Jahr 2006 die Silbermedaille. Und es ist ein außergewöhnlicher Wein, elegant, mit Noten von Pfeffer und Kümmel, mit dem Duft nach Kamille, mit dem Geschmack nach Weingartenpfirsich und nach Zitrusfrüchten. Dann, je länger er offen dasteht, Kräuter, Kräuter, Kräuter. Das ist ein Goldstück in einem Showroom önologischer Moderne. Und mit etwa 30,00 Euro je Flasche auch ein Wein für die Eliten des Landes. Er sagt: wir Tschechen können Wein machen.
Weine des Nove Vinarstvi bei weinsegler.de
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Kein Stahlwerk, sondern ein Weingut 





Oft war ich schon beim morgendlichen Lesen der Captain´schen Weinkommentare versucht, den Kaffee gegen ein Glas Wein der Woche zu tauschen. Und jetzt am Sonntagabend, Primetime für einen netten Begleiter im Glase, lässt mich die Geschichte kalt. Auch nicht ein Quäntchen Neugier auf die neuen Tschechen macht sich breit. Mir kommt das „neue Weingut“ zu konstruiert und herzblutarm rüber. Nicht mein Fall.