Bevor das große Geschrei beginnt gleich eine Richtigstellung: Italien macht fantastische Weine! Das Selbstbewusstsein italienischer Winzer ist ungefähr so groß, wie das Selbstbewusstsein deutscher Autobauer. Noch dazu sind die Kulturlandschaften Italiens (Piemont, Toskana, Umbrien, Marken, Veneto, oder Friaul) wesentlich schöner, als die Kulturlandschaften Frankreichs, der bekanntesten Weinnation der Welt. Durch italienische Weingärten spazieren ist für den Captain immer auch ein landschaftlicher Genuss. Nirgendwo geht Leib und Seele so gut zusammen, wie in Italien. Der Captain macht ja selber Wein in Italien, also muss er wissen, wovon er spricht. Er spricht von einem Sehnsuchtsland.
Der Captain hat den Aufbruch Italiens mitbekommen. Als der Bastflaschen-Chianti verschwand und der moderne "Supertuscan" an seine Stelle trat. Die Zeit zwischen 1985 und 2001 war die beste Zeit des italienischen Weinbaus. Nicht nur in der Toskana (aber vor allem dort), sondern auch im Piemont und im Friaul. Und nicht zu vergessen auch in Sizilien. Das erste Mal überhaupt kamen trinkbare Weine internationalen Formats aus Sizilien.
Wer erinnert sich nicht gerne an den Solaia 1990, an den Bric del Fiasc 1996, an den Ronco dei Roseti 1995, an den Sori Tildin 1989, an den Ornellaia 1999, an den Monfortino 1999? Und an viele mehr. Was für Weine -Weltklasse!
In ihrem Schlepptau kamen auch viele andere gute Weine daher. Standardprodukte, oft Industrie. Aber auf einmal schmeckte auch die Tenute von Antinori lecker (vor allem der 97er und der 99er). Und sie waren alle irgendwie noch leistbar. Doch um die Jahrtausendwende begann die Wende beim italienischen Wein.
Denn nach all den verdienten Erfolgen, nach dem irren Aufschwung italienischer Weine (der mit dem Aufschwung spanischer oder österreichischer Weine Hand in Hand ging - die deutschen Winzer folgten erst spät dieser Bewegung) kam die satte Zufriedenheit. Und das, was der Captain die italienische Schlitzohrigkeit nennt.
Die Italiener können sich unheimlich anstrengen. Mehr noch, als die Deutschen. Wenn sie der Welt ihr Können beweisen wollen, dann sind die Italiener eigentlich unschlagbar.
Die Winzer warfen sich enorm ins Zeug
So war es auch beim Aufschwung italienischer Weine. Die Winzer haben sich enorm ins Zeug geworfen, jedes Jahr kamen neue spannende Weine auf den Markt. Und gemeinsam mit dem größten nationalen Bewerter (Gambero Rosso) und mit dem größten internationalen Bewerter (Robert Parker) gelang es, den italienischen Winzern ihre Weine (auch die mittelmäßigen) zu Marken zu machen (da sind sie den Franzosen um Lichtjahre voraus). Und alles zu verkaufen. Anfänglich noch sehr günstig.
Ab 1995 stiegen die Preise. Teilweise enorm. Angelo Gaja und Roberto Voerzio eiferten dem Bolgheri-Prinzip nach (Sassicaia, Ornellaia, Masseto - alle von Beginn an hochpreisig). Ama, Olena, Felsina (und viele andere mehr) zogen in der Toskana die Preisschrauben an. Alles ging nach oben. Eine Zeit lang konnte man da mit seiner Brieftasche noch mithalten.
Doch dann verschwanden viele italienische Weine aus der Reichweite des einfachen Konsumente. Gute Weine, die einst erschwinglich waren. Und an ihre Stelle traten die Süditaliener, die Nero d´Avolas (die dem Captain nie geschmeckt haben), oder die Sizilianer. Bis die auch teurer wurden. In der Mitte gab es nichts mehr. Das war der Grund, warum der Captain in Italien mit dem Weinmachen begann. Er wollte für sich und seine Freunde einen Wein machen, den man vergnüglich trinken kann und der noch leistbar ist.
Dann kam der Qualitätseinbruch
Dann kam der Qualitätseinbruch. Man soll dem Captain nicht erzählen, dass der Sassicaia 2005 sein Geld wert wäre - 130 Euro (mindestens). Oder der Tignanello 2003 (110 Euro aufwärts). Oder der einfache Gaja Barbaresco aus 2002 (130 Euro aufwärts). Und dann der Masseto 2006 (140 Euro aufwärts). Gute Weine, ohne Zweifel. Aber auch langweilige Weine.
