25.11.09 WEINWISSEN 19 Einem Freund senden

Wein weg: Wer sammelt unsere Weine?

Wer speichert dieser Hände Arbeit?Wer speichert dieser Hände Arbeit?

Er ist eine Legende. Der Blaufränkische Ried Mariental aus dem Jahr 1986. Von Ernst Triebaumer aus Rust im österreichischen Burgenland. Triebaumer ist einer der besten Winzer des Landes. Sein Ried Marienthal 1986 hat den Weinbau der Alpenrepubik verändert, hat gezeigt, dass man in Österreich hochwertigen Rotwein machen kann. Ein Einzelstück.

Willi Klinger, der neue Chef der Österreichischen Weinmarketing, der offiziellen Vermarktungsagentur önologischer Leistungen, hat diesen 86er getrunken. Aus der Magnumflasche. In Berlin. Dort lag noch eine herum. Was soll man sagen? Ein Wucht.

In der Nase ein Duft, wie ein Bordeaux aus einem großen Jahr. Auf der Zunge eine verhaltene, sehr elegante Frucht. Am Gaumen genug Kraft für ein langes Finish. Dieser Ried Mariental ist einer der besten Weine der Welt. Unbestritten. Und irgendwo liegen sicher noch ein paar Flaschen herum. Die wenigsten beim Winzer, der hat kaum noch welche. Triebaumer hat gar nicht geahnt, welche Bedeutung sein Wein einmal für das nationale Erbe haben würde. Keiner hat das geahnt. Jetzt ist es zu spät.

Und Klinger redet auch von den anderen grossen Weinen Österreichs, vor allem von der Vinothekenfüllung des Grünen Veltiner 1990 von Emmerich Knoll aus der Wachau. Auch so eine singuläre Großartigkeit dieses Landes. Von den vielen anderen Weinen der letzten Jahre ganz zu schweigen. Wissen die Winzern überhaupt, was sie im Keller haben? Und haben sie was zurückgelegt?

Alle guten Winzer einer großen Weinregion haben sich aufgehoben, was ihnen als das Beste galt. Überall ist das so. Im Bordeaux, im Burgund, in der Toskana, im Piemont. Bei Knoll in der Wachau gibt es von der 90er Vinothekenfüllung genau noch eine Flasche. Eine einzige. Das ist fahrlässig.

Deswegen will Klinger ein österreichisches Weinarchiv gründen und bestücken. Er will von diesen Flaschen österreichischer Legenden zusammenkaufen, was noch zu kaufen ist (vieles liegt ja unerkannt in den Kellern privater Sammler oder  Restaurants), dann Jahr für Jahr neu verkosten und die Entwicklung protokollieren. Das wäre endlich ein angemessener Umgang mit Leistung und Können. Und ein Weg, aus dem Vergangenen für die Zukunft zu lernen.

Die gleiche Frage, die Klinger in Österreich stellt, kann man in Deutschland stellen. Jetzt. Denn der Aufbruch des deutschen Weins zur Weltspitze ist gerade mal zehn Jahre alt. Doch die Frage stellt auch hier keiner, schon sind ältere Jahrgänge einiger guten Weine kaum mehr erhältlich.

Das wäre eine Aufgabe für alle die Kämmerer und Verwalter, die sich wichtigtuend breit machen. Ein nationales Weinarchiv, eventuell Vorbote eines europäischen Weinarchivs. Protokoll eines Aufstiegs.



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Kommentare 19

Kommentare

Eckhard Supp

Prima Idee, nur leider hat Deutschland keine ÖWM und keinen Wille Klinger, sondern nur ein DWI .... Alles klar?

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Mister Spuck ... zweifelnd

Ich bin fürs Austrinken. Zack, weg. Wie die Liebe, ein Kuss, das ganze Leben. Ich bin für die schöne verblassende Erinnerung. Wein ist wirklich nichts fürs Museum. Da ist alles tot.

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Michael Liebert nachdenklich...

Es gibt doch so einen Verrückten (nett gemeint!), der Jahr für Jahr die besten deutschen Rieslinge einlagert und dann jeweils 10 Jahre später eine große Probe der besten Rieslinge des Jahres organisiert. Die nächsten Jahre dürfte das extrem spannend werden, einen Blick auf die Weine vor 10 Jahren zu werfen...

Wie soll man so ein Archiv zustande bringen, wenn auch ein Weinverrückter wie Willi Klinger ein entdecktes Kleinod lieber sofort aufmacht...

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pivu

Und genau diese Proben (meinst Du die Bernhard-Breuer-Trophy?) enttäuschen ein auf's andere Mal. Da ist's oft besser den Nimbus der Großartigkeit zu behalten als ihn platzen zu lassen.

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Michael Liebert fragend...

Kann man Wein überhaupt archivieren, wie Bücher und Schallplatten? Der Wein lebt und vielleicht sollten wir eher die Erinnerungen an große Weine archivieren?

Ich sammle übrigens nur leere Flaschen... Denn erst eine leere Flasche assoziiere ich mit einem Geschmack, mit einer Faszination, mit einem Gespräch, mit einem tollen Abend...

Wenigstens einen Teil dieser Eindrücke versuche ich mit meinen Weinbeschreibungen mit anderen zu teilen...

