Er ist eine Legende. Der Blaufränkische Ried Mariental aus dem Jahr 1986. Von Ernst Triebaumer aus Rust im österreichischen Burgenland. Triebaumer ist einer der besten Winzer des Landes. Sein Ried Marienthal 1986 hat den Weinbau der Alpenrepubik verändert, hat gezeigt, dass man in Österreich hochwertigen Rotwein machen kann. Ein Einzelstück.
Willi Klinger, der neue Chef der Österreichischen Weinmarketing, der offiziellen Vermarktungsagentur önologischer Leistungen, hat diesen 86er getrunken. Aus der Magnumflasche. In Berlin. Dort lag noch eine herum. Was soll man sagen? Ein Wucht.
In der Nase ein Duft, wie ein Bordeaux aus einem großen Jahr. Auf der Zunge eine verhaltene, sehr elegante Frucht. Am Gaumen genug Kraft für ein langes Finish. Dieser Ried Mariental ist einer der besten Weine der Welt. Unbestritten. Und irgendwo liegen sicher noch ein paar Flaschen herum. Die wenigsten beim Winzer, der hat kaum noch welche. Triebaumer hat gar nicht geahnt, welche Bedeutung sein Wein einmal für das nationale Erbe haben würde. Keiner hat das geahnt. Jetzt ist es zu spät.
Und Klinger redet auch von den anderen grossen Weinen Österreichs, vor allem von der Vinothekenfüllung des Grünen Veltiner 1990 von Emmerich Knoll aus der Wachau. Auch so eine singuläre Großartigkeit dieses Landes. Von den vielen anderen Weinen der letzten Jahre ganz zu schweigen. Wissen die Winzern überhaupt, was sie im Keller haben? Und haben sie was zurückgelegt?
Alle guten Winzer einer großen Weinregion haben sich aufgehoben, was ihnen als das Beste galt. Überall ist das so. Im Bordeaux, im Burgund, in der Toskana, im Piemont. Bei Knoll in der Wachau gibt es von der 90er Vinothekenfüllung genau noch eine Flasche. Eine einzige. Das ist fahrlässig.
Deswegen will Klinger ein österreichisches Weinarchiv gründen und bestücken. Er will von diesen Flaschen österreichischer Legenden zusammenkaufen, was noch zu kaufen ist (vieles liegt ja unerkannt in den Kellern privater Sammler oder Restaurants), dann Jahr für Jahr neu verkosten und die Entwicklung protokollieren. Das wäre endlich ein angemessener Umgang mit Leistung und Können. Und ein Weg, aus dem Vergangenen für die Zukunft zu lernen.
Die gleiche Frage, die Klinger in Österreich stellt, kann man in Deutschland stellen. Jetzt. Denn der Aufbruch des deutschen Weins zur Weltspitze ist gerade mal zehn Jahre alt. Doch die Frage stellt auch hier keiner, schon sind ältere Jahrgänge einiger guten Weine kaum mehr erhältlich.
Das wäre eine Aufgabe für alle die Kämmerer und Verwalter, die sich wichtigtuend breit machen. Ein nationales Weinarchiv, eventuell Vorbote eines europäischen Weinarchivs. Protokoll eines Aufstiegs.







Wer speichert dieser Hände Arbeit? 





Prima Idee, nur leider hat Deutschland keine ÖWM und keinen Wille Klinger, sondern nur ein DWI .... Alles klar?