Das gilt leider auch für ein paar Lieblingswinzer des Captain. Für Paolo de Marchis Ceparello (2002-2005), für Castello di Amas Apparita, für Felsinas Rancia, für den Fontalloro, für viele andere.
Das Piemont mag noch ein bisschen engagierter keltern, doch auch hier plagt dem Captain die Langeweile auf hohem Niveau. Spannendere Weine kommen inzwischen aus Spaniens nördlichen Regionen, aus dem Languedoc, von der Rhone, aus Portugal und aus Deutschland. Ja! Aus Deutschland!
Italienische Winzer sind wie Berlusconi
Andrea, des Captains Önologe in Italien, beschreibt das Verhalten seiner Landsleute als Genusssucht. Andrea meint, dass der Italiener (wenn es "den Italiener" bei so viel Regionalismus überhaupt gibt) den Erfolg anstrebt und nach Erreichen dieses Erfolgs ein möglich leichtes Leben haben will. Die italienischen Winzer, so Andrea, sind wie Berlusconi, wie das ganze Land. Sie leben noch in den wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten und scheuen jede Anstrengung. Ihr Konzept ist ja gut aufgegangen, nun tut man das Nötigste, mehr nicht.
Das, so meint der Captain, schmeckt man auch. Und deswegen macht er sich jetzt einen Rotwein aus der Pfalz auf. Mitunter spannender, als alles aus Italien. Selbst wenn es das Dreifache kostet.
P.S.: Natürlich wird sich das wieder ändern. Italien wäre nicht Italien, wenn es sich nicht an den eigenen Haaren aus der Scheiße ziehen könnte.
Hier noch fünf erschwingliche italienische Weine für den Alltag:
- Chianti Ruffina 2007 von Selvapiana. Ein Wein eines italienischen Traditionalisten. Großes Holz, elegant, schöne Säure. Für 10,20 Euro bei Kia Ora
- Lambrusco Reggioano Concerto 2007. Wer glaubt, Lambrusco sei eine Trottelplörre, der irrt nicht immer. Hier irrt er aber sicher, denn dieser trockene und helle Rote ist eine idealer Begleiter zu leichten Speisen. Irre fruchtig Für 5,99 Euro bei Weinhandel Italien
- Chianti Rocca Guiccarda Riserva 2006 von Ricasoli. Ein klassischer Chainti, recht mächtig und ein feines Trinkvergnügen. Viel Beeren, etwas Kräuter, sehr terroirbetont und eine elegante Note von (meist gebrauchtem) Holzfass. Für 14,95 Euro bei Vinateria
- Merlot Vistorta 2006. Ein frisches Weingut aus dem Friaul, der nordöstlichsten Provinz Italiens. 100 % Merlot, neue Stücke, deswegen viel Frucht und sehr elegantes Holz. Kann mit der Oberliga (Masseto) durchaus mithalten. Und ein Zehntel des Preises. Für 21,90 Euro bei Wein&Co
- Dolcetto Dogliani 2007 von Bricco Rosso. Der Dolcetto ist ein Wein, den man jung trinken soll. Dieser 2007er ist am Punkt und ein Vergnügen mit Frucht und Erde. Kein Holz, kaum Lagerfähigkeit. Also nicht aufheben. Und auch nicht dekantieren. Trinken! Für 9,80 Euro beim Berliner Kurier
Der Captain empfiehlt bei allen Rotweinen eine Trinktemperatur von 16-18 Grad (Ja, etwas kälter als die meisten glauben!). Vermeiden sie warme Rotweine. Mehr dazu hier.
Der Captain betont, dass er bei keinem der hier angebotenen Weine auch nur einen Cent verdient. Die Empfehlungen sind journalistischer Natur und nicht Teil einer Bereicherung.
Hier gibt es außerdem noch mehr über italienische Weine zu erfahren.







Italien steht Kopf. Der Captain findet die Weine nicht mehr gut genug 





Das klingt nach Rache. Wer ist dem Captain da auf die Zehen gestiegen? Sehr subjektives Geschreibsel. Und vieles falsch. Zugegeben, die Tendenz ist richtig erfasst.