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Florian

Ich finde die Idee gut, denn die Übertreibung hebt den Stellenwert und sichert den Bestand des Status. Downgrading ist überall unterwegs, da kann eine Datenbank, ein Museum, ein Archiv sichern helfen, was erreicht wurde.

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pivu

Ich würde sogar meinen Keller zur Aufbewahrung zur Verfügung stellen.

Aber ernsthaft: haben nicht eh fast alle Weingüter, die dafür in Frage kommen, ihre eigenen Archive? Wenn die ÖWM sowas für Marketingzwecke braucht, denn das ist deren Mission, tun's auch leere Flaschen, als eine Art Museumsstück. Und ein paar G'schichtern um die betreffenden Weine.

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Florian

Nein, es ist eben nicht der Fall, dass alle Weingüter genügend Weine aufbewahren.

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ardbeg gänzlich subjektiv

Ich halte es mit Mister Spuck. Der Wein lebt nicht allein von seinem Eigenleben in der Flasche, sonder auch von der Gesellschaft in der er getrunken wird, vom begleitenden Essen oder schlicht von der momentanen Stimmung des Konsumenten bzw. seinen ganz persönlichen Vorlieben. Wein kann man nicht in ein Museum stellen, dazu müsste man diese Flaschen zu seelenlosen, wiederholbaren, abrufbaren Werteplatzhalter reduzieren.
Ein allgemeingültiges Weinarchiv? Ich sehe schon den Captain und Herrn Parker an den einzulagernden Flaschen diskutieren…

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Der Captain

Sehe ich nicht so. Die Leerung der Flasche Mariental, bei der ich anwesend sein durfte, hat mich eines Besseren belehrt. Dieser Wein ist viel zu früh von der Bildfläche verschwunden. Wie viele andere Weine auch. Es geht ebenso um Leidenschaft, wenn man mehr noch dieser Weine weglegen will. Und ihre Entwicklung beobachten. Die Franzosen haben das immer schon gemacht. Und deswegen gibt es auch großartige alte französische Flaschen im Handel und bei den Chateaus im Keller. Sicher, zugegeben, haben die Franzosen und die Italiener immer andere Mengen produziert. Aber sie haben ein nationales Erbe in Besitz. Und deswegen wird ihr Wein, werden ihre Winzer auch ernstgenommen. Deswegen ist die Moselbrücke in Deutschland möglich. Und in Frankreich nicht. This goes in that, and this goes in that and then is hardcore..#Pulp..

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ardbeg pah!

Es ist etwas anderes, wenn ein Produzent seine Flaschen archiviert und damit der Nachwelt erhält. Dieses spezielle Weingut gibt sich damit Wertigkeit und glaubt an seine Beständigkeit. Das ist etwas ganz anderes als ein Weinmuseum. Vielleicht fehlt es den Österreichern und den Piefkes am Selbstbewußtsein? Lieber im Museum unter der Aufsicht eines buckligen Kustoden verrotten als selber an sich glauben und darauf bestehen, daß die Welt noch in 10 bis 100 Jahren auf einen wartet?

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Der Captain

In Frankreich glauben aber nicht nur die Chateaus an ihre Weine, sondern tausende Sammler und Gastronomen, die diese Weine horten und nach und nach trinken. Und diese Verfolger tauschen sich dann ihre Erlebnisse aus. Das ist der Unterschied zu Deutschland und Österreich. Hier sind es vielleicht hundert, mehr nicht.
Soll man also warten, bis sich in den beiden Ländern endlich genug Leute gefunden haben, die die Wertigkeit des Weins erkennen (noch dazu in Deutschland, wo viele Weintrinker immer noch deutschen Wein verachten)? Oder soll man eine Institution einrichten, die bis zum Moment der Erkenntnis die Weine archiviert, regelmäßig verkostet und darüber referiert. Mich würde das sehr wohl interessieren..

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Reblaus Nord

Sehr feine Idee!
Wird aber zumindest in A an den kleinen Produktionsmengen der Topweine scheitern!
Oder schlicht weg an der Lust am Genuss.
Es ist eben schwer zu wiederstehen den guten Weinen meist ist die letzte Flasche eines Weines die Beste.
Aber man muss sich trösten den besser "Kindermord" als "Leichenschmaus".

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Der Captain

Auch hier muss ich Widersprechen. Auch von kleinen Produktionsmengen muss es möglich sein 200-400 Flaschen (je für Winzer und Archiv) zu sichern. Das Archiv müsst ja aufkaufen dürfen. Und nicht geschenkt bekommen..

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syl

wer einmal versucht hat, eine ö-degu mit raritäten zu veranstalten, weiß wie schwierig das ist. aus allen ecken mühselig zusammenstoppeln mit dem risiko schlechter lagerhaltung.

danke, willi für diese idee! bitte unbedingt umsetzen.

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Mister Spuck ... befremdet

Wer ist dieser Willi, den hier alle anbeten? Scheint bei den Österreichern ein Heiliger zu sein, eine Art Schutzpatron der Veltlinerreligion. Oder sogar Hofrat...?

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syl

angehender kommerzialrat ...
chef von www.oesterreichwein.at

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Mister Spuck ... dankbar

Aha. Danke.

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Oliver (via facebook)

Gute Idee. Vielleicht im Keller der Nationalbibliothek. Wein wird ja auch gelesen ;-)